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  • 12.04.2013
  • von Peer Straube

Kreative Szene in Potsdam: Brauerei: Künstler haben Zukunftsangst

von Peer Straube

Ungestört proben: In der Alten Brauerei geht das noch. 23 Bands sind auf dem Areal an der Albert-Einstein-Straße ansässig und nutzen die Räume zum Musizieren. Als Kulturstandort sagen sie, sei das Gelände in Potsdam einzigartig. Angesichts der Wohnungspläne machen sie sich nun Sorgen um ihre Zukunft. Foto: Andreas Klaer

In der Alten Brauerei am Leipziger Dreieck blüht eine lebendige Künstler-Szene. Jetzt aber befrürchten die Mieter des Industriedenkmals, durch den Bau von Wohnungen verdrängt zu werden. Der Investor will helfen.

Templiner Vorstadt - Nach dem angekündigten Umbau der Alten Brauerei am Leipziger Dreieck zum Wohnquartier bangen die dort ansässigen Künstler um ihre Zukunft. „Dieser Kulturstandort hier ist in Potsdam einzigartig“, sagt Vico Grottschreiber. Der 25-Jährige leitet gemeinsam mit seinem Partner Gordon Burrmann das Musikprojekt B(ä)ndbreite. Es bietet fünf Potsdamer Bands die Möglichkeit, ungestört zu proben und sich auszutauschen. Auch Musikunterricht bieten Grottschreiber und Burrmann an.

Insgesamt nutzten derzeit sogar 23 Musikgruppen Räume auf dem Brauereigelände, erzählt Enno Schultz vom Klanglabor Potsdam, einem weiteren Musikprojekt auf dem Areal. Die Musikrichtungen gehen von Rock und Pop bis hin zu Metal. Auch in Potsdam bekannte Gruppen wie Hasenscheiße und Fortunate Fools nutzen Räume in der Brauerei für ihre Proben. Hinzu kommen weitere Kunstprojekte, Fotoateliers, Maler, eine Ärztin, ein Sanitärgroßhandel, selbst ein Bildhauer ist in der Brauerei an der Albert-Einstein-Straße ansässig. Alles in allem, schätzen Schultz und Grottschreiber, seien täglich etwa 200 Menschen auf dem Gelände. Das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Albert-Einstein- Straße sei praktisch voll vermietet. Die Mieter schätzten die Vielfalt auf dem Areal, sagt Grottschreiber. Wenn eine Band Fotos für Promotionzwecke brauche, „ist der Fotograf gleich nebenan“, meint er. Man helfe sich gegenseitig. Inzwischen habe sich eine richtige Künstlergemeinschaft herausgebildet, wie es sie in der Landeshauptstadt kaum noch gebe. Ein Umbau des Brauereigebäudes zu Wohnungen träfe die Bands am härtesten, sind sich Grottschreiber, Burrmann und Schultz sicher.

In Potsdam gebe es immer weniger Möglichkeiten zum Proben. Die Bands stünden Schlange, um in der Brauerei Räume nutzen zu können, sagt Schultz. Wenn die Möglichkeiten wegfielen, „wäre das dramatisch“. Wo die Musiker nach dem anvisierten Baustart hinsollen, wissen sie derzeit nicht. Das Jugendkulturzentrum „Freiland“ in der Friedrich-Engels-Straße komme ebenso wenig in Betracht wie das Kulturzentrum Archiv in der Leipziger Straße, sagt Grottschreiber. Die Proberäume in Ersterem seien bereits mehr als ausgelastet, das Archiv habe genug eigene Probleme.

Von der Nachricht, die Brauerei sei an die Nürnberger Immobilienfirma Terraplan verkauft worden, die das Ensemble nun sanieren und 50 Wohnungen dort unterbringen will, haben die Mieter erst am Dienstag aus den PNN erfahren. Wie berichtet hatte Terraplan die denkmalgeschützten Teile des Geländes an der Albert-Einstein-Straße nebst den alten Lagerhallen auf dem Innenhof von der Brauerei Potsdam GmbH gekauft, die ihrerseits zur Radeberger-Oetker-Gruppe gehört. Ab Frühjahr 2015 sollen die Denkmale saniert werden. Die Lagerhallen auf dem Hof sollen Neubauten weichen. Insgesamt rund 15 Millionen Euro will Terraplan in das Projekt investieren.

Bereits Ende 2011 habe man das Areal von der Radeberger-Gruppe erworben, so Roßnagel. Grottschreiber hingegen erklärte den PNN, er habe den Mietvertrag für die Räume im Verwaltungsgebäude jedoch erst im Dezember 2012 abgeschlossen – und zwar mit der Brauerei, nicht mit Terraplan.

Terraplan-Geschäftsführer Erik Roßnagel konnte den Vorgang auf Nachfrage am Donnerstag nicht erhellen. Terraplan habe einen rechtsgültigen Kaufvertrag mit der Brauerei geschlossen, sagte er. Roßnagel erklärte jedoch, er werde prüfen, wie die Verträge zustande gekommen seien.

Für die Sorgen der Künstler hat der Terraplan-Geschäftsführer Verständnis. „Wir werden jetzt auf die Mieter zugehen und mit ihnen Gespräche führen“, sagte er. Womöglich müssen sie noch nicht einmal vom Gelände weg. Unter den Gebäuden gebe es mehrgeschossige Kelleranlagen in „gewaltiger Größe“, sagte Roßnagel. Diese ließen sich ohnehin nicht für Wohnungen nutzen, seien aber durch meterdickes Mauerwerk und Erdreich nach oben abgeschirmt. Er könne sich vorstellen, diese an die Bands zu vermieten.

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