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  • 17.10.2012
  • von Michael Meyer und Peer Straube

„Karli“-Streit: Stadt bietet mehr, Turbine nicht

von Michael Meyer und Peer Straube

Foto: Andreas Klaer

Konflikt um Aufteilung der Betriebskosten auch nach Krisengipfel bei Jakobs nicht gelöst

Babelsberg - Eine Einigung gab es nicht. Auch nach einem Krisengipfel mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Dienstagabend, an dem die Spitzen der Fußballvereine SV Babelsberg 03 und 1. FFC Turbine Potsdam teilnahmen, schwelt der Streit um die Betriebskosten für das frisch sanierte Karl-Liebknecht-Stadion weiter. Am Tisch saßen neben Jakobs SVB-Vorstandschef Thomas Bastian und Aufsichtsratschef Friedhelm Schatz sowie für Turbine deren Präsident Günter Baaske (SPD), zugleich Brandenburgs Sozialminister, und Verwaltungsratschef Dietmar Ohlinger.

Offiziell äußern mochte sich am Abend niemand, es hieß, es habe sich lediglich um ein informelles Treffen gehandelt. Dabei kamen allerdings harte Zahlen zur Sprache. Ein neues Gutachten der Stadt beziffert die jährlichen Kosten für Betrieb und Instandhaltung des „Karli“ mit 400 000 Euro pro Jahr.

Bislang schießt die Stadt dem SVB, der das Stadion seit zehn Jahren in Erbbaupacht betreibt, jährlich 150 000 Euro zu. Dies ist dem Drittligisten zu wenig – mit dem Argument, die Kosten für Betrieb und Unterhalt seien seit der Sanierung gestiegen, fordert der Verein seit Monaten eine Aufstockung.

Dazu ist die Stadt nach PNN-Informationen nun auch bereit. Zwei Modelle wurden geprüft: Die Stadt stockt ihren Anteil auf 290 000 Euro auf, der SVB übernimmt die restlichen 110 000 Euro. In diesem Fall könnte der Frauenfußballbundesligist Turbine seine Heimspiele im „Karli“ weiterhin kostenlos austragen – so, wie es der gültige Nutzungsvertrag vorsieht. Die Stadt favorisiert indes aber die zweite Option, die eine finanzielle Beteiligung von Turbine vorsieht. 30 000 Euro soll der Verein zum jährlichen Betrieb des Stadions beisteuern. Für den SVB würde sich bei diesem Modell nichts ändern: Sein Anteil bliebe bei 110 000 Euro. Allerdings würde die Stadt Geld sparen und nur noch 260 000 Euro pro Jahr zahlen müssen.

An diesem Punkt bleibt Turbine aber unnachgiebig. Auch nach dem gestrigen Treffen berief man sich nach PNN-Informationen auf den Vertrag, der dem Verein eine kostenlose Nutzung des Karl- Liebknecht-Stadions noch über mehrere Jahrzehnte hinweg sichert. Man sehe keinen Anlass, so der Tenor, an diesen Modalitäten etwas zu ändern.

Auch der SV Babelsberg 03 würde seinen Untermieter gerne finanziell in die Pflicht nehmen: Das städtische Gutachten habe jetzt vorgerechnet, dass jeder Spieltag des aktuellen Deutschen Frauenfußball-Meisters rund 5000 Euro koste, sagte SVB-Geschäftsführer Klaus Brüggemann im Vorfeld des Treffens den PNN.

Mit sämtlichen Meisterschafts- und Champions-League-Heimspielen, bei denen Turbine zuletzt immer mindestens das Halbfinale erreichte, summieren sich die von Turbine verursachten Kosten auf 84 000 Euro per anno.

Turbine-Chefcoach und Vorstandsmitglied Bernd Schröder hielt dagegen: „Wir müssen die Betriebskosten, die die Woche über beim Training im Luftschiffhafen anfallen und die wir an den Olympiastützpunkt zahlen, allein tragen. Wir haben um das neue Stadion mit den vielen Zusatzbauten nicht gebettelt“, sagte er. Sein Klub nutze am Spieltag lediglich drei Kabinen.

Das „Karli“ war 2011 für insgesamt acht Millionen Euro saniert worden. Der größte Teil der Summe stammte aus Mitteln des Konjunkturpakets II. Die Stadt zahlte 800 000 Euro als Eigenanteil.

SVB-Vereinspräsident Bastian pocht in jedem Fall auf eine Erhöhung der Zuschüsse. Entweder zahle die Stadt Turbine einen entsprechenden jährlichen Zuschuss, den der Verein dann als Miete an den SVB weiterreiche. Der Erbbaupachtvertrag spricht bisher allerdings dagegen. Bastian: „Er müsste verändert werden – oder wir bekommen einen höheren Zuschuss und lassen Turbine weiter kostenlos bei uns spielen.“ Die Entscheidung darüber liege bei der Stadt.

Sein Verein, so Bastian, habe sich angeschaut, was andere Fußballvereine der 3. und 4. Liga im Osten Deutschlands an Zuwendungen bekommen. „An städtischen Direktmaßnahmen und städtischer Werbung kommen da 800 000 bis 900 000 Euro zusammen“, erklärt Bastian mit Hinweis auf den Drittligisten Hallescher FC und Viertligisten FSV Zwickau. Und sein Geschäftsführer verweist auf die vergleichsweise geringe Miete, die Drittligisten für die Nutzung städtischer Stadien zahlen müssten.

Eine Rückgabe des „Karli“ an die Stadt ist zumindest vorerst vom Tisch. Das Stadion wieder selbst zu betreiben, wurde zwar untersucht, aber verworfen. Anlass für die Prüfung waren die ständigen Extraausschüttungen an den SVB: Um die Insolvenz abzuwenden, zahlte die Stadt im letzten Jahr 700 000 Euro, eine weitere Viertelmillion ging für die Reparatur der Flutlichtmasten drauf.

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