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  • 11.03.2013
  • von Jana Haase

Nächstes Projekt: Paris

von Jana Haase

Organisationstalent. Die Potsdamerin Petra van Laak arbeitet als Texterin und Kommunikationsberaterin unter anderem für das Bundesentwicklungsministerium oder die Potsdamer Stadtverwaltung. Die 46-jährige alleinerziehende Mutter machte sich vor fünf Jahren selbstständig. Derzeit schreibt sie an ihrem dritten Buch – einem Roman. Foto: Andreas Klaer

Petra van Laak machte sich als Alleinerziehende mit vier Kindern selbstständig – und schrieb ein Buch darüber

„Bist du wahnsinnig geworden?“ So heißt das erste Kapitel. Und es war in der Tat ein gewagtes Unterfangen, das Petra van Laak vor gut fünf Jahren startete. 40 Jahre alt, die Ehe endgültig gescheitert, die Haushaltskasse nach der Insolvenz des früheren Managergatten blank, plötzlich alleinerziehend mit vier Kindern, jahrelang ohne Berufserfahrung wollte sich die Kunsthistorikerin selbstständig machen. Es war eine Art Notlösung – denn auf dem normalen Arbeitsmarkt war es für die Potsdamerin unmöglich, eine Stelle zu ergattern, um sich und die Familie einigermaßen versorgen zu können. Wie sie dann zur erfolgreichen Unternehmerin wurde, beschreibt Petra van Laak in ihrem neuen Buch „Auf eigenen Beinen“, das sie am morgigen Dienstag im Literaturladen Wist vorstellt.

In ihre Ein-Frauen-Firma brachte die Existenzgründerin im Januar 2008 nicht viel mehr mit als die Überzeugung: „Gute Texte werden immer gebraucht.“ Dass es ihr leichtfällt, zu schreiben, zu redigieren und zu übersetzen, das wusste sie von einem früheren Job beim Film, wo sie unter anderem Dialogbücher überarbeitete. Das erste eigene Büro der vierfachen Mutter bestand dann aus einem Laptop mit Internetanschluss neben dem Bett im Wohnzimmer. Die Kunden sollten das freilich nicht wissen, Treffen vereinbarte Petra van Laak deshalb auswärts. „Es war ein total chaotischer Anfang“, erinnert sich die 46-Jährige heute.

Mittlerweile hat sie ein ziemlich präsentables Büro mit Blick über die Pflasterstraßen am Neuen Markt. Im Januar konnte die Unternehmerin das fünfjährige Jubiläum der Firma feiern, sie zählt unter anderem das Bundesentwicklungsministerium oder die Stadtverwaltung Potsdam zu ihren Kunden, hat mit Unterstützung von anderen Freiberuflern Webseiten entworfen, Werbebroschüren oder iPad-Anwendungen. Und nebenbei die Karriere als Buchautorin ins Rollen gebracht: „Auf eigenen Beinen“ ist Petra van Laaks zweites Buch. Vor Jahresfrist erschien „1 Frau, 4 Kinder, 0 Euro (fast)“, momentan arbeitet sie an ihrem nächsten Buch. Für die Recherche war sie vor wenigen Wochen einen Monat lang in Paris.

Wie schafft diese Frau das alles so scheinbar mühelos? „Ich bin ziemlich gut organisiert und diszipliniert“, sagt Petra van Laak. Der unbedingte Rückhalt ihrer Familie sei ihr von Anfang an wichtig gewesen: „Ich habe damals mit meinen Kindern Familienrat am Küchentisch gehalten“, erzählt sie. Damit die Neugründung funktionieren konnte, musste jedes Kind – damals acht, zehn, zwölf und vierzehn Jahre alt – Familienaufgaben übernehmen. „Es gab einen Wäschedienst, einen Einkaufsdienst, einen Mülldienst“, erklärt Petra van Laak. Das habe schnell gut geklappt. Gleichzeitig wussten Jonas, Frieda, Millie und Till Bescheid: „Es kommen magere Zeiten auf uns zu.“

Ganz so mühelos war der Start in die Selbstständigkeit nämlich nicht. Fast zwei Jahre dauerte es, bis das Geschäft so gut lief, dass Petra van Laak Unterstützungen wie Wohngeld nicht mehr brauchte. Einen Gründungszuschuss vom Jobcenter hat sie nie in Anspruch genommen. „Dafür hätte ich mich erst arbeitslos melden müssen“, erzählt sie: „Das wollte ich auf keinen Fall.“

Vom Kampf um die ersten Kleinstaufträge – DVD-Klappentexte für 85 Euro –, ersten Erfolgserlebnissen, von Problemen mit unzufriedenen und komplizierten Kunden, dem Sinn von Netzwerktreffen, von Selbstzweifeln, Mutmachern und der permanenten Herausforderung, Familie und Job unter einen Hut zu bringen, schreibt Petra van Laak in ihrem Buch. Das ist mit 283 Seiten unterhaltsam und aufschlussreich zu lesen: wenn zum Beispiel die Arbeit an einer Kampagne für ein Diätgetränk, bei der schon die Auftraggeber nicht ganz einfach sind, auch zu Hause unvorhergesehene Nebeneffekte hat, weil die Tochter plötzlich an Gewichtsproblemen zu leiden meint und sich die Mutter einer Diskussion über Moral stellen muss. Oder wenn die Haushaltsarbeit mal nicht so klappt wie abgesprochen und die Mutter kurzerhand in Streik tritt. Das Buch ist gleichermaßen Ermutigung und Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Existenzgründung wie Erfahrungsbericht einer alleinerziehenden Mutter, die ihren Traum gegen alle Widerstände verteidigt.

Auch die Recherche-Reise nach Paris war so ein Traum. Der Entschluss sei innerhalb von vier Tagen gefallen, erzählt Petra van Laak: „Der Januar ist sowieso ein umsatzschwacher Monat.“ Sie habe ihre Tochter bei einer Pariser Schule angemeldet, eine Wohnung organisiert, dem Verlag ein Konzept vorgelegt. In einem Blog im Internet – „Paris – Potsdam“ – berichtete sie täglich von ihren Erlebnissen, von der geheimnisvollen Nachbarin, dem perfekten Baguette, Monets Seerosen oder bunten Macarons. Irgendwann soll daraus ein Roman werden.

Am morgigen Dienstag stellt Petra van Laak ihr Buch „Auf eigenen Beinen“ im Literaturladen Wist, Dortustraße/Ecke Brandenburger Straße, vor. Beginn ist 20 Uhr.

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