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  • 09.05.2012
  • von Jana Haase

Freies Radio vor dem Aus

von Jana Haase

Auf Sendung. Das freie Radio Potsdam ist seit einem Jahr immer Montagabend zu hören. Doch jetzt droht der Initiative, in der sich nach eigenen Angaben rund 70 Ehrenamtler engagieren, das Aus: Die Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb) hat eine Verlängerung der Sendelizenz vorerst abgelehnt. Foto: Andreas Klaer

Kurz vor dem einjährigen Jubiläum droht dem Freien Radio Potsdam der Verlust der Sendelizenz

Innenstadt - Eigentlich ist ein erster Geburtstag Grund zum Feiern: Beim Freien Radio Potsdam – abgekürzt frrapò – stehen die Zeichen kurz vor dem Jubiläum des Sendestarts allerdings auf Alarm. Denn der freie Radiosender soll ab dem 21. Mai abgeschaltet werden. Die Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb) lehnte den Antrag zur Verlängerung ab, frrapò droht damit das Aus. Die Radioinitiatoren und die ehrenamtlichen Sendemacher haben bereits Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt – ein endgültiges Votum des Medienrates wird nun für den 15. Mai erwartet.

„Wir sind schwer enttäuscht über die Absage“, sagte Patricia Vester, die Potsdams erstes kontinuierlich sendendes nicht-kommerzielles Radio vor einem Jahr mit ins Leben gerufen hat, am Dienstag den PNN. Sie spricht von Frustration und Trauer bei den ehrenamtlichen Sendemachern, die mittlerweile rund 300 Sendestunden bestritten haben. Vester schätzt die Zahl der Ehrenamtler auf rund 70, insgesamt gebe es 20 Gruppen, die verschiedene Formate anbieten. „Der Sender hat sich super entwickelt“, findet auch Adrien Rendle aus dem Kern-Team: „Jetzt abzubrechen wäre fatal.“

Bislang sendete frrapò jeden Montag von 19 Uhr bis 2 Uhr nachts aus dem Galerie-Café 11-line, das den Radiomachern in der Innenstadt kostenlos Platz für das Studio überlässt und laut Vester sogar die Telefonkosten übernimmt. Hörbar ist der Sender über die von verschiedenen freien Radios genutzte UKW-Frequenz 88.4 sowie in Potsdam auch auf 90.7. Wer diese Frequenzen nutzen kann, entscheidet die mabb.

Und die krisisiert vor allem die fehlende Abstimmung mit den Potsdamer Radiomachern: Sie seien zum Beispiel im abgelaufenen Jahr zu keinem der fünf von der Medienanstalt in Berlin organisierten 88vier-Treffen erschienen, erklärte Steffen Meyer, bei der mabb verantwortlich für den Mischsender und andere freie Radioprojekte, gestern auf PNN-Anfrage. Weder auf Einladungen zu den Treffen, noch auf die anschließend herumgeschickten Protokolle habe er aus Potsdam überhaupt eine Reaktion erhalten. Auch mit technischen Problemen hätten sich die Radiomacher nicht an die mabb gewendet – etwa, als die Sendung an einem Montag wegen eines fehlenden Internetanschlusses ausfallen musste. Er erwarte keine täglichen Rückmeldungen, betont Meyer: „Aber eine Minimalkommunikation wäre einfach wichtig gewesen.“Als weitere Gründe für die gestrichene Lizenz führt Meyer ins Feld, dass frrapò das gemeinsame Sounddesign von 88vier – eine Erkennungsmelodie – nicht wie verabredet genutzt hat. Auch fehlende Sendesicherheit bemängelt die mabb – insgesamt seien acht Stunden Radio ausgefallen.

Die frrapò-Macher berufen sich indes auf den ehrenamtlichen Charakter der Initiative: „Alle sind mit Herzblut und Begeisterung dabei, haben aber auch normale Jobs“, betont Patricia Vester. Gemeinsam mit Adrien Rendle sammelt sie derzeit Stellungnahmen der einzelnen Radiomacher. Protest gegen das drohende Aus gibt es etwa vom Campusradio funkUP, das über die frrapò-Frequenz erstmals per UKW zu hören war, von der Gruppe „Silberfunk“, die sich Radio von Senioren für Senioren auf die Fahnen geschrieben hat, oder vom Team des „Montagsgeflüsters“.

Auch der Bundesverband Freier Radios hat sich mittlerweile bei der Medienanstalt für den Erhalt von frrapò, das Brandenburgs einziges freies Radio ist, stark gemacht. Der breite Protest ist laut Steffen Meyer auch Grund dafür, dass die Entscheidung in der kommenden Woche erneut vom Medienrat besprochen wird. Ginge es allein nach „Vielfaltskriterien“, müsse das Radio erhalten bleiben, räumt auch Meyer ein. Knackpunkt sei aber die mangelnde Kommunikation seitens des Senders: „Wenn die Lizenz verlängert wird, dann muss sich etwas ändern.“

Die mabb übernimmt unter dem Dach von 88vier für verschiedene freie Sender unter anderem die anfallenden Gema-Gebühren und die Kosten für die Sendemasten. Laut Meyer handelt es sich um eine jährliche Summe von rund 80 000 Euro.

Für den kommenden Montag plant das Potsdamer Radioteam unter dem Motto „Das frrapò-Ultimatum“ eine Sendung mit Rückblicken über das vergangene Jahr, möglichst viele Sendemacher sollen zu Wort kommen, erklären Vester und Rendle. „Wir wollen auf jeden Fall, dass es weiterläuft“, sagt Patricia Vester: „Potsdam hat sich ein freies Radio verdient.“

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