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Themenschwerpunkt:

Stadtentwicklung

  • 26.09.2012
  • von Peer Straube

Potsdam: Zehn-Jahres-Frist für Staudenhof

von Peer Straube

Staudenhof statt Mitte? Der Plattenbau ließe sich in die historische Stadtstruktur einfügen, wie die Visualisierung zeigt. Von der Kaiserstraße aus wäre der Eingang über eine Rampe zu erreichen, die einen Niveauunterschied von zwei Metern überwinden müsste. Grafik: Winkens/Repro: PNN

Der umstrittene Plattenbauwohnblock am Staudenhof soll in zehn Jahren abgerissen werden – wegen Unvereinbarkeit mit dem Leitbautenkonzept in Potsdams historischer Mitte.

Potsdam - Das setzte die Rathauskooperation aus SPD, CDU, FDP und Bündnisgrünen am gestrigen Dienstagabend im Bauausschuss gegen die Linke und gegen den Willen von Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) durch.

Demnach muss die Pro Potsdam das Gebäude bis zum Abriss weiter für Wohnungen nutzen. Zugleich soll die Stadtverwaltung eine Machbarkeitsstudie vorlegen oder einen Architektenwettbewerb durchführen. Dafür gibt es aber eine zentralen Vorgabe: Im Rahmen des Leitbautenkonzepts soll als Ersatz in gleicher Größe preisgünstiger Wohnraum angeboten werden, vorzugsweise für Staudenhof-Mieter am selben Standort. Die Mieten sollen dann nicht höher sein, als sie es nach einer Modernisierung des Staudenhofs wären. Auch bei einem Verkauf des Grundstücks sollen diese Auflagen gelten. Jetzt muss das Stadtparlament dem Votum des Bauauschusses noch zustimmen.

Die Rathauskooperation bremst mit ihrem Mehrheitsbeschluss im Ausschuss die Linken aus, die strikt für den Erhalt des Staudenhofs sind und auf deren Drängen eine Machbarkeitsstudie für die Stadt und den Sanierungsträger erstellt wurde. Demnach könnte der Wohnblock stehen bleiben und in fünf Jahren saniert werden. Das empfiehlt der Autor der Studie, der Architekt und Potsdamer Fachhochschul-Professor Karl-Heinz Winkens. Die Ergebnisse stellten Baudezernent Klipp und Pro-Potsdam-Chef Horst Müller-Zinsius am Dienstag vor. Die Pro Potsdam ist Eigentümerin des Gebäudes.

Die Studie hatten die Stadtverordneten im Dezember 2011 überraschend in Auftrag gegeben – denn eigentlich war der Abriss des Staudenhofs schon damals beschlossene Sache. Der mit großer Mehrheit getroffene Beschluss im Stadtparlament galt als Zugeständnis an die Linken, die sich vehement für den Erhalt des DDR-Gebäudes einsetzen und die damals andernfalls ihre Zustimmung zum Verkauf von Grundstücken an der Alten Fahrt verweigert hätten. Dass es einen solchen Deal gab, wird von allen Seiten jedoch bis heute bestritten.

In der Machbarkeitsstudie wurden nun acht Varianten untersucht – von einem vollständigen Erhalt des Staudenhof-Komplexes bis zu seinem kompletten Umbau, für den allerdings ein Teilabriss erforderlich wäre. Der Staudenhof-Komplex stehe der Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses an dieser Stelle nicht im Wege, sagte Müller-Zinsius. Die alte Kaiserstraße, die einst von der Straße Am Kanal zum Alten Markt führte, könne ebenso wieder angelegt werden wie die Verlängerung der Schwertfegerstraße in Richtung Nikolaikirche – nach dem Abriss der Fachhochschule.

Obwohl der Staudenhof-Block laut Studie ganz oder teilweise von einer Neubebauung gemäß der historischen Stadtstruktur umrahmt werden könnte, lehnt die Pro Potsdam dies ab. Es gebe baurechtliche Probleme, weil Abstandsflächen nicht eingehalten werden und Gebäudeteile abgerissen werden müssten. Daher verteuere sich die Sanierung des Staudenhofs dermaßen, dass die Nettokaltmiete auf Quadratmeterpreise zwischen 14 und 16 Euro steigen würde, so Müller-Zinsius. Derzeit liegt die Durchschnittsmiete für die 182 je 30 Quadratmeter großen Einraumwohnungen bei 6,25 Euro.

Die Vorzugsvariante (siehe Grafik) sieht folgendermaßen aus: Der Staudenhof bleibt in Gänze stehen und wird ab 2017 saniert. Ein Teil der unbebauten Fläche in der Straße Am Alten Markt soll für knapp 160 000 Euro verkauft und mit kleinen Wohnhäusern bebaut werden. Insgesamt könnten rund 22 Wohnungen neu entstehen. Der Niveauunterschied zwischen Staudenhof und Kaiserstraße – rund zwei Meter – soll durch eine Rampe überwunden werden, die sich durch eine Grünfläche schlängelt.

Für die Mieter hat aber auch diese Variante ihre Tücken: Nach der rund elf Millionen Euro teuren Sanierung im Jahre 2017 steigt die Nettokaltmiete um fast drei Euro auf 9,16 Euro an. Sozialen Härtefällen müsse dann geholfen werden, sagte Klipp. Zudem widerspricht die Vorzugsvariante auch dem Leitbautenkonzept. Zwei Leitfassaden – an der Ecke Kaiserstraße/Am Kanal und an der Ecke Kaiser- und Schwertfegerstraße – könnten nicht gebaut werden. Nach Abwägung der städtebaulichen, sozialen und betriebswirtschaftlichen Argumente halte er die beiden Leitfassaden für verzichtbar, erklärte Klipp. Er hatte sich zuvor gegen die Beschlussvorlage der Rathauskooperation ausgesprochen und vor Mehrkosten für die Stadt gewarnt. (mit axf)

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