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  • 05.06.2012
  • von Henri Kramer

Fördermittel fehlen: Sozialsanierung in Gefahr

von Henri Kramer

Baustart: In Drewitz hat die Pro Potsdam mit der Sanierung von 200 Wohnungen begonnen, unter anderem in der Eduard-von-Winterstein-Straße. Allerdings ist bei 80 Wohnungen noch unklar, ob das Land die Instandsetzung fördert. Davon hängt ab, ob die Pro Potsdam dort weiter preisgünstige Mieten verlangen kann. Fotos (2): M. Thomas/ Grafik: Knerer u. Lang Architekten

Die Sanierung von Wohnblocks in Drewitz droht weniger sozialverträglich abzulaufen als versprochen. Denn dafür nötige Fördermittel vom Land sind derzeit nicht bewilligt.

Drewitz -  Das räumte Jörn-Michael Westphal, Geschäftsführer der zuständigen kommunalen Wohnungsbauholding Pro Potsdam am Montag vor Journalisten ein. Für 80 von insgesamt 200 Wohnungen, die in dem Plattenbaugebiet saniert werden sollen, fehlten noch die nötigen finanziellen Hilfen. „Ich gehe aber davon aus, dass das Land seine Zusage einhält, das Pilotprojekt komplett zu fördern“, sagte Westphal, der gestern zugleich den Beginn von ersten Sanierungsarbeiten im Rahmen des presisgekrönten Gartenstadt-Projekts erläuterte.

Doch ob das Infrastrukturministerium des Landes fördert, ist mehr als ungewiss. „Mehr ist dieses Jahr nicht drin“, sagte eine Sprecherin den PNN auf Anfrage. Auch für nächstes Jahr könne sie noch nichts sagen. Im vergangenen Dezember hatte das Land insgesamt 6,24 Millionen Euro für die Sanierung von 120 Wohnungen im Guido-Seeber-Weg bereitgestellt. Wegen der Förderung kann die Pro Potsdam laut eigenen Angaben nach der Sanierung die Nettokaltmieten bei 5,50 Euro pro Quadratmeter deckeln. Derzeit zahlen die Drewitzer etwa vier Euro. Was passiert, sollte die Förderung für die restlichen 80 Wohnungen ausbleiben, sagte Westphal nicht. Zuletzt hatte das Unternehmen betont, ohne Finanzhilfe nach der Sanierung mindestens sechs Euro Miete pro Quadratmeter verlangen zu müssen. Für die Sanierung der 200 Wohnungen bezahlt die Pro Potsdam selbst 17,7 Millionen Euro. Zugleich kündigte Westphal an, sich auch um Fördergelder für die Sanierung einer Wohnblockzeile in der Konrad-Wolf-Allee zu bemühen.

Der Pro-Potsdam-Chef bemühte sich, die Vorteile der Sanierung darzustellen. Die 200 Wohnungen – sie befinden sich in der Konrad-Wolf-Allee, der Eduard-von- Winterstein-Straße und dem Guido-Seeber-Weg – sollen bis März 2014 saniert werden. Danach sollen sie barrierearm und energiesparend gedämmt sein. So werden die Bäder komplett erneuert, jedes Haus bekommt einen Innenaufzug. Neue Balkone mit Sonnenschutz und einem bepflanzbaren Zinktrog sollen die Wohnqualität erhöhen. Auf den Dächern der Wohnblocks werden zudem Solaranlagen installiert. Erste Wohnungen will die Pro Potsdam bereits im Spätsommer präsentieren können. Insgesamt könnten die Bewohner nach der Sanierung mit um rund 70 Cent niederigeren Betriebskosten je Quadratmeter rechnen, hieß es.

Für die Zeit der Sanierung müssen die Bewohner ihre Häuser verlassen, so die Pro Potsdam. Sie hätten Ausweichwohnungen in Drewitz, aber auch im Wohngebiet Stern erhalten. Die Kosten für Umzüge seien übernommen worden, hieß es. Mit den Mietern der Wohnungen, deren Umbau gefördert werde, seien Modernisierungsvereinbarungen abgeschlossen worden, um die gedeckelten Mieten nach der Sanierung festzuschreiben.

Alle Mieter kommen dennoch nicht zurück: Nur in zwei Drittel der 30 Wohnungen, die als erstes saniert werden, ziehen auch wieder die Altmieter ein. Die anderen hätten ihren Wohnort verändern wollen, hieß es – nur ein Mieter sei wegen der Sanierung ausgezogen.

 

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