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  • 24.05.2012

Staudenhof: Abriss in zehn Jahren Rathauskooperation will Ersatzwohnungen

Innenstadt - Der Wohnblock Staudenhof erhält noch eine Gnadenfrist von zehn Jahren. Dann wird er der Abrissbirne überlassen. Das fordert die Rathauskooperation aus SPD, CDU/ ANW, Grünen und FDP in einem gemeinsamen Antrag für die nächste Stadtverordnetenversammlung. Im Stadtparlament hat das Bündnis eine Mehrheit. Laut dem Antrag sollen die Staudenhof-Mieter „vorzugsweise am Standort“ Ersatzwohnungen erhalten. Dort dürfe die Miete nicht teurer sein als in einem sanierten Staudenhof. Zudem wird eine Machbarkeitsstudie gefordert, wie am Alten Markt preisgünstiger Wohnraum entstehen kann, um die 180 Wohnungen im Staudenhof zu kompensieren.

Der Vorstoß kommt überraschend, weil die Kooperation damit eine Kehrtwende vollzieht. Eigentlich hatten die Stadtverordneten – auch mit Stimmen der Kooperation – im vergangenen Dezember auf Antrag der Linken einen städtebaulichen Wettbewerb beschlossen, in dem die „Einpassung“ des Staudenhofs in die historische Stadtmitte „zur Diskussion gestellt“ wird. Dazu hatte Grünen-Baudezernent Matthias Klipp eine Untersuchung angekündigt, ob der Bau sich in das geplante Umfeld hinter der Nikolaikirche einfügen könne. Nach dem damals überraschend gefassten Beschluss hieß es, der Linke- Fraktion sei das Entgegenkommen beim Staudenhof angeboten worden, damit sie im Stadtparlament für den umstrittenen Entwurf für die Humboldtstraße 1 und 2 stimmen. Offiziell hatten alle Seiten einen solchen Deal aber abgestritten.

Direkt nach dem Beschluss hatte die Bürgerinitiative „Mitteschön“ kritisiert, ein Erhalt des Siebengeschossers würde das beschlossene Leitbautenkonzept ad absurdum führen. Tatsächlich ist laut Beschlusslage im Bereich des Staudenhofs ein kleinteiliges Karree mit einem Innenhof anstelle des Plattenbaus vorgesehen.

Den nun erfolgten Sinneswandel – auch der Beschluss aus dem Dezember soll kassiert werden – erklärt die Kooperation mit einer von „Mitteschön“ initiierten Untersuchung. Diese habe gezeigt, dass der Staudenhof mit der im Leitbautenkonzept vorgesehenen Bebauung unvereinbar sei. Zwei geplante Gebäude mit Leitfassaden könnten nicht errichtet werden, sollte der Staudenhof stehen bleiben. SPD-Fraktionsvize Pete Heuer betonte, mit dem Antrag werde ein Stadtumbau gegen die Anwohner ausgeschlossen. Die Frist von zehn Jahren biete Planungssicherheit für die Bewohner und für die Pro Potsdam als Eigentümerin des Hauses. Insgesamt werde mit der geplanten Bebauung sogar mehr Wohnraum geschaffen als jetzt im Staudenhof vorhanden. Die Kooperation forderte, einen Block im Leitbautengebiet mit Hilfe eines Genossenschaftsmodells oder der Pro Potsdam zu bauen. HK

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