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  • 09.11.2012
  • von Günter Schenke

Heidesiedlung: Verkauf frühestens 2014

von Günter Schenke

Wenig Interesse an Mieterversammlung / Pro Potsdam verteidigt erneut Veräußerungsabsichten

Babelsberg - Die meisten Stühle im Saal des Kartoffel-Pubs in der Großbeerenstraße blieben Mittwochabend leer. Lediglich sieben Bewohner der gegenüber liegenden Heidesiedlung waren zur Mieterversammlung gekommen, die sich mit der Zukunft ihrer Wohnungen beschäftigen sollte – was allerdings auch daran gelegen haben könnte, dass viele Mieter zeitgleich in der Stadtverordnetenversammlung saßen, wo der umstrittene Verkauf der denkmalgeschützten Anlage ebenfalls auf der Tagesordnung stand. Dessen ungeachtet hatten in der Veranstaltung anwesende Mieter gegenüber den PNN erklärt, dass sie bewusst nicht zur Mieterversammlung gehen wollten.

Wie berichtet wehren sich die Mieter gegen die geplante Veräußerung, die der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung der städtischen Gesellschaft bereits beschlossen haben. Mit einem Verkauf sei allerdings frühestens in 18 Monaten, also 2014, zu rechnen, sagte Pro-Potsdam-Geschäftsführer Jörn-Michael Westphal. Der Hauptausschuss und der Oberbürgermeister als Gesellschafter müssten noch zustimmen, dann könne das Objekt ausgeschrieben werden. Mindestens zwei Millionen Euro will die Gesellschaft mit dem Verkauf erlösen.

62 von 90 Wohnungen zwischen Heideweg, Pestalozzi- und Großbeerenstraße sind laut Gewoba-Chefin Christiane Kleemann derzeit noch bewohnt. Für einen Vermieter ist der Zustand der angegrauten aus gelben Klinkern gemauerten Häuser kein Ruhmesblatt: Marode Fenster und Dächer, verlotterte Außenanlagen und Fassaden. Im Inneren ist von zeitgemäßem Mindestkomfort keine Spur. Trotzdem hängen viele der noch verbliebenen Mieter an ihren ofenbeheizten Wohnungen, nicht zuletzt wegen der geringen Mieten: Eine Zweizimmerwohnung kostet monatlich etwa 200 Euro.

Westphal begründete den maroden Zustand der Wohnanlage mit dem Vermögensgesetz, nach dem in den vergangenen 20 Jahren nur das Nötigste repariert werden durfte. Erst seit 2010 sei die Pro Potsdam rechtmäßige Eigentümerin.

Zu einer Sanierung sieht sich die Pro Potsdam laut Westphal finanziell nicht in der Lage. Auf 1500 Euro pro Quadratmeter bezifferte er die Baukosten. Nur 500 Euro ließen sich per Darlehen bezahlen, den verbleibenden großen Eigenanteil könne das Unternehmen nicht aufbringen. Die erwarteten Einnahmen würden nicht einmal das Darlehen decken. Von steuerlichen Erleichterungen, wie sie bei der Sanierung von Denkmalen als Abschreibungen anfallen, würde die kommunale Gesellschaft kaum profitieren, sagte Westphal. Die Steuerlast ehemaliger DDR-Wohnungsunternehmen sei bereits seit den 90er Jahren wegen diverser Verlustverträge reduziert.

Die Mieter bangen nun um ihre Zukunft. „Ich möchte hier zu bezahlbarer Miete wohnen bleiben, auf jeden Fall in dieser Mietergemeinschaft und in Babelsberg“, äußerte eine junge Bewohnerin. Eine Mieterberaterin aus Berlin-Prenzlauer Berg versuchte, die Sorgen zu nehmen: „Kauf bricht nicht Miete“, verkündete sie als Grundsatz. Und Westphal versprach denjenigen, die bei der Pro Potsdam bleiben wollen, eine passende Ersatzwohnung.

Sollte der Hauptausschuss dem Verkauf nicht zustimmen oder die Käufersuche am Ende scheitern, fehlten der Pro Potsdam „Millionen an Einnahmen“, erklärte Westphal. Das Unternehmen müsse zudem die Siedlung selbst sanieren, was mit drei Millionen Euro Eigenmitteln zu Buche schlage. Westphal: „Diese Mittel haben wir nicht eingeplant.“ Die Bewohner könnten sich die Wohnungen zudem hinterher kaum leisten, weil sie zu einem Zins vermietet werden müssten, der über dem Mietspiegel liegt, sagte Westphal.

Allerdings gibt es für die Immobilie bereits Interessenten. Wie berichtet will die Wohnungsgenossenschaft PWG 1956 einen Kauf prüfen, sobald ein konkretes Angebot vorliegt. Die Mieter könnten in den Wohnungen bleiben, ohne Genossenschaftsmitglied zu werden.

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