• 07.12.2006
  • von Von Günter Schenke und Juliane Wedemeyer

Cannabis-Plantage im Hinterhof

von Von Günter Schenke und Juliane Wedemeyer

Bisher größter Marihuana-Fund in Potsdam: Polizei hat 1500 Hanfpflanzen aus Wohnhaus in der Sellostraße beschlagnahmt

Brandenburger Vorstadt – Rund 1500 halbreife indische Hanf-Pflanzen hat die Polizei gestern im Hinterhaus der Sellostraße 6 beschlagnahmt. Den ganzen Vormittag war der betreffende Straßenabschnitt deshalb gesperrt.

„Wir ermitteln, observieren und dann werden die Leute hopp genommen“, beschreibt Polizeisprecher Rudi Sonntag das Vorgehen der Polizei. „Hopp genommen“ haben die Beamten bereits am Dienstagabend um 20 Uhr einen 47-jährigen Bewohner des Hauses und einen 27 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Havelland. Sie sollen die Cannabis-Plantage auf dem Hinterhof des ungepflegten Grundstücks betrieben haben. Mit Lastwagen ist die Technische Einsatzeinheit der Polizei in die idyllische Straße in der Brandenburger Vorstadt gerückt, 30 Beamte waren schon seit Dienstag vor Ort.

Während sie die Cannabis-Zucht sichern und abtransportieren, vernimmt die Kripo des Polizeipräsidiums Potsdam bereits die beiden Tatverdächtigen. Herausfinden will die Polizei vor allem, wohin die Droge verkauft wurde und von wem, so Sonntag. Denn der Hanfgarten in der Sellostraße sei „eine gewerbsmäßige Produktionsstätte für Betäubungsmittel“, meint der Polizeisprecher, „denn die 1500 Pflanzen, die wir sicher gestellt haben, dürften kaum für den Eigenbedarf bestimmt sein.“ In Potsdam sei es die erste entdeckte Plantage dieses Umfangs. Den größten diesjährigen Hanffund in ganz Mitteleuropa hätten Polizisten in der Slowakei entdeckt: 5000 Pflanzen haben sie dort beschlagnahmt.

Als „Plantage“ bezeichnet die Polizei bereits den Anbau von mehr als 100 der in Deutschland verbotenen Pflanzen. In diesem Jahr habe die Polizei in ganz Brandenburg drei solcher Plantagen ausgehoben – die letzte Ende November in Fehrbellin, so Sonntag. Auch dort fanden die Beamten rund 1500 Pflanzen. Dennoch seien Anlagen dieses Ausmaßes außergewöhnlich. Zumal die Polizei in Potsdam gestern mehr Hanf beschlagnahmt hat als im gesamten vergangenen Jahr im ganzen Land: 1158 Brandenburger Hanfpflanzen vernichtete sie 2005 – laut Sonntag zwei Prozent der bundesweiten Menge. 2004 fanden die Polizisten allerdings noch 7468 Pflanzen im Land.

Auf die Potsdamer Cannabis-Gärtner hat es laut Polizei bereits seit Oktober Hinweise gegeben. Die Hausbewohner wollen allerdings nichts von der Zucht bemerkt haben, obwohl dies wegen des Umfangs der Plantage unwahrscheinlich scheint. Auf dem Hof hatte die Polizei zunächst eine Unmenge fast neuer Gewächshauslampen mit Reflektoren, Berge zirka 90 Zentimeter hoher Hanfpflanzen sowie Hunderte „Blumenkästen“ aufgetürmt. „Solche Behältnisse mit Düngevorrichtung habe ich noch in keinem Baumarkt gesehen“, sagt Olaf Pokorny, Mitarbeiter der Polizei-Pressestelle. „Die Täter sind absolut professionell vorgegangen.“ Die Zuchtanlage befindet sich im hinteren Bereich labyrinthartig angeordneter Schuppen. Eine Wendeltreppe führt hinauf in eine Wohnküche der gut erhaltenen gemauerten Remise. In ihr soll der ältere der beiden Tatverdächtigen gewohnt haben. Die Wohnküche scheint verwahrlost: Überall steht Geschirr herum, aus einem Dauerbrandofen quillt die Asche heraus. Eine Tür führt in ein Nebenzimmer. „Der Raum für die Setzlinge“, erklärt Pokorny.

Der Experte deutet auf eine Videokamera, auf Bewegungsmelder und Warnlampen. „Das Gewächshaus war rundum gegen ungebetenen Besuch gesichert“, sagt er. Das „Gewächshaus“ befindet sich auf zwei Etagen im hinteren Teil der Baulichkeiten auf dem Hof. Gerümpel aller Art und Überbleibsel einer früheren Gewerbenutzung versperren den Weg.

Nach dem Öffnen von sechs Türen führt eine erst kürzlich gezimmerte Treppe hinauf in einen mit Regalen säuberlich gestalteten Raum mit den „Blumenkästen“. Gleißendes Licht schafft eine tageslichtartige Beleuchtung für die Pflanzenzucht. Über zweihundert 1,50 Meter lange Pflanzkästen müssen die Beamten durch das Bilden einer Kette über den Hof in den Lastwagen transportieren. Mehrere Zentner mit ausgerissenen Hanfpflanzen gefüllte Plasteplanen kommen hinzu. Die Luft auf dem Hof ist mit einem würzigen Kräutergeruch geschwängert.

„Die meisten Pflanzen sind noch nicht reif“, bemerkt einer der Beamten. Er erkenne das an der hellen Farbe. Erst die dunklen Hanf-Blätter würden den gewünschten Wirkstoffanteil aufweisen. In getrocknetem Zustand bringe „gute Ware“ pro Gramm zehn Euro. Wie viel vom gestern beschlagnahmten Hanf zur Drogenproduktion getaugt hätte, konnte Sonntag aber nicht sagen. Nun werden die Pflanzen erst einmal als Beweismittel aufgehoben. Später würden sie voraussichtlich verbrannt.

Social Media

Umfrage

Soll das Mosaik „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ auch nach dem Abriss des Rechenzentrums und einem möglichen Neubau der Garnisonkirche am Standort erhalten bleiben?