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  • 26.04.2008
  • von Von Jana Haase

Konzept für besseren Radverkehr in Potsdam: 400 Maßnahmen sollen Radfreundlichkeit verbessern

von Von Jana Haase

Innenstadt - Potsdam soll niederländischer werden. Zumindest, was den Radverkehr angeht: Werden bisher rund 20 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt (siehe Kasten), soll der Anteil des Radverkehrs in den nächsten fünf Jahren nach Wunsch der Verwaltung auf 27 Prozent wachsen. Das entspreche der niederländischen Quote, erklärte Stadtplanungs-Chef Andreas Goetzmann gestern vor Journalisten. Um dieses „ehrgeizige Ziel“ umzusetzen, hat die Stadt jetzt das „Radverkehrskonzept“ entwickelt.

Auf 240 Seiten sind darin mehr als 400 Maßnahmen zur Verbesserung des Radwegenetzes und der Fahrradfreundlichkeit der Landeshauptstadt enthalten, wie Verkehrsentwickler Axel Dörrie erläuterte. Insgesamt sieht das Konzept 326 Kilometer Radrouten vor. Dabei handele es sich allerdings nicht nur um separate Radwege, sondern beispielsweise auch um Tempo-30-Zonen, die Radverkehr ohne spezielle Markierungen ermöglichen, so Dörrie. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden Gesamtkosten in Höhe von 6,2 Millionen Euro verursachen. Das Konzept wird im Mai den Stadtverordneten vorgestellt und könnte im Sommer verabschiedet werden.

Bereits ab Herbst könnten dann die 120 „Sofortmaßnahmen“ umgesetzt werden, so Dörrie: Dazu gehört zum Beispiel die Entfernung eines Pollers auf der Ebert-Straße Richtung Nauener Tor hinter der Einmündung Mittelstraße, die Beschilderung des Mittelweges in der Hegelallee als gemeinsamer Rad- und Fußweg oder in der Breitscheid-Straße die Verlängerung des Schutzstreifens bei der Überquerung der Tram-Schienen nahe dem Thalia-Kino. Die Sofortmaßnahmen würden insgesamt 100 000 Euro kosten und seien mit „geringem Aufwand“ umsetzbar, erklärte Dörrie.

Einige Strecken des anvisierten Wegenetzes werden allerdings noch eine Weile Zukunftsmusik bleiben: So die Nord-Süd-Querung durch den Park Sanssouci, die Verbindung zwischen Gotischer Bibliothek und Haupteingang des Neuen Gartens und der „Mauerweg“ im Park Sacrow. Mit einer Änderung sei dort nicht zu rechnen, sagte Stiftungssprecherin Elvira Kühn gestern auf PNN-Anfrage. Mit der geltenden Radregelung sei man „den Potsdamern schon entgegengekommen“, sagte Kühn. Goetzmann erklärte dagegen, er erhalte häufig Briefe von Betroffenen, die sich über die Radregelung der Stiftung beschwerten: „Unsere Zusammenarbeit mit der Stiftung läuft unter der Überschrift: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.“

Mit dem Radwegekonzept will die Verwaltung auch ein „fahrradfreundlicheres Klima“ in Potsdam schaffen: So soll im Sommer 2008 ein Fahrradstadtplan vorgelegt werden. Die Beschilderung der Radwege soll sukzessive vorgenommen oder erneuert werden, sagte Dörrie. Auch die Abstellsituation, beispielsweise am Hauptbahnhof, soll sich verbessern. Denkbar sei dort etwa eine „Radstation“, in der 1000 bis 1200 Räder kostenpflichtig untergestellt werden können.

Nach Wunsch der Stadtentwickler sollen „perspektivisch“ pro Jahr 750 000 Euro in die Radverkehrsförderung gesteckt werden. Diese Forderung sieht er auch durch den Bürgerhaushalt bestätigt. Die Verbesserung der Radwege war auf der Liste der Bürgervorschläge auf Platz eins gelandet.

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