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  • 21.02.2012
  • von Henri Kramer

Potsdam: 1,1 Millionen Euro für „Archiv“-Rettung

von Henri Kramer

Die Sanierung des maroden Gebäudes in der Leipziger Straße wird billiger. Es fehlen trotzdem noch einige Hunderttausend Euro. Foto: Andreas Klaer

Die Kosten für den Erhalt des linksalternativen Kulturzentrums in Potsdam sind somit geringer als erwartet – dennoch sind bislang bloß 625 000 Euro im Haushalt vorgesehen.

Potsdam - Der Erhalt des linksalternativen Kulturzentrums „Archiv“ wird für die Stadt nur halb so teuer wie erwartet. Ein neues Gutachten, das die Sanierungsgesellschaft Stadtkontor im Auftrag der Stadtverwaltung erstellt hat, errechnet für eine langfristig tragbare Sanierung des Gebäudekomplexes in der Leipziger Straße nach PNN-Informationen insgesamt rund 1,1 Millionen Euro. In der Vergangenheit war teils von Sanierungskosten in Höhe von weit über zwei Millionen Euro die Rede.

Damit wird die Finanzierungslücke für die Instandsetzung des „Archivs“ deutlich kleiner. Bislang hat Potsdam 325 000 Euro für die Sanierung genehmigt, für den Haushalt 2013 sind zusätzlich 300 000 Euro vorgesehen. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Es fehlen noch 475 000 Euro. Packt die Stadt diesen Betrag noch drauf, wäre das „Archiv“ dann wohl endgültig über den Berg. Denn nach PNN-Informationen könnte das Gebäude mit den 1,1 Millionen Euro unter anderem völlig brandsicher gemacht sowie Dach und Fassade erneuert werden. „Es handelt sich um einen Sanierungsplan, mit dem die Substanz des Gebäudes langfristig erhalten werden soll“, hieß es gegenüber den PNN. Die Kosten könnten überdies um 100 000 auf rund eine Million Euro sinken, wenn der Archiv-Verein auf die Sanierung der derzeit baupolizeilich gesperrten Bandprobenräume verzichten oder sie zeitlich verschieben würde. Zudem habe der Archiv-Verein zu erbringende Eigenleistungen im Gesamtwert von mehreren Zehntausend Euro bis hin zu sechsstelligen Beträgen angekündigt, hieß es weiter – auch dies trüge zur Kostensenkung bei.

Das Gutachten wurde in Auftrag gegeben, um Planungssicherheit für die Sanierung des maroden Hauskomplexes zu erhalten. Sowohl der Archiv e.V. als auch die Stadt wollten sich offiziell noch nicht zu den neuen Zahlen äußern. Gegenüber den PNN verwies ein Stadtsprecher auf den 29. Februar: An diesem Tag soll der Hauptausschuss über die neuen Entwicklungen zum „Archiv“ informiert werden. Auch aus dem Verein hieß es, bis zum Hauptausschuss würden „Zwischenstände“ der laufenden Verhandlungen nicht kommentiert.

Wie berichtet, ist das „Archiv“ seit Jahren mit Existenznöten konfontiert. Vor dreieinhalb Jahren waren erhebliche Brandschutzmängel im gesamten Gebäude öffentlich geworden. Inzwischen sind unter anderem mehrere Feuerschutztüren eingebaut. Dennoch ist das Haus weiter auf Übergangslösungen der Bauaufsicht angewiesen – die aktuelle Nutzungsgenehmigung für das „Archiv“ endet bereits am 31. März. Wie es hieß, stehen auch dazu Stadt und Trägervereine in einem „Gesprächsprozess“.

Das Archiv, im 18. Jahrhundert als „Königliche Hofbrauerei“ genutzt, wurde 1994 als Veranstaltungsort für die linke Szene besetzt. Nach einer zeitweiligen Räumung wurde das Projekt 1998 legalisiert, seitdem werden – ohne Kulturförderung von der Stadt – wöchentlich Konzerte und Party veranstaltet. Dazu gibt es ein Café, ein Atelier sowie eine kleinere Sporthalle. Nach Vereinsangaben kommen bis zu 60 000 Gäste pro Jahr.

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