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  • 08.11.2012

Stadtverordnete votierten für Kooperationsantrag: Staudenhof: Abriss in zehn Jahren

Innenstadt - Der Abriss des umstrittenen Staudenhof-Wohnblocks neben der Nikolaikirche ist beschlossene Sache. Die Stadtverordneten votierten am Mittwochabend mehrheitlich gegen die Stimmen vor allem der Linken und der Fraktion Die Andere für einen gemeinsamen Antrag der Rathauskooperation aus SPD, CDU/ANW, FDP und Bündnisgrünen, wonach der Plattenbau mit 182 Wohnungen eine Gnadenfrist von zehn Jahren erhält, bevor er zurückgebaut wird. Für die Bestandsmieter soll vorzugsweise an Ort und Stelle Ersatz geschaffen werden, und zwar für eine Miete, die nicht höher ist als sie im Falle einer Sanierung des Staudenhof-Komplexes wäre. Sollte die Pro Potsdam als Eigentümerin des Grundstücks nicht selbst bauen, müssen die Auflagen beim Verkauf des Areals vom Investor umgesetzt werden.

Dem Beschluss war eine hitzige Debatte vorausgegangen. Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg und Hannes Püschel (Die Andere) warfen der Kooperation erneut vor, preiswerten Wohnraum zu vernichten. Dass am Standort preiswerter Ersatz geschaffen werden könne, sei unrealistisch, sagte Scharfenberg. Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) hatte ebenfalls vor einem solchen Beschluss gewarnt. Angesichts der ständigen Forderungen an das Land, sozialen Wohnungsbau zu fördern, sei ein Abriss des Blocks ein fatales Signal, so Klipp. SPD-Fraktionschef Mike Schubert warf Klipp daraufhin Unredlichkeit vor. Es gehe schließlich nicht um ersatzlosen Abriss. Bei einer Sanierung des Staudenhofs werde die Miete deutlich steigen, erklärte Schubert.

Tatsächlich liegt sie bereits jetzt – obwohl unsaniert – mit 6,25 Euro pro Quadratmeter netto kalt vergleichsweise hoch. Nach einer Sanierung stiege sie auch für die Bestandsmieter auf 9,16 Euro. Das hatte wie berichtet eine Studie ergeben, die die Stadtverordneten vor knapp einem Jahr überraschend auf Antrag der Linken in Auftrag gegeben hatten, denn der Abriss des Staudenhofs war bereits damals beschlossene Sache, um den Wiederaufbau der Potsdamer Mitte an dieser Stelle zu ermöglichen. Der mit großer Mehrheit gefasste Beschluss für die Studie galt als Zugeständnis an die Linken, die andernfalls ihre Zustimmung zum Verkauf von Grundstücken an der Alten Fahrt verweigert hätten. Der Deal wird bis heute von allen Seiten bestritten.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) stimmte übrigens gestern gegen den Abriss – nach Ansicht von Insidern, um Klipp nicht zu beschädigen. pee

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