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  • 04.05.2012
  • von Steffi Pyanoe

Aussicht ohne Heldbock und Mücken

von Steffi Pyanoe

Baumschiff Enterprise.Nur Fliegen ist schöner. Foto: Andreas Klaer

Im Volkspark gibt es jetzt ein richtiges Baumhaus. Am Sonntag wird es eröffnet

Im Volkspark zwischen Nomadenland und „Zickzack in die Wipfel-Spielplatz“ kann man jetzt tatsächlich hoch in die Wipfel klettern: Ab Sonntag darf hier jederzeit im Baumhaus gespielt werden.

Gestern durften vor der offiziellen Eröffnung am Sonntag Kinder der Montessori-Schule einen Testlauf absolvieren und waren begeistert. Gern liefen sie für die anwesenden Fotografen die lange Holztreppe mehrmals mit Verve auf und ab, lehnten sich über die Reling des Hauses, das doch eher einem zwischen dem Geäst schwebenden Schiff ähnelt.

Das stattliche Konstrukt – 800 Kilogramm Stahl und 350 Kilogramm Lärchenholz – hängt in 4,5 Meter Höhe an 30 Stahlseilen zwischen zwei etwa einhundert Jahre alten Stieleichen. Da es nicht fest mit dem Holz verbunden ist, werden die Bäume nicht beschädigt und das Haus kann quasi mitwachsen, denn die Aufhängung ist nachstellbar.

Die Idee zu einem Baumhaus im Volkspark gab es bereits vor zwei Jahren. „Da wussten wir noch nicht, dass es für ein öffentlich zugängliches Objekt dieser Art keine Vorbilder gibt“, sagte Volksparkleiterin Diethild Kornhardt.Die Suche nach Partnern dauerte deshalb etwas länger. Entworfen und gebaut wurde das Haus schließlich von der Berliner Firma mit dem Namen „Luftschlösser“, 35 000 Euro, darunter 11 000 vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sowie Unterstützung mehrerer Sponsoren flossen in die Umsetzung.

Alles weitere sei gar nicht so kompliziert gewesen, sagten Kornhardt und Emanuel Stahlmann von „ Luftschlösser“ übereinstimmend. Ob Bauamt, Schlosser oder Baumgutachter, viele seien von dem Neuen begeistert gewesen, ernsthafte Probleme hätte es keine gegeben.

Einzig der Heldbock hätte dem Projekt fast ein vorzeitiges Ende bereitet. Der stattliche, immerhin bis zu 10 Zentimeter lange, geschützte Käfer bewohnt im Park etwa 30 Bäume. „Und der braucht seine Ruhe“, sagte Kornhardt. So war es gar nicht so einfach gewesen, unter den verbliebenen Bäumen im Remisenpark zwei geeignete Eichen zu finden, die – ohne Käferuntermieter – nah genug bei einander standen, um ein Baumhaus zu tragen.

Und nicht nur das: Schließlich soll es auch noch eine ganze Schulklasse aushalten. „Das ist alles doppelt und dreifach abgesichert“, beruhigte Stahlmann. Das Baumhaus bietet sich deshalb ab sofort als Standort für das „Grüne Klassenzimmer“ an, kann aber auch von jedermann genutzt werden – es steht immer offen.

Die Schulkinder lobten gestern die tolle Aussicht: „Man sieht fast den ganzen Park“, waren sie überzeugt. Es wackele ein bisschen, dafür gebe es dort oben keine Mücken. Steffi Pyanoe

Das Baumhaus im Volkspark, Eingang Viereckremise, wird am Sonntag um 14 Uhr mit Musik, Basteln und Baumkuchen eröffnet.

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