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  • 02.05.2012

Potsdam vor derBadfrage: „Das nächste Defizitprojekt“

Foto: PNN-Archiv

Der Potsdamer Unternehmer und CDU-Politiker Andreas Ehrl spricht im Interview über sein Engagement für ein Bad am Brauhausberg und seine Rolle in der Potsdamer CDU - die anderer Meinung ist als er.

Herr Ehrl, Sie werben offen für ein neues Schwimmbad am Brauhausberg. Ihre Partei, die Potsdamer CDU, favorisiert hingegen klar das Bornstedter Feld. Fühlen Sie sich als Parteirebell?

Ist man in der CDU schon ein Rebell, wenn man eine eigene Meinung vertritt? Mit Sicherheit bin ich kein Rebell. Was ich aber tue, ist Dinge stärker zu hinterfragen und mich nicht mit oberflächlichen Argumenten zu einem Konsens bewegen zu lassen. Außerdem hoffe ich, dass man in der CDU und auch in diesem Land immer noch seine Meinung frei äußern kann – auch wenn diese nicht mit der Meinung einzelner Stimmungsmacher übereinstimmt.

Sie sind in der vergangenen Woche als Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) zurückgetreten, weil Sie ohne Absprache mit Ihrem Vorstand das MIT-Logo auf einem Handzettel für ein Bad am Brauhausberg verwendet haben. War die Sache mit dem Logo ein Fehler?

Ich würde es nicht als Fehler bezeichnen. Als Vorstandsvorsitzender der MIT habe ich eine Außenvertretungsbefugnis. Ich bin der Meinung, dass die Entscheidung vertretbar war, weil keine Geldmittel geflossen sind. Es gab bereits vorher von mir veröffentlichte Meinungsäußerungen bezüglich des Standortes Brauhausberg, bei denen ebenfalls das MIT-Logo verwendet wurde. Hier gab es auch keinen Widerspruch. Mein Grund für den Rücktritt war vielmehr die persönliche Enttäuschung über das Verhalten einer Frau aus dem Vorstand der MIT nach der Aktion mit dem Logo. Dabei hat es einen Vertrauensbruch gegeben, weswegen ich mich schließlich zum Rücktritt entschlossen habe.

Können Sie den wichtigsten Grund nennen, warum Sie sich derartig für den Brauhausberg engagieren?

Ich engagiere mich für den Brauhausberg, weil es der beste Standort im Herzen der Stadt ist. Das sah einst nicht nur das Wirtschaftsministerium beim Niemeyer-Bad so, sondern auch die zahlreichen Potsdamer, die sich im Rahmen des Werkstattverfahrens über 70 Stunden damit beschäftigt haben. Deshalb belegte der Standort Brauhausberg nach Abschluss dieses Verfahrens auch die ersten drei Plätze vor dem Standort Volkspark. Ich wurde aber auch durch viele Gespräche mit Vereinssportlern in meiner Meinung bestärkt. Deshalb spreche ich offen aus, was diese aus Angst um Trainingszeiten oder Zuschüsse nicht offen sagen möchten.

Den Befürwortern eines Bades am Bornsteder Feld werfen Sie vor, Fakten zu verzerren. Was stört Sie am meisten?

Am meisten stört mich, dass sie mit Halbwahrheiten die Potsdamer spalten. So wird beispielsweise suggeriert, dass es bei einem Neubau im Volkspark gar kein Problem sei, sich durch den Verkehr der Potsdamer Innenstadt zu schlängeln. Dann frage ich mich, wie der größte Teil der in Potsdam lebenden Bevölkerung mit einer Tram-Linie zu diesem Schwimmbad kommen will, wenn die Befürworter die Innenstadt möglichst autofrei haben möchten. Immerhin kalkuliert die Stadt mit 560 000 Besuchern des Schwimmbades. Der zentrale Verkehrspunkt, gerade der öffentlichen Verkehrsmittel, ist und bleibt der Brauhausberg mit dem angrenzenden Bahnhof. Nur mit diesem Standort halten wir den Verkehr auch aus der Innenstadt. Solche Halbwahrheiten meine ich. Ich denke, man sollte Entscheidungen fernab jeglicher Parteipolitik treffen und dabei das Wohle aller Potsdamer im Auge haben.

Was ist die größte Sorge, die Sie mit einem Bad am Bornstedter Feld verbinden?

Meine größte Sorge, auch als mittelständischer Unternehmer, ist es, dass neben der Biosphäre das nächste Defizitprojekt im Volkspark entsteht, für das auch wieder alle Potsdamer zur Kasse gebeten werden. Denken Sie nur an die Wasserpreise, Gewerbesteuer und so weiter.

Zurück zu Ihrer Rolle in der Potsdamer CDU: Was möchten Sie nach Ihrer knappen Niederlage gegen die vor einem Jahr wiedergewählte CDU-Chefin Katherina Reiche bei den Christdemokraten noch erreichen?

Ich will, dass einzelne Politiker nicht nur die eigene Karriere und das eigene Ego, sondern das Wohl der Potsdamer im Auge haben. Gerade die Potsdamer CDU braucht Meinungsvielfalt und nicht nur befehlsempfangende Parteisoldaten.

Die Fragen stellte Henri Kramer

Der 46-jährige Andreas Ehrl ist in Potsdam vor allem durch seine BMW-Autohäuser bekannt. Zugleich ist er Chef der Wasserballer des OSC Potsdam, die im Brauhausberg-Bad spielen.

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