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  • 29.09.2012
  • von Peer Straube

Potsdam behält die Juristen

von Peer Straube

Fakultät bleibt in der Landeshauptstadt. Uni will neuen Bachelor-Studiengang anbieten

Babelsberg - Andreas Musil war der erste, der die Botschaft verkündete. „Es freut mich, dass die Juristen und Informatiker vom HPI auch in Zukunft gemeinsam an diesem Campus bleiben, wie ich seit heute weiß“, sagte der Vizepräsident der Potsdamer Uni und dort zugleich Professor für Öffentliches Recht am Freitag bei der Abschlussfeier der Absolventen des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) auf dem Campus am Griebnitzsee.

Seit Juni musste die Universität der Landeshauptstadt um ihre Juristische Fakultät bangen (PNN berichteten). Die Hochschulstrukturkommission hatte empfohlen, das erste juristische Staatsexamen – Voraussetzung für alle Volljuristenberufe wie Richter, Rechts- oder Staatsanwalt – künftig nicht mehr in Potsdam, sondern nur noch an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) anzubieten. Scharfe Kritik und Proteste von Studenten und der Uni-Leitung waren die Folge.

Diese Pläne sind nun vom Tisch. Als Ergebnis mehrerer Beratungsrunden haben sich Brandenburgs Wissenschaftsministerium und beide Hochschulen darauf geeinigt, nicht nur an beiden Fakultäten weiterhin das erste Staatsexamen anzubieten, sondern darüber hinaus einen Bachelor-Studiengang des Rechts einzuführen, der den Studenten die Wahl lässt: Entweder machen sie nach sechs Semestern ihren Bachelor, was vor allem dann von Vorteil ist, wenn man in der freien Wirtschaft arbeiten will. Oder sie hängen drei Semester dran und machen regulär ihr erstes Staatsexamen, danach ihr Referendariat und werden nach erfolgreichem zweiten Staatsexamen Volljurist.

Potsdams Uni-Präsident Oliver Günther freute sich über den Erhalt der Juristischen Fakultät und lobte die Einführung des Bachelors als „inhaltlich einen Schritt nach vorne“. Der Studiengang sei innovativ und verknüpfe eine „solide wissenschaftliche Ausbildung“ mit den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes. Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) erklärte, die Studienangebote in Brandenburg würden mit dem neuen Angebot attraktiver werden.

Vergleichbare juristische Bachelorabschlüsse gebe es bislang nur in Hamburg und Mannheim, so das Wissenschaftsministerium. Anders als beim „Mannheimer Modell“ setze man in Potsdam und Frankfurt (Oder) bei der Profilierung der Bachelor-Studiengänge auf eine umfassende Vermittlung juristischer Grundkompetenzen sowie eine Ausbildung darüber hinaus, hieß es. Geplant sei ein „nicht-juristisches Profilfach“. In Potsdam sei etwa ein Bachelor-Abschluss mit Nebenfach Verwaltungswissenschaften denkbar, in Frankfurt gemäß des Uni-Profils eine europäische Vertiefung. Viadrina-Präsident Gunter Pleuger sprach für seine Universität von einer „interessanten Diskussionsgrundlage“. Man sei an einer weiteren Profilierung auch gegenüber den Berliner Juristischen Fakultäten sehr interessiert.

Das Jura-Studium zählt zu den gefragtesten Studiengängen der Universität Potsdam. Auf die 386 Plätze des am Montag beginnenden Wintersemesters hatten sich 2822 Interessenten beworben – 45 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Uni hatte die Bewerberzahlen auch als Argument gegen die Schließung der Juristischen Fakultät eingesetzt.

Vom Wissenschaftsministerium erhofft sich die Uni künftig auch mehr Geld. In den von Politik und Hochschulen angestrebten Hochschulverträgen müssten „konkrete finanzielle Aufwüchse“ benannt werden, forderte Uni-Präsident Günther nach einer Tagung der Landesrektorenkonferenz am Freitag. In der Beratung sei auch vereinbart worden, dass Brandenburgs Hochschulen in den nächsten Jahren verstärkt um ausländische Studenten und Wissenschaftler werben.

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