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  • 18.08.2012
  • von Marco Zschieck

Jakobs: Parteien sollen Bürgerprotest nicht stützen

von Marco Zschieck

Semmelhaacks Auenhäuser. Nebenan sollen weitere Neubauten entstehen.

Oberbürgermeister kritisiert Wohnungsbau-Verhinderer als verantwortungslos. Neubauten rund um die Innenstadt geplant

Nach neuen Wohnungen in Potsdam rufen alle – doch wenn vor der eigenen Haustür gebaut werden soll, ist der Protest meist programmiert. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) forderte am Freitag mit drastischen Worten die Parteien im Stadtparlament auf, sich dieser Gegenwehr nicht anzuschließen. Parteien, die sich von den Interessen weniger vereinnahmen ließen und Wohnungsbauprojekte stoppten, handelten verantwortungslos, sagte Jakobs am Rande einer „Stadtwanderung“ zum Thema Wohnen am Freitag. Die Stadtspitze werde auf die Fraktionen zugehen und die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt deutlich machen, kündigte der Oberbürgermeister an. In Potsdam steigen die Mieten unaufhörlich, da wegen des Bevölkerungszuwachses Wohnungen fehlen. Der Leerstand liegt gerade einmal bei einem Prozent.

Trotzdem werden viele Bauprojekte von Anwohnern kritisiert – so beispielsweise die geplanten Neubauten im Bornstedter Feld, am Brauhausberg, am Ruinenberg und in der Siedlung Am Brunnen. In all diesen Fällen sei den Anwohnern bekannt gewesen, dass dort weiterer Wohnungsbau vorgesehen sei, sagte Jakobs. Sich Neubauten im eigenen Umfeld zu verbitten sei inakzeptabel. „Wenn wir dem folgen, können wir nicht mehr bauen“, so Jakobs. Der bündnisgrüne Baubeigeordnete Matthias Klipp forderte einen Mentalitätswechsel. Es müsse darum gehen, wer die besten Lösungen für das Wohnungsproblem finde. Die Stadtpolitiker sollten nicht versuchen, beim Wähler damit zu punkten, den Bau möglichst vieler Wohnungen zu verhindern, so Klipp. So hatte beispielsweise die CDU im Norden weitere Neubauten im Bornstedter Feld abgelehnt, SPD und Linke waren den Neubauplänen an der Siedlung Am Brunnen entgegengetreten. Beim Wohnungsbau müssten zahlreiche Vorschriften beachtet werden und es gebe umfangreiche rechtliche Eingriffsmöglichkeiten, so Klipp. Dass die betroffenen Anwohner nicht gegen vermeintlich störende Bauprojekte juristisch vorgingen, zeige, dass Planungen korrekt seien, so der Beigeordnete.

Um gegen die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt vorzugehen und den Anstieg der Mieten zu bremsen, hatten SPD und Linke jüngst vorgeschlagen, dass die kommunale Pro Potsdam Mietsteigerungen in ihrem Bestand unterhalb der gesetzlichen Schwellen begrenzt. Außerdem soll der städtische Wohnungskonzern bis zum Jahr 2019 insgesamt 1000 neue Wohnungen errichten. Pro Potsdam ist mit etwa 17 000 Wohnungen der größte Vermieter in der Stadt.

Ein großes Neubauprojekt der Pro Potsdam wird in den nächsten Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Straßenbahndepots an der Heinrich-Mann-Allee entstehen. Dort und auf dem angrenzenden Areal der heutigen Tennisplätze sollen etwa 700 Wohnungen entstehen. Der Standort eigne sich hervorragend für innerstädtischen Wohnungsbau und habe über die Heinrich-Mann-Allee eine Tramanbindung, so Helfried Quint von der Pro Potsdam. Der Erschließungsaufwand sei gering. Angedacht sei eine viergeschossige Bebauung mit einem Riegelblock zur Hauptverkehrsstraße, in dem auch ein großes Parkdeck Platz finde. So werde der Autoverkehr innerhalb des Wohngebiets minimiert. Der Bauantrag soll im Jahr 2014 gestellt werden. Für das Neubauziel von 1000 Wohnungen sei das Vorhaben ein zentraler Bestandteil.

Ein weiteres Neubauprojekt der Pro Potsdam ist der Bau von 48 Wohnungen an der Friedhofsgasse. In einem U-förmigen Gebäude sollen Wohnungen entstehen, die mit breiteren Türen und einem Gemeinschaftsraum auch den Bedürfnissen von älteren Bewohnern gerecht werden. Derzeit laufe die Ausschreibung. Ende des Jahres könnte mit dem Bau für 5,1 Millionen Euro begonnen werden, so Pro-Potsdam-Geschäftsführer Jörn-Michael Westphal. 36 Wohnungen seien belegungsgebunden und sollen für 5,50 Euro je Quadratmeter vermietet werden.

Ebenfalls südlich der Havel steht der Bau der Terrassen- und Auenhäuser an der Babelsberger Straße durch das Unternehmen Semmelhaack vor der Fertigstellung. Von den 229 Wohnungen hier sind sind bereits 80 Prozent vermietet. Die Kaltmieten für die barrierearmen Zwei-Zimmer-Wohnungen mit jeweils etwa 50 Quadratmetern Fläche liegen zwischen neun und zehn Euro je Quadratmeter, so Semmelhaack-Projektentwickler Berko Dibowski. Nebenan zwischen Kreisel und der Nuthe plant das Unternehmen sein nächstes Projekt. Hier sollen 270 Wohnungen gebaut werden. Derzeit laufe die Abstimmung mit Architekten und dem Gestaltungsrat. „Im nächsten Jahr könnte es losgehen“, so Dibowski.

In Drewitz sind die Bauarbeiter schon da: 200 Wohnungen in der Konrad-Wolff-Allee werden von der Pro Potsdam im Zuge des Umbaus zur Gartenstadt bis März 2014 barrierearm und energetisch saniert. 85 Prozent der Altmieter werden anschließend wieder einziehen. Für die nächsten Bauabschnitte hofft die Pro Potsdam auf Landesförderung. Sonst seien Abstriche an der Qualität möglich. „Dann müssen wir vielleicht auf Aufzüge verzichten“, so Westphal.

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