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  • 02.03.2013

Jugendkultur in Potsdam: Chancen für das Archiv schwinden

Steht eines der letzten alternative Jugend- und Kulturzentren Potsdams, das „Archiv“, endgültig vor dem Aus? Die Bauaufsicht stellt neue Bedingungen, der Trägerverein macht die Stadtverwaltung dafür verantwortlich.

Templiner Vorstadt – Die Chancen für die Rettung des alternativen Jugend- und Kulturzentrums „Archiv“ schwinden – der Trägerverein macht die Stadtverwaltung dafür verantwortlich. Am Freitag teilte der Archiv e.V. mit, die Bauaufsicht habe als jetzt neue und zusätzliche Bedingung für die eigentlich Ende April geplante eingeschränkte Wiedereröffnung des Hauses die Installation einer Lüftungsanlage verlangt. Diese würde mit 40 000 Euro extra zu Buche schlagen und damit die nötigen Gesamtkosten für die derzeit laufende Brandschutzsanierung von 50 000 auf 90 000 Euro verteuern. „Diese neue Summe werden wir kurzfristig nicht aufbringen können“, sagte Archiv-Sprecher Kay Kärsten. Der Verein habe bisher 32 500 Euro gesammelt. Daher sei jetzt die Verwaltung am Zuge, sich zu bewegen. Kärsten erinnerte an die 625 000 Euro, die für die Sanierung des Gebäudes reserviert seien. Sollte sich die Stadt einer Lösung verweigern, werde das Risiko der endgültigen Schließung des „Archivs“ deutlich vergrößert.

Stadtsprecher Markus Klier wies den Vorwurf zurück, bei der Anlage handele es sich um eine nachträgliche Forderung der Bauaufsicht. Zuletzt habe man den Verein bei einer Begehung darauf hingewiesen, dass die Lüftungsanlage Bedingung für eine Baugenehmigung sei. Die Anlage sei notwendig, da bei einem Konzert im „Archiv“ die Fenster nicht beliebig geöffnet werden könnten. „Die genehmigte Lüftungsanlage ist der absolute Mindeststandard für eine Versammlungsstätte, der noch vertretbar ist.“

Seit Jahren wird um die Rettung des maroden Kulturzentrums in der Leipziger Straße gerungen. Im Januar musste auf Anweisung der Bauaufsicht der Veranstaltungsbetrieb wegen Sicherheitsmängeln eingestellt werden. Zugleich hatte der Verein mit der Bauaufsicht abgestimmte Rettungsmaßnahmen für besagte 50 000 Euro angekündigt, um zunächst eine auf 150 Personen eingeschränkte Betriebserlaubnis zu erhalten. Kärsten sagte, damals sei von der Lüftungsanlage keine Rede gewesen – allerdings seien die Maßnahmen auch nur mündlich vereinbart worden.

Laut Rathaus kosten die für eine vollständige Betriebserlaubnis nötigen Baumaßnahmen mehr als 1,15 Millionen Euro, die Stadt hat 625 000 Euro zugesagt. Das fehlende Geld soll der Verein aufbringen – dafür hatte die Stadt ein Finanzierungskonzept verlangt, erst dann werde das reservierte Geld ausgezahlt. HK

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