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  • 09.07.2012

Quartiere für Obdachlose

Stadt will mehr Übergangswohnungen schaffen

Zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit in der Landeshauptstadt prüft die Stadtverwaltung eine Erweiterung der Zahl sogenannter Gewährleistungswohnungen. Das sagte Rathaussprecher Stefan Schulz auf PNN-Anfrage. Derzeit verfügt die Stadt über 23 solcher Wohnungen, die sie selbst angemietet hat. Die Wohnungen werden obdachlosen Menschen zur Verfügung gestellt. Unterstützt von Sozialarbeitern sollen sie dabei wieder auf ein selbstständiges Wohnen vorbereitet werden. Das Instrument sei für Menschen gedacht, die „den festen Willen haben, an ihren Problemen zu arbeiten und Hilfen anzunehmen“, sagte Schulz. Für diese Zielgruppe sei das Programm „ausbaufähig“. Im Erfolgsfall der Eingewöhnungsphase könnten die Bewohner einen Mietvertrag für ihre Wohnung erhalten.

Die Stadt reagiert damit auf die jüngsten Warnungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) vor einem weiteren Anstieg der Obdachlosigkeit in Potsdam. Es gebe dafür einen erkennbaren Trend, hatte Awo-Bezirksverbandschefin Angela Basekow vor wenigen Tagen erklärt (PNN berichteten). Es häuften sich demnach Fälle, in denen selbst in Lohn und Brot stehende Menschen sich die teuren Mieten nicht mehr leisten können. Zwei Männer hatten gegenüber den PNN angegeben, aus diesem Grund im Obdachlosenheim der Awo im Lerchensteig zu leben. Ihre Identität wollten sie indes nicht preisgeben. Das Obdachlosenheim ist derzeit nahezu voll belegt: Von den 125 Plätzen sind lediglich noch vier frei, im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt immerhin noch 18.

Nach Auffassung der Stadt greift die These, steigende Obdachlosenzahlen seien allein auf die gestiegenen Mieten und den Druck auf dem Wohnungsmarkt zurückzuführen, zu kurz. In der Regel hätten von Obdachlosigkeit Betroffene eine „Vielzahl von Problemen“, so Stadtsprecher Schulz. Diese Probleme führten dann oft zu Überschuldung und damit zu Schwierigkeiten bei der „Mietzahlungsfähigkeit oder Mietzahlungsbereitschaft“. Angesichts des Drucks auf dem Wohnungsmarkt sei es heute aber schwieriger, für diese Probleme Lösungen zu finden, räumte der Stadtsprecher ein.

Schulz verwies auf die jüngst eingeführten Programme zur Sicherung bezahlbaren Wohnraums in Potsdam. Durch das gemeinsam mit dem Land und der kommunalen Bauholding Pro Potsdam aufgelegte Modell der flexiblen Belegungsbindungen könnten in den nächsten vier Jahren durchschnitttlich etwa 300 sozial schwache Haushalte eine preisgünstige Wohnung anmieten. Zudem hätten allein im vergangenen Jahr rund 340 Haushalte vom neuen Familienbonus der Pro Potsdam profitiert, bei dem für jedes Kind zwei Jahre lang ein Betrag von 50 Euro von der Miete erlassen werde. Auch dies sei ein konkreter Beitrag zur Senkung der Wohnkosten. pee

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