23.10.2017, 12°C
  • 01.12.2012
  • von Jan Kixmüller

Große Schritte

von Jan Kixmüller

Prämiert. Rebekka Wiemann. Foto: A. Klaer

Nachwuchswissenschaftler-Preis an Rebekka Wiemann für Promotion über Homosexualität

Gerade mal zwei Jahre hat die junge Nachwuchswissenschaftlerin Rebekka Wiemann für ihr über 300-seitiges Werk gebraucht. „Sexuelle Orientierung im Völker- und Europarecht – Zwischen kulturellem Relativismus und Universalismus“ ist der Titel ihrer Promotion, für die sie am Freitagabend auf dem Einsteintag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Potsdamer Nikolaisaal den Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis erhielt. Der Preis wurde zum sechsten Mal vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert.

In ihrer Arbeit analysiert die junge Wissenschaftlerin umfassend die Rechtsstellung homosexueller Menschen nach Völkerrecht sowie im Recht der Europäischen Union. Damit hat sie mit gerade einmal 29 Jahren bereits eine Forschungslücke geschlossen. Dass der Juristin, die in Passau, Mainz und Chile studiert hat, eine solch umfassende Arbeit in so kurzer Zeit gelungen ist, habe vor allem damit zu tun, dass sie während der Promotionszeit Mutter geworden ist. Damit die Kosten für den Babysitter nicht explodierten, habe sie schneller und effektiver gearbeitet, erinnert sie sich heute. Entstanden ist die Arbeit vorwiegend in den USA. Ihren Doktorvater Professor Andreas Zimmermann vom Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam fand die aus Wuppertal stammende Juristin über das Internet. Für sie zählte vor allem dessen Expertise in Europa- und Völkerrecht. Die Kommunikation zwischen den beiden lief meist über E-Mail. „Der Ort an dem man sich zur Ausarbeitung einer Promotion befindet, ist heute nicht mehr so wichtig“, sagt sie.

Mittlerweile arbeitet die Preisträgerin beim Juristischen Dienst des Generalsekretariats des Rates der Europäischen Union in Brüssel. Dort rief sie Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) persönlich an, um ihr zu berichten, dass die Wahl auf sie gefallen war. Ihre Reaktion sei sehr emotional gewesen, erinnert sich Jakobs. „Dieser Anruf war eine wunderbare Überraschung“, sagt die junge Juristin heute. Die Auszeichnung würdige ihre bisherige Arbeit und sei Anreiz für neue Aufgaben.

Rebekka Wiemann beschäftigte sich in ihrer Promotion mit der Frage der Diskriminierung von Homosexualität in den verschiedenen Kulturen. Ihre Ergebnisse machen ihr Hoffung auf einen liberaleren Umgang mit dem Thema. So hat sie herausgefunden, dass das Thema Familie heute in modernen Gesellschaften nicht mehr ausschließlich auf heterosexuelle Partnerschaften beschränkt sei. „Das ist ein großer Schritt“, meint die Juristin. Zum anderen finde in vielen Gesellschaften eine Entprivatisierung statt, Schutz für homosexuelle Lebensformen betreffe heute zunehmend nicht mehr nur den privaten Bereich. Ihr nächstes Ziel: Eine Arbeit zum Mutterschutz. Jan Kixmüller

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!