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  • 30.04.2012

Wieder Streit ums Bad

Scharfenberg wirft Klipp Beeinflussung vor

Baudezernent Matthias Klipps (Bündnisgrüne) Plädoyer für das Bornstedter Feld als neuer Schwimmbadstandort hat bei den Linken für Verärgerung gesorgt. Es sei „in höchstem Maße kritikwürdig“, dass Klipp als „Repräsentant der Stadtverwaltung in dieser Massivität in die laufende Bürgerbefragung eingreift“, sagte Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg am Sonntag.

Klipp hatte im PNN-Interview am Wochenende eine Lanze für den möglichen Badstandort an der Biosphäre gebrochen und den Brauhausberg als Schwimmbadstandort für ungeeignet erklärt. Würde das Bad dort gebaut, gäbe es im Süden der Stadt zwei Schwimmhallen, im stark wachsenden Norden jedoch gar keins, hatte Klipp erklärt. Die Entscheidung für den Brauhausberg würde Klipp zufolge einen Zeitverzug von mindestens einem Jahr bedeuten, weil man im Bornstedter Feld ein auf Eis gelegtes Ausschreibungsverfahren fortsetzen, am Brauhausberg jedoch einen neuen Wettbewerb starten müsste. Ob die alte Halle noch so lange betrieben werden könne, sei fraglich. Auch sei es extrem schwierig, die benötigten 300 Stellplätze am Brauhausberg unterzubringen. Schließlich, argumentierte Klipp, könne es sich Potsdam als wachsende Stadt nicht leisten, auf einen „so zentral gelegenen“ Wohnungsbaustandort wie den Brauhausberg zu verzichten.

Scharfenberg erklärte, Klipps Argumente träfen „in mehrfacher Hinsicht nicht zu“. Das vom Dezernenten aufgebaute „Drohpotenzial“, die DDR- Schwimmhalle müsse womöglich schließen, bevor ein neues Schwimmbad fertig ist, treffe auch für das Bornstedter Feld zu, so Scharfenberg. Ob auf dem Brauhausberg Wohnungen gebaut werden, sei zudem „völlig offen“, da viele bereits einen städtebaulichen Wettbewerb für das Areal forderten. „Unglaubwürdig und primitiv“ nannte Scharfenberg Klipps Argument, der Brauhausberg sei verkehrstechnisch überlastet. Die Anbindung an den Nahverkehr und die Nähe zum Bahnhof stünden für ideale Erreichbarkeit – auch für die vielen Schüler der Stadt.

Zumindest in der Lenné-Schule sieht man das auch so. In einem den PNN vorliegenden Schreiben an alle Schüler und Eltern der Schule heißt es, das Interesse der Schüler und Lehrer gelte einem Schwimmbad in der Mitte der Stadt. „Wir sind der Meinung, dass es die Möglichkeit geben muss, an einem zentralen Ort, verkehrstechnisch für alleSchulen günstig erreichbar, schwimmen gehen zu können“, heißt es in dem Schreiben, das Schulleiterin, der Schülersprecher und der Vorsitzende der Schulkonferenz gemeinsam unterzeichnet haben. Vor allem für die Schwimmausbildung im Sportunterricht sei ein Bad in der Mitte wichtig.

Getuschelt, allerdings nicht offiziell, wird über das Schreiben in der Rathauskooperation aus SPD, CDU/ANW, Bündnisgrünen und FDP, die ein neues Bad am Bornstedter Feld wollen. Die Kooperation horcht deswegen auf, weil die Oberstufenkoordinatorin der Lenné-Schule Scharfenbergs Frau ist. An der Bürgerbefragung zum Badneubau hat bisher knapp ein Viertel der Potsdamer teilgenommen. Sie läuft noch bis zum 7. Mai. pee/HK

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