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  • 22.04.2013
  • von Marco Zschieck

Wohnen in Potsdam: Mehr Mietern wird gekündigt

von Marco Zschieck

Der Druck auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt wächst. Foto: dpa

Die Zahl der angesetzten Zwangsräumungen ist in Potsdam in den vergangenen Jahren gestiegen - 104 waren es allein im ersten Halbjahr 2012. Mietschulden sind eine der Hauptursachen. Die Verwaltung versucht, Räumungen zu verhindern - mit wachsendem Aufwand.

Der Druck auf dem Potsdamer Wohnungsmarkt ist hoch: Etwa 1000-mal im Jahr müssen Potsdamer Mieter um ihre Wohnung fürchten. Das Niveau der sogenannten Wohnungsnotfälle sei trotz intensiver Bemühungen in den letzten Jahren nicht gesunken. Das geht aus einer Antwort der Stadtverwaltung auf eine PNN-Anfrage hervor. „Der Aufwand, um insbesondere anstehende Zwangsräumungen zu verhindern, steigt stetig an“, so Stadtsprecher Jan Brunzlow.

In Berlin sorgte zuletzt der Tod der zwangsgeräumten Rentnerin Rosemarie F. für Aufsehen. Die schwerbehinderte 67-Jährige musste ihre Wohnung vor knapp zwei Wochen wegen nicht gezahlter Mieten verlassen und wurde zwei Tage später tot in einer Obdachlosenunterkunft aufgefunden. Seitdem gibt es Schuldzuweisungen zwischen Sozialarbeitern, Vermieter und dem Bezirksamt. Außerdem hieß es, die Verstorbene sei nicht kooperativ gewesen und habe beispielsweise nicht auf Anschreiben reagiert. Bei einer Gedenkkundgebung gab es Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Solche dramatischen Fälle sind in Potsdam nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass es in den letzten Jahren eine steigende Zahl von Kündigungen durch Vermieter als auch von angesetzten Zwangsräumungen gegeben hat. Wurden der Stadt im Jahr 2010 noch 153 Zwangsräumungen angekündigt, waren es im Jahr 2011 bereits 197. Allein in der ersten Hälfte von 2012 waren es schon 104. Abschließende Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor.

Wie viele Wohnungen tatsächlich geräumt wurden, ist aus den Daten der Stadtverwaltung nicht ersichtlich. Denn trotz Räumungsklagen können sich Mieter und Vermieter noch gütlich einigen. Ziel der Stadtverwaltung sei es, bei einem Anhalten der angespannten Wohnungsmarktsituation ein weiteres Ansteigen der Fallzahlen zu verhindern beziehungsweise den derzeitigen Stand zu halten, hieß es.

Die häufigste Ursache für Zwangsräumungen sind Mietschulden. Bereits bei zwei Monatsmieten Rückstand kann der Vermieter kündigen. Gleiche der Mieter die geschuldete Miete nicht umgehend aus, kann der Vermieter beim Amtsgericht eine Räumungsklage einreichen. Ab diesem Zeitpunkt ist der Wohnungsverlust nur noch abzuwenden, wenn der Mietrückstand innerhalb von zwei Monaten durch den Mieter oder eine öffentliche Stelle ausgeglichen wird. Die Stadt übernimmt Mietschulden als Darlehen, wenn die Wohnung dadurch gesichert werden kann. Allein im ersten Halbjahr 2012 gab sie dafür 104 000 Euro aus.

Hilfe für Betroffene gibt es seit 1998 in der Fachstelle der Stadtverwaltung in der Jägerallee, in der Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Haushalte beraten und unterstützt werden. Beratungen in Sachen Mietschulden bieten auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) sowie die Pro Potsdam für ihre Mieter an.

Da es trotz aller Hilfe und Beratung immer wieder zum Verlust der Wohnung kommt, sind die Angebote für Wohnungslose in den letzten Jahren ausgebaut worden: Neben einem Obdachlosenwohnheim der Awo am Lerchensteig mit 95 Plätzen gibt es ein spezielles Angebot für jugendliche Obdachlose mit einer Kapazität von 24 Plätzen. 60 Plätze gibt es im Familienhaus, dazu kommen noch 15 Notbetten. Außerdem unterhält die Stadt 17 sogenannte Gewährleistungswohnungen mit Plätzen für 53 Menschen. Das sind Wohnungen, die die Landeshauptstadt selbst anmietet, um wohnungslose Familien oder Einzelpersonen unterzubringen. Insgesamt sind dies 247 Plätze – so viele wie noch nie. Marco Zschieck

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