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  • 17.12.2012
  • von Jana Haase und Ingmar Höfgen

Die Fans sind verunsichert

von Jana Haase und Ingmar Höfgen

Will sich heute erklären. Seit anderthalb Jahren ist der Kinobetreiber Thomas Bastian SVB-Präsident. Nach den Turbulenzen der vergangenen Tage und neuen Fragen zum Engagement von Hauptsponsor DKB rechnen viele Fans mit seinem Rücktritt. Foto: Manfred Thomas

Nach dem Schatz-Rücktritt: Fußball-Drittligist SVB verteidigt Kreditbank, Bastian kündigt Erklärung an

Babelsberg - Fußball-Drittligist SV Babelsberg 03 kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Rücktritt des Aufsichtsratschefs Friedhelm Schatz, der sein Amt am Freitag unter Verweis auf den Einfluss von „Kapitalgebern“ auf die Ausrichtung des Vereins aufgegeben hatte (PNN berichteten), ist Verunsicherung und Skepsis bei den Fans groß. Vereinspräsident Thomas Bastian drückte am Wochenende Verständnis für Schatz’ Schritt aus – und wollte sich gleichzeitig zu Gerüchten, er selbst werde ebenfalls zurücktreten, nicht äußern. Bastian kündigte für den heutigen Montag, an dem noch „wichtige Gespräche“ bevorstünden, eine Erklärung an. Außerdem trat der Verein am Wochenende Spekulationen über ein verstärktes Engagement des SVB-Hauptsponsors Deutsche Kreditbank (DKB) mit einer Erklärung auf seiner Internetseite entgegen – und sorgte damit für neue Diskussionen bei Fans, unter anderem auch zur finanziellen Situation des Vereins.

Er könne den Rücktritt von Friedhelm Schatz nachvollziehen, sagte SVB-Präsident Thomas Bastian den PNN: „Ich bedaure ihn sehr. Wir haben sehr gut, sehr eng zusammengearbeitet.“ Auf die Frage, ob er davon ausgeht, dass er selbst nach dem Montag noch Vereinschef ist, wollte Bastian keine Antwort geben.

Hintergrund für die Turbulenzen ist wie berichtet das Engagement der DKB. Die Bank hatte dem Verein erst im vergangenen Jahr mit einer Bürgschaft über 1,4 Millionen Euro in buchstäblich letzter Minute die Drittliga-Lizenz gerettet und ist der finanzkräftigste Geldgeber des SVB 03. Schatz, der erst im Mai 2012 an die Spitze des Aufsichtsrats gerückt war, hatte nun jedoch weitreichende Eingriffe von Sponsoren beklagt: „Wenn dabei Spielregeln von außen aufgestellt werden, in diesem Fall von der kapitalgebenden Seite, die umfassend in meine geplante Handlungsfähigkeit eingreifen, ziehe ich die Konsequenzen“, hatte er am Freitag erklärt.

Die danach laut gewordenen Vorwürfe gegen die Deutsche Kreditbank versuchte der Verein mit einer Erklärung zu entkräften: Die DKB werde bisher gewährte Darlehen in eigenkapitalersetzende „Genussscheine“ – eine besondere Form von Wertpapieren – umwandeln, heißt es darin zur Erklärung. Dieses Prozedere – von Kritikern als legaler Taschenspielertrick bezeichnet – könne die Bilanzsituation des Vereins verbessern, weil diese Papiere nicht als negatives Eigenkapital gelten. So könne die „momentan bedingte Eigenkapitalunterdeckung“ beseitigt werden. Wie genau es um die Finanzen steht, ließ der Verein jedoch offen. Mehr Aufschluss könnte es bei der angekündigten Erklärung am heutigen Montag geben.

Es werde „in keiner Weise ungewöhnliche Auflagen und Bedingungen“ geben, heißt es auf der SVB-Homepage weiter: „Eingriffe jeder Art in das operative Geschäft des Vereins sind nicht möglich und sind selbstverständlich von Seiten der Bank auch nicht gewünscht.“ Unter Fans war trotzdem von einem verschleierten „Verkauf“ des Vereins die Rede. Bastian, seit Juni 2011 Präsident des SVB, verteidigte die neue Konstruktion indes gegenüber den PNN: Mit den „Genusscheinen“ könne der Verein aus der Insolvenzgefahr geholt werden, denn negatives Eigenkapital könne der Deutsche Fußballbund (DFB) mit Geldstrafen oder Punktabzug ahnden. Kritiker sehen die jetzt geplante Umwandlung des Darlehens in sogenannte Genussscheine als Indiz dafür, dass die Einnahmen beim SVB bei Weitem nicht die Ausgaben decken, da nicht genügend neue Sponsoren gefunden würden. (mit M. M.)

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