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  • 09.11.2012
  • von Jana Haase

Zum 9. November: Vergebene Chance

von Jana Haase

Touristen-Attraktion mit welthistorischer Bedeutung. Nur eine deutschsprachige Tafel weist derzeit an der Glienicker Brücke auf die Geschichte des Bauwerks hin. Eine mehrsprachige Informations-Stele ist vor zwei Jahren gestohlen worden – und soll laut Stadt auch nicht ersetzt werden. Foto: Andreas Klaer

Die Mauer ist weg. Ein bisschen zu sehr weg aus dem Potsdamer Stadtbild: 23 Jahre nach dem Mauerfall beklagen frühere DDR-Bürgerrechtler und Opfervertreter Lücken in der Erinnerungskultur an die SED-Diktatur.

Potsdam - So hat das Rathaus bislang kein Konzept zur Kenntlichmachung des früheren Mauerverlaufs vorgelegt, obwohl das schon 2001 von den Stadtverordneten beschlossen worden war und 2010 vom Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) erneut angekündigt wurde. „Wir sind hinter den Stand gefallen, den wir schon einmal hatten“, kritisiert Manfred Kruczek vom Forum-Verein, der sich der kritischen Auseinandersetzung mit DDR-Geschichte verschrieben hat und sich unter anderem für die Sicherung der Mauerreste am Griebnitzsee eingesetzt hat.

Versäumnisse wirft Kruczek der Stadt vor allem bei der Situation an der Glienicker Brücke vor. Hinweise auf „die welthistorische Bedeutung des Baus als Symbol des Kalten Krieges“ seien vor Ort nur „sehr dürftig“, beklagt Kruczek. „Das ist ein touristisch außerordentlich attraktiver Ort, an dem die Stadt sich etwas vergibt“, kritisiert er und erinnert an die Ausstellung zur Geschichte der Brücke, die – bei freiem Eintritt – jahrelang im Bundesvermögensamt in der Berliner Straße gezeigt wurde, mittlerweile aber schon seit Jahren in den Archiven der Stadt eingemottet ist.

Tatsächlich beschränkt sich die Beschilderung an der Brücke momentan auf das großformatige braune Straßenschild, das dort 2010 aufgestellt wurde. Das in diesem Sommer auf der Brückenmitte eingeweihte Stahlband im Boden weist auf mit der Inschrift „Deutsche Teilung bis 1989“ auf die frühere Grenze hin. Nach mehrsprachigen oder weiterführenden Informationen zur Rolle des Bauwerks in der deutsch-deutschen Geschichte sucht man vergebens, seit eine Info-Stele 2010 über Nacht spurlos verschwunden ist. Auch Richard Buchner vom Gedenkstättenverein KGB-Gefängnis Leistikowstraße beklagt diesen Zustand als „dürftig“: „Ich würde es begrüßen, wenn dort mehr zum historischen Hintergrund zu erfahren wäre.“ Die Möglichkeit dazu haben Touristen zwar in der Villa Schöningen – aber nur gegen einen Eintrittspreis von neun, ermäßigt sieben Euro.

Das Rathaus sieht indes weder bei der Mauerkennzeichnung noch an der Glienicker Brücke Handlungsbedarf: „Die schrittweise Umsetzung der Kennzeichnung des Mauerverlaufes ist in den letzten zehn Jahren weitgehend umgesetzt worden“, teilte Stadtsprecher Jan Brunzlow auf PNN-Anfrage mit. Er verweist auf das Stahlband auf der Brücke, auf die zwei verbliebenen Info-Stelen am Bahnhof Griebnitzsee und in Steinstücken, die von Fraktionen der Stadtverordetenversammlung finanziert wurden, und auf die 2011 aufgestellten Stelen für Maueropfer – ein Projekt der Stiftung Berliner Mauer.

Die eingemottete Ausstellung zur Brückengeschichte soll ab 2013 zumindest teilweise im Potsdam-Museum im Alten Rathaus zu sehen sein, kündigte der Stadtsprecher weiter an. In Zukunft sei zudem die Aufstellung der in der Bertinistraße abgerissenen Hinterlandmauer geplant. Auch der an der Bertini-Enge erhaltene Wachturm soll perspektivisch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

An der Glienicker Brücke wird sich dagegen nichts ändern: Die geklaute Stele soll nicht ersetzt werden, sagte der Stadtsprecher unter Verweis auf die Kosten. Auch sei der frühere Standort der Stele wegen Bauarbeiten „derzeit nicht verfügbar“. Kaum Hoffnung auch für die 2009 zeitweise aufgestellten Tafeln an 15 Orten des Wendeherbstes – darunter die Glienicker Brücke oder die Nikolaikirche. Die Metalltafeln, die damals vom Oberbürgermeister als „Erinnerungskultur zum Anfassen“ gelobt wurden, sind eingelagert und noch verwendungsfähig, sagte die Historikerin und Projektleiterin Stefanie Wahl auf PNN-Anfrage. Auf die Frage nach der möglichen Nachnutzung reagiert die Stadt ausweichend: „Dazu gibt es weiteren Abstimmungsbedarf“, so der Stadtsprecher. Die Kosten für mögliche Vandalismus-Schäden seien „kaum zu kalkulieren“.

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