Nanas im Bau. Mit Papier und Kleister erhalten die Plastiken ihre Form. Foto: A. Klaer
Im Frauenzentrum entstanden farbenfrohe Nana-Plastiken – heute werden sie bei der „Stadt für eine Nacht“ gezeigt
Eine Nana geizt nicht mit ihren Reizen. Die weiblichen Rundungen sind üppig, die Farben bunt und schrill, die Posen ausgelassen. In den 1960er Jahren schuf die französische Künstlerin Niki de Saint Phalle die prallen Figuren, die übermütige Lebensfreude ausstrahlen und weltweit bekannt sind. Im Frauenzentrum primaDonna bauten Mädchen und Frauen aus Potsdam ihre eigenen Nana-Figuren, die heute zur Aktion „Stadt für eine Nacht“ präsentiert werden.
Vor dem Eingang des Frauenzentrums stehen Gestelle aus Holz und Draht in der Sommersonne. Einige Mädchen sind emsig damit beschäftigt, Zeitungsstücke mit Tapetenkleister einzuschmieren und auf die Drahtgestelle zu kleben. Nach und nach werden die Formen erkennbar. Weibliche Figuren entstehen. Einige sind für eine Nana recht schmächtig, bei anderen sind die voluminösen fraulichen Formen bereits gut zu erkennen. Die zwölfjährige Beriwan und die 13-jährige Steffi arbeiten an einer kleinen Nana, die vor ihnen auf dem Tisch liegt. Sie ist dick und rund – wie sich das für eine Nana gehört. Die Mädchen verpassen ihr mit Zeitungspapier und Kleister den letzten Formschliff, werden sie anschließend mit Gipsbinden umwickeln und bemalen. Ein „kunterbuntes Muster“ soll sie bekommen, erklärt Steffi.
„Ich fand Nanas schon immer faszinierend“, sagt Sandra Kitzrow, Leiterin von primaDonna. „Das Jahr 2012 ist das Europäische Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen“, erklärt sie. Daher kreieren im Nana-Bau-Workshop Mädchen und Frauen, Kinder und Mütter an fünf Nachmittagen gemeinsam eine Nana. „Generationsperformance I“ nennt sich das Projekt. Neun Mädchen zwischen fünf und 13 Jahren und sechs erwachsene Frauen beteiligen sich daran. Neben einem Austausch der Generationen gibt es dabei auch einen Austausch der Kulturen. Deutsch, türkisch, kurdisch, kongolesisch – die Gruppe ist so bunt und vielfältig wie ihre künftigen Nanas.
„Als die Mädchen zum ersten Mal eine Nana gesehen haben, haben sie sehr gestaunt“, erzählt Kursleiterin Sandra Weber vom Mädchentreff Zimtzicken. Im Vorfeld des Workshops betrachteten sie im Mädchentreff Bilder von Nana-Plastiken, sprachen darüber, warum Arme und Beine kurz, der Kopf klein, Brüste, Bauch und Po dagegen auffallend groß sind und woher die Figuren kommen. „Am meisten waren die Kinder von der Farbenpracht begeistert“, so Weber. Am ersten Tag des Workshops fertigte jede der Teilnehmerinnen eine Skizze ihrer Nana an. Größe, Haltung und Formen nahmen auf dem Papier Gestalt an, bevor es dann ans Hämmern, Sägen und Zusammenbauen der Grundgerüste ging. „Man muss viel Geduld bei der Arbeit haben“, erklärt Weber, denn jede Schicht aus Zeitung und Leim muss erst trocknen, bevor die nächste aufgetragen werden kann.
Delphine Sukama macht ein ernstes Gesicht bei der Arbeit. Sie kämpft mit dem Drahtkopf ihrer Nana, der nicht so recht an der Stelle bleiben will, an die er hingehört. Sie erzählt, dass ihre drei Töchter sie überredet haben, an dem Workshop teilzunehmen. „Erst wollte ich nicht, aber jetzt macht es mir sehr viel Spaß“, sagt die aus dem Kongo stammende Frau, die seit 2001 in Potsdam lebt. Wie ihre Nana aussehen soll, wenn sie fertig ist, weiß sie schon recht genau: „Der BH soll gelb werden, der Rock rot und hinten soll sie schwarz sein“ – die Farben der deutschen Flagge. „Das sind einfach die schönsten Farben“, sagt Sukama lachend. Die Nanas kennt sie schon lange – aus der Kunstakademie ihrer Heimat, an der sie Grafikdesign studiert hat. Sabina Scheuerer hat sich mit ihrer Nana in den Schatten gestellt. Die Form ist fertig, gerade trägt sie die letzte Schicht Gipsbinden auf die liegende Figur auf. „Meine Nana ist noch jung“, erklärt die Potsdamerin. „Deshalb ist sie auch noch nicht so dick.“ Es sei ein toller Ausgleich zur Schreibtischarbeit, auch einmal etwas mit den Händen zu machen. „Das Rumgeschmadder mit Kleister und Gipsbinden weckt Kindheitserinnerungen“, sagt sie.
Steffi und Beriwan wissen bereits, wo ihre Nana ihren Platz finden soll. „Die ist ein Geschenk für Anne aus dem Mädchentreff“, sagt Steffi. „Sie bekommt bald ein Kind“, ergänzt Beriwan. Ein passendes Geschenk – eine Nana ist auch ein Symbol der Mütterlichkeit. H. Kampe
Die Nanas werden am heutigen Samstag ab 16 Uhr in den Räumen von primaDonna, Schiffbauergasse 4H, präsentiert.
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