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  • 07.05.2012
  • von Hella Dittfeld

Bad-Befragung: Agathe brachte Wähler in Stimmung

von Hella Dittfeld

Nicht Baden gegangen. Die Aktion des Stadtjugendrings mit der Riesenente als Werbeträger war ein voller Erfolg. Am Sonntag – dem letzten Tag der Bürgerbefragung – war sie auf einem Floss das letzte Mal auf Tour. Foto: Manfred Thomas

Jugendliche ab 16 Jahren durften bei der gestern beendeten Bad-Befragung mit abstimmen – der Stadtjugendring animierte sie mit der Enten-Tour

Die überlebensgroße quietschgelbe Ente Agathe war nicht zu übersehen. Drei Wochen lang hatte ein junges, einsatzfreudiges Team des Stadtjugendrings – wetterfest und gutaussehend, wie es von sich behauptet – sie durch die Stadt gefahren und mit ihr an Straßenecken Halt gemacht. Das Ziel: die jungen Potsdamer über die am gestrigen Sonntag zu Ende gegangene Bürgerbefragung zum Standort für ein neues Sport- und Freizeitbad zu informieren und sie zum Wählen aufzufordern.

Insgesamt war Agathe an 40 Standorten vor Ort, es gab Treffen in 14 Schulen. Mit 1500 Jugendlichen wurde diskutiert, wie man punktgenauer Politik für junge Leute machen kann. Und das Interesse war groß, denn zum ersten Mal durften bereits die 16-Jährigen mitbestimmen, wo Potsdam künftig baden geht.

„Unsere Aufforderung, an der Abstimmung über das Schwimmbad teilzunehmen, geschah völlig wertungsfrei“, erzählte am Sonntag die Chefin des Stadtjugendrings, Stephanie Pigorsch. Die Ente als Werbeträger habe gut funktioniert. Das fand auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und sprach den Jugendlichen hohes Lob aus. Im Juni soll eine Auswertung all der Anregungen Jugendlicher zur Stadtpolitik vorgelegt werden. Dazu will der Stadtjugendring die Fraktionen des Stadtparlaments einladen. Zudem ist Pigorsch der Meinung, dass Schulen mehr zu Orten der Auseinandersetzung mit Kommunalpolitik gemacht werden sollten, denn das Interesse der Jugendlichen sei vorhanden. Am Sonntag war Ente Agathe ein letztes Mal unterwegs und tourte mit den wetterfesten Aktionshelfern und Befürwortern des einen wie des anderen Schwimmbad-Standortes – Brauhausberg und Volkspark – über Templiner und Tiefen See.

Am gestrigen Sonntag endete die zweiwöchige Abstimmung, am Mittwoch soll das Ergebnis der Bürgerbefragung veröffentlicht werden. Bisher kennt nach Angaben des Rathauses niemand ein Zwischenergebnis. Am Freitagnachmittag hatte jedoch bereits jeder Zweite abstimmungsberechtigte Potsdamer mitgemacht – damit war die Beteiligung bereits höher als bei der letzten Bürgerbefragung zum Standort des Landtagsneubaus 2006.

Oberbürgermeister Jakobs unterstrich, dass er bei der Entscheidungsvorlage für die Stadtverordnetenversammlung im Juni dem Bürgervotum folgen werde. „Beide Standorte sind machbar“, sagte er. Jakobs favorisiert selbst den Volkspark. Dort habe man mehr Entwicklungsmöglichkeiten und er sehe eine große Akzeptanz durch Familien. Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg wird ebenfalls die Entscheidung der Bürger ohne Wenn und Aber akzeptieren. „Durch die Bürgerbefragung haben wir etwas nachgeholt, was von Anfang an fällig gewesen wäre“, sagte er. Für ihn besticht der Brauhausberg durch seine zentrale Lage.

Die Argumente der Jugendlichen zwischen zwölf und 26 Jahren wurden durch den Stadtjugendring auf einer Tafel manifestiert. Es zeigte sich, dass die zentrale Lage am Brauhausberg eine herausragende Rolle spielt. Für den Standort Volkspark wurde vor allem die ruhige grüne Gegend ins Feld geführt. Und immer wieder wurde die Wohnortnähe genannt. Als weniger wichtig erschienen den Jugendlichen Bau- und Betriebskosten.

Für den Stadtjugendring ist die Aktion nur ein Auftakt, um Jugendliche stärker für politisches Engagement zu gewinnen, denn bei Kommunal- und Landtagswahlen darf in Brandenburg künftig ab 16 Jahren gewählt werden. Doch das Wählenkönnen dürfe keine Einbahnstraße sein, so Pigorsch. Man müsse mit den Jugendlichen auch die Themen diskutieren, die sie interessieren und ihnen Entscheidungsmöglichkeiten eröffnen. Hella Dittfeld

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