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  • 10.05.2012

Wein, Kreml und brasilianische Badekuppeln

Heile sozialistische Welt. Zu DDR-Zeiten führte der Weg zum Bad an Wasserspielen vorbei. Repro: www.grussauspotsdam.de

Seit 500 Jahren spielt sich auf dem Brauhausberg allerlei ab

Der Brauhausberg hat eine wechselvolle Geschichte – eine des Genusses, des Kriegs und der Erholung.

Erstmals erwähnt wurden die Hänge des Bergs im Jahre 1515. Damals wurde ein kurfürstlicher Weinberg angelegt, auf dem noch bis um 1700 herum Wein gekeltert wurde und der von einem großen Tiergarten umgeben war. 1631, während des Dreißigjährigen Krieges, schlugen schwedische Soldaten unter König Gustav Adolf II. auf dem Berg ein Feldlager auf, 1703 richtete sich die Schützengilde am Osthang einen Schießplatz ein.

Nur wenig später, 1716, wurde ein altes Kornmagazin in die königliche Bierbrauerei umgewandelt – seitdem trägt der Berg seinen heutigen Namen. Bereits 1752 entstanden unter Friedrich II. die ersten Wohnungen am Brauhausberg. Der König ließ für zugereiste Maurer- und Zimmermannsgesellen rund um das Areal der heutigen Max-Planck-Straße 20 Häuser bauen. Friedrich Wilhelm III. machte die Spitze des Berges zu einem Aussichtspunkt mit Belvedere. Während der Napoleonischen Kriege diente der Berg wiederum kriegerischen Zwecken, kurz danach bekam die Königsbrauerei noch Konkurrenz durch die Braumeister Adelung und Hoffmann, die ab 1829 dort das „Potsdamer Stange-Bier“ herstellte. Weitere Wohnhäuser kamen hinzu.

Um die Jahrhundertwende wurde auf der Spitze des Bergs die neue Kriegsschule errichtet, die später als Sitz der SED-Bezirksleitung unter dem Namen „Kreml“ bekannt wurde und in der noch bis Ende 2013 der Landtag sein Domizil hat. Bis 1935 entstand ein neues Wohnquartier an den Hängen des Bergs, 1940 kam ein Kino mit 700 Plätzen hinzu, eine Tram umkurvte den Brauhausberg. Beim Bombenangriff am 14. April 1945 wurde fast die gesamte Bebauung in Schutt und Asche gelegt, die Aufräumarbeiten dauerten fünf Jahre. Zwischen 1969 und 1971 schließlich entstand die Schwimmhalle, nahezu zeitgleich wurde das heute leerstehende Terrassenrestaurant „Minsk“ eröffnet.

Nach dem Scheitern der Spaßbadpläne in Drewitz landeten die Stadt und die Stadtwerke 2005 einen vermeintlichen Coup, als sie den brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer mit dem Entwurf für ein Spaßbad am Brauhausberg beauftragten. Die kuppelige Badewelt des greisen Meisters erntete viel Lob – scheiterte aber letztlich, weil das Land keine Fördermittel bereitstellte. pee

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