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  • 15.12.2012
  • von Peter Könnicke

Gegen die Spielregeln

von Peter Könnicke

Das Handtuch geworfen: Friedhelm Schatz ist nicht mehr Chef im Aufsichtsrat des SV Babelsberg. Er wollte sich nicht den Spielregeln der DKB unterwerfen. Foto: M. Thomas

Friedhelm Schatz tritt als Aufsichtsratschef des SV Babelsberg 03 zurück und beklagt eine zu große Einflussnahme des Geldgebers DKB

Nach knapp 18 Monaten an der Aufsichtsratsspitze des Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 ist Friedhelm Schatz am gestrigen Freitag von dem Posten zurückgetreten. Schatz begründete seinen Schritt mit dem Einfluss von „Kapitalgebern“ auf die Ausrichtung des Vereins. „Wenn dabei Spielregeln von außen aufgestellt werden, in diesem Fall von der kapitalgebenden Seite, die umfassend in meine geplante Handlungsfähigkeit eingreifen, ziehe ich die Konsequenzen“, erklärte Schatz.

Nach PNN-Informationen seien weitere Rücktritte von Mitgliedern des Vorstandes und des Aufsichtsrates nicht auszuschließen, selbst über einen Rückzug von Vereinspräsident Thomas Bastian wurde spekuliert. Der Nulldrei-Chef wollte sich zunächst zu den Entwicklungen nicht äußern und verwies auf eine Vorstandssitzung, die bei Redaktionsschluss noch andauerte.

Nach PNN-Informationen stehen Schatz’ und mögliche weitere Rücktrittserklärungen im Zusammenhang mit dem Engagement der Deutschen Kreditbank. Die DKB ist finanzkräftigster Geldgeber des Vereins und hatte den Drittligisten im vergangenen Jahr mit einer Bürgschaft über 1,4 Millionen Euro die Lizenz gerettet. Zudem bewahrten eine 700 000 Euro dicke Geldspritze der Stadt und rund 100 000 Euro an Fan-Spenden den Verein vor der Insolvenz. Dem Vernehmen nach will die DKB nunmehr ihr finanzielles Engagement erhöhen und zudem weitere Sponsoren mitbringen, macht im Gegenzug aber einen größeren Einfluss auf die Entwicklung des Vereins geltend. So soll es Bemühungen geben, Vorstandspersonalien und strategische Entwicklungen des Vereins zu beeinflussen. Unter anderem soll seitens der DKB eine Job-Garantie für den nicht unumstrittenen Geschäftsführer Klaus Brüggemann gefordert worden sein. Dessen Rücktritt war auf einer Mitgliederversammlung Ende Oktober gefordert worden: Fans werfen Brüggemann vor, Tradition und Image des Kiezvereins einer weitgehenden Kommerzialisierung opfern zu wollen.

Schatz wollte sich den „Spielregeln“ nicht unterwerfen – und trat zurück. Der Geschäftsführer des Filmparks Babelsberg hatte die Spitze im Aufsichtsrat im Juni 2011 übernommen, nachdem die drohende Insolvenz abgewendet und in der Führungsriege ein personeller Neuanfang vollzogen wurde. Nulldrei-Präsident ist seitdem Thalia-Kino-Betreiber Thomas Bastian, Geschäftsführer ist Heinz Brüggemann, Ex-Präsidiums-Mitglied von Hertha BSC.

Bereits nach seinem Amtsantritt hatte Schatz von seiner Vision gesprochen, Nulldrei behutsam an die Zweite Liga heranzuführen. Denn dies würde die Möglichkeit eröffnen, finanziell unabhängig von der DKB zu werden. Auf PNN-Anfrage wollte der Filmpark-Chef seine Kritik an der DKB nicht konkretisieren und die auferlegten „Spielregeln“ nicht näher erklären. Auch andere Mitglieder des Aufsichtsrates hielten sich mit Äußerungen zurück.

Zumindest lässt der Zeitpunkt des Rücktritts erahnen, welche Entwicklungen und Kontroversen es in den vergangenen Wochen hinter den Vereinskulissen gegeben haben muss. Denn noch im Oktober hatte Schatz erklärt: „Die DKB an der Seite zu haben ist ein Jahr nach der Neustrukturierung ein Glücksfall.“ Der Äußerung vorausgegangen war eine turbulente Mitgliederversammlung, auf der Fans Kritik am vermeintlich zu mächtigen Einfluss der DKB auf die Entwicklung des Vereins geübt hatten. Im Zentrum des Fan-Unmuts stand SVB-Geschäftsführer Klaus Brüggemann, dem vorgeworfen wird, eine Marionette der DKB zu sein und eine „Herthanisierung“ des Vereins voranzutreiben.

In einer offiziellen Mitteilung des Vereins wurde Schatz’ Rücktritt bedauert. „Der Grund ist die unterschiedliche Auffassung zur Vereinsausrichtung zwischen den Kapitalgebern und Herrn Schatz“, heißt es in einer mageren Erklärung. Im Online-Fan-Forum des SVB wurde Schatz’ Rücktritt überwiegend sachlich zur Kenntnis genommen und kommentiert. Zum einen gab es Stimmen, die den Abgang bedauern, weil Schatz sich um „Tradition und Kiez-Image“ des Vereins bemüht habe. Verständnis gab es auch für Schatz’ Position, dass sich eine Einflussnahme von Sponsoren auf die Vereinspolitik verbiete. Aber es gab auch andere Meinungen: „Eine verantwortliche Führungsfigur muss einen sachlichen oder strategischen Konflikt auch aushalten und sich durchsetzen “, so ein Forumsbeitrag.

Peter Schüler, Vorsitzender der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung, zeigte sich von der Rücktrittsmeldung beunruhigt. Nachdem die Stadt in einem Jahr für die Nulldrei-Rettung sowie für den Stadionbetrieb mehr als eine Million Euro ausgegeben habe, sehe er die fehlende Transparenz und Kommunikation mit Sorge.

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