21.11.2017, 4°C

Schwimmhalle: Brauhausberg-Halle ist am teuersten

von Jan Brunzlow und Peer Straube

Die Sanierung der Schwimmhalle am Brauhausberg wird wohl deutlich teurer als die der drei anderen DDR-Bäder gleichen Bautyps in Erfurt, Leipzig und Dresden. Foto: Manfred Thomas

In Potsdam soll die Sanierung 13 Millionen Euro kosten. Erfurt und Leipzig haben den baugleichen Badtyp billiger saniert, auch Dresden plant weniger Geld ein.

Teltower Vorstadt - Die Sanierung der Schwimmhalle am Brauhausberg wird wohl deutlich teurer als die der drei anderen DDR-Bäder gleichen Bautyps in Erfurt, Leipzig und Dresden. Deren Sanierungskosten liegen zum Teil unter der Hälfte der 13 Millionen Euro, die Finanzdezernent und Interims-Stadtwerkechef Burkhard Exner (SPD) jüngst als Aufwand für die Herrichtung der Brauhausberg-Halle angegeben hat.

Die Schwimmhallen aus der DDR-Zeit in den vier Städten sind baugleich. Errichtet zwischen 1968 und 1972, wurden sie in den letzten Jahren teilweise saniert. Der Prototyp in Dresden steht seit 2008 unter Denkmalschutz, seine Sanierung ist geplant. Als einzige der vier Hallen steht die Brauhausberg-Halle zur Disposition. Ursprünglich sollte sie bereits für das Niemeyerbad abgerissen werden, dann integrierte sie der brasilianische Stararchitekt in seine Kuppelbadewelt, die bekanntlich an den Kosten scheiterte. 2009 planten die Stadtwerke eine Sanierung, nach dem Beschluss zum Badneubau im Bornstedter Feld soll sie nun wieder abgerissen werden und einer Wohnbebauung weichen. Kritiker werfen der Stadt allerdings vor, die Sanierungskosten zugunsten eines geplanten Neubaus im Bornstedter Feld absichtlich hochzurechnen. Interims-Stadtwerkechef Burkhard Exner widerspricht dem allerdings. Es würde derzeit an einer Matrix gearbeitet, um die Kosten vergleichbar darzustellen. Dazu werde von einem „anerkannten Berater“, so Exner, ein Gutachten für die Sanierung der Schwimmhalle gefertigt. Es ist jener Gutachter, der in einer Stellungnahme von 13 Millionen Euro Sanierungskosten geschrieben hat.

Als deutlich zu hoch bezeichnet Uwe Horn diese Kosten. Der Bauingenieur war an der Sanierung der Leipziger Halle beteiligt, die nach seinen Angaben fünf Millionen Euro teuer war. „Ich bin mir sicher, dass Ihr baugleicher Schwimmhallentyp in einem ähnlichen Kostenrahmen saniert werden könnte“, schreibt Horn der Bürgerinitiative Brauhausberg. Allerdings, schränkte Horn gegenüber den PNN ein, als reines Sportbad, ohne zusätzliche Einbauten oder Wellnesselemente. So sei auch die Halle in Leipzig modernisiert worden. Die fünf Millionen Euro umfassen Horn zufolge alle Instandsetzungsarbeiten seit 1993 sowie die eigentliche Sanierung, die sich in zwei Bauabschnitte zu jeweils 2,1 Millionen Euro aufteilte. Sie wurde 2007 abgeschlossen. Dafür bekam die Halle unter anderem eine Abstützung der Tragkonstruktion des Hängedachs, eine neue Glasfassade sowie ein Edelstahlschwimmbecken.

Deutlich mehr haben die Stadtwerke Erfurt für die Sanierung der ehemaligen Südschwimmhalle ausgegeben, die heute den Namen von Olympiasieger Roland Matthes trägt. Das Unternehmen erklärte auf PNN-Anfrage, der Umbau habe rund zehn Millionen Euro gekostet. Allerdings wurde dafür nicht nur die Halle saniert, es kamen auch ein Attraktionsbecken, eine 62-Meter-Rutsche sowie eine Sauna- und Wellnesslandschaft hinzu.

Der Hallen-Prototyp in Dresden soll einen Anbau bekommen, das Gesamtprojekt kostet rund 24 Millionen Euro. Rund 8,5 Millionen Euro davon seien reine Sanierungskosten für die DDR- Halle, sagte Sven Mania vom Dresdner Eigenbetrieb Sport- und Bäderstätten den PNN. Damit liegt Dresden immer noch 4,5 Millionen Euro unter der Kostenschätzung für die Brauhausberg- Halle.

Exner rechtfertigte die Höhe der Kosten mit den gestiegenen Anforderungen der Energieeinsparverordnung sowie dem allgemein schlechten Zustand der Halle. Der Gutachter soll nun auch den Beton analysieren, um die Festigkeit zu ermitteln. Ziel sei es, erklärte Exner, eine „seriöse Kostenschätzung der Sanierung und der Folgekosten“ zu erhalten. Er sei optimistisch, dass die im kommenden Jahr auslaufende Betriebserlaubnis für die Halle von der Bauaufsicht verlängert werde.

17 Kommentare

  • von D. Hasselhoff17.09.2011 10:04
    Cui bono? (Wem zum Vorteil?)

    Hier sollte zuerst Einigkeit bestehen, worüber man redet.
    Über eine Schwimmhalle oder über ein Spaßbad.
    Dann wird klar, welchem Zweck ein(e) solche(s) dient und wer dafür aufkommen muss. Möchte sich die Stadt eines Kostenfaktors der Daseinsvorsorge im Sinne von Sportunterricht und Freizeitsport entledigen? Möchte man ein Spassbad haben, welches eintrittspreisbedingt einer Bevölkerungsgruppe vorbehalten ist?
    Unterschiedliche Namen bedeuten auch unterschiedlichen Zweck.
    Ein Schwimmhalle ist kein Spaßbad.
  • von Paul16.09.2011 22:11
    Mit Ostalgie hat das nichts zu tun. Eine Schwimmhalle an dieser Stelle ist toll und ich möchte sie nicht missen!

    Sanieren! Aber durch Fachleute. Am besten ohne OB-Beteiligung und ohne Herrn Exner und Anhang.
  • von * * *16.09.2011 19:40
    Brrrrr, diese doofe Ostalgie!
  • von AuchPotsdamer (Schwimmer)16.09.2011 17:10
    Vergewaltigung des Bürgers?- Natürlich muss eine seit Jahren beliebte und umfangreich genutzte Schwimmhalle (Schulsport, Seepferdchen, Rehabilitation, Freizeitschwimmen und sogar Wettkämpfe) erhalten und deshalb endlich saniert und wieder in ein ansprechendes Umfeld gestellt werden. Schließlich werden hier sonst die (wenigen übriggebliebenen) Vermögen der Potsdamer verschleudert. Eine Vorlage dazu gab es bereits in den 80er Jahren.

    Eine völlig andere Rechnung ist es doch, für die Potsdamer im Norden ebenfalls eine Schwimmhalle zu bauen. Auch dafür tragen unser OB und seine Gehilfen die Verantwortung.

    Sollen beide Sünden jetzt gegeneinander verrechnet und die südlichen Stadtteile gegen den Norden gehetzt werden?
  • von Irrenhaus Potsdam16.09.2011 13:58
    oh mein gott. ist das alles peinlich.
    sowas kommt davon wenn eine stadt von (vornehmlich aus dem westen kommenden) nichtskönnern regiert wird. armes potsdam...

    ich bin natürlich als alter potsdamer für die schwimmhalle am brauhausberg.
  • von unglaublich16.09.2011 11:59
    Es ist doch effensichtlich, dass Herr Exner am Brauhausberg nicht modernisieren will. Aus diesem Grunde wird alles teurer und luxoriöser geplant. Der Mann ist befangen. Es sollten andere Personen entscheiden.
    Herr Exner will bloß eines, die teure Tropenhalle mit einem Schwimmbad in der Nähe zusammenbilanzieren.

    Laßt die Firmen, die die Hallen in Sachsen und Thüringen saniert haben ran und dann wird es etwas. Die Halle an diesem Standort ist wichtig! Auch für das Schulschwimmen der Potsdamer und dem Umland, u.a. den Michendorfern und Wilhelmshorstern.

    Ich will kein Spaßbad, ich will Schwimmen - mehr nicht und nicht weniger!
  • von Atze Wellblech16.09.2011 09:35
    Es ist schon witzig wieviele Experten es gibt, die aus der hohlen Hand heraus behaupten, das geht billiger. Ohne den genauen Bauzustand zu kennen ist eine Bewertung wie von Herrn Horn nicht möglich. Fakt ist doch das die Schwimmhalle seit 20 Jahren ein Schattendasein führt und genauso auch behandelt wird. SDas war in Leipzig vllt. nicht so und deshalb kann man den Sanierungsaufwand auch nicht vergleichen.
    13 Mio ist eine Menge Geld für die Sanierung, auch 8,5 oder 5 Mio € müssen bezahlt werden können.
    Unsere Herrn Stadtpolitiker sollten sich jetzt mal zusammenreissen und ein Bad planen lassen was state of the art ist, ansonsten laufen wir unseren Landesnachbarn hinterher. Klares Votum für Badneubau im Bugapark, das wäre mal eine kluge Entscheidung.
  • von feedTheConsultant16.09.2011 08:57
    Hurra, der gleiche Gutachter bekommt nochmal Geld um nochmal das Ergebnis abzuliefern, dass Exner bestellt hat.
    Wann endlich begreift eine der "RathausKoalitions"-Parteien, dass man hier im falschen Boot sitzt? Achso das sind ja nur Bürgerbündnis, FDP, Grüne und CDU ...was soll man von denen erwarten?
    In manchen anderen Städten merken Grüne manchmal was, aber hier haben sie einen Barockfimmel, was soll mand a machen? Sind ja nur 3 Leute.
  • von Schwimmhallenbefürworterin16.09.2011 08:42
    Man kommt nicht umhin immer wieder festzustellen, das alles dafür getan wird, die unliebsame Schwimmhalle doch noch abreissen zu können. Da werden Kosten künstlich hochgerechnet, das miese Erscheinungsbild immer wieder bemüht und viele andere Gründe herangezogen.
    Wie man auf alten Fotos unschwer erkennen kann, sah das Ensemble mal ganz ordentlich aus, klar, mit dem typischen 60er Jahre-Charme, aber wie schon vom Vorkommentator festgestellt, hat man das alles vergammeln lassen.
    Alles was auch nur im entferntesten an die DDR erinnert muß verschwinden, das ist die Devise Potsdams.
    Fragt sich nur, was wäre, wenn das Bad noch aus der Kaiserzeit stammen würde. Da würden weder Kosten noch Mühen gescheut den alten "Glanz" wieder herzustellen.
    Da die Stadt Potsdam sich auf die Fahnen geschrieben hat wieder zu der Residenz des preußischen Spießertums zu werden so wie sie es früher einmal war, passen natürlich solche Bauten überhaupt nicht ins preußische Konzept.
    Anstatt "bunt" zu bleiben, wie mal von sich selbst behauptet, verkommt Potsdam immer mehr zu der langweiligen, spießigen Zuckerbäckerstadt, die nur noch attraktiv für Tagestouristen und nicht mehr lebenswert für seine BewohnerInnen ist.
  • von Schwimmhallenbefürworterin16.09.2011 08:40
    Man kommt nicht umhin immer wieder festzustellen, das alles dafür getan wird, die unliebsame Schwimmhalle doch noch abreissen zu können. Da werden Kosten künstlich hochgerechnet, das miese Erscheinungsbild immer wieder bemüht und viele andere Gründe herangezogen.
    Wie man auf alten Fotos unschwer erkennen kann, sah das Ensemble mal ganz ordentlich aus, klar, mit dem typischen 60er Jahre-Charme, aber wie schon vom Vorkommentator festgestellt, hat man das alles vergammeln lassen.
    Alles was auch nur im entferntesten an die DDR erinnert muß verschwinden, das ist die Devise Potsdams.
    Fragt sich nur, was wäre, wenn das Bad noch aus der Kaiserzeit stammen würde. Da würden weder Kosten noch Mühen gescheut den alten "Glanz" wieder herzustellen.
    Da die Stadt Potsdam sich auf die Fahnen geschrieben hat wieder zu der Residenz des preußischen Spießertums zu werden so wie sie es früher einmal war, passen natürlich solche Bauten überhaupt nicht ins preußische Konzept.
    Anstatt "bunt" zu bleiben, wie mal von sich selbst behauptet, verkommt Potsdam immer mehr zu der langweiligen, spießigen Zuckerbäckerstadt, die nur noch attraktiv für Tagestouristen und nicht mehr lebenswert für seine BewohnerInnen ist.
  • von ToralfB16.09.2011 08:10
    Hier ist wieder typische Potsdamer Politik am Werke schön intransparanet irgendwelche Kosten hochrechnen, damit man sich vor der Haustür des Bürgermeisters ein schönes neues Bad bauen kann. Um den Neubau zu rechtfertigen wird dann an alter Stelle alles verwüstet udn verfallen gelassen -> so haben es die Kommunisten auch gemacht, Glückwunsch das sich da nichts geändert hat.
    Als nächstes wird dann für 10 Mio. das Mercure gekauft und abgerissen, Hauptsache es bleibt nichts übrig an zentraler Stelle.
    Ich bin kein Ostalgiker aber finde Verschwendung unsinnig.
  • von ToralfB16.09.2011 08:10
    Hier ist wieder typische Potsdamer Politik am Werke schön intransparanet irgendwelche Kosten hochrechnen, damit man sich vor der Haustür des Bürgermeisters ein schönes neues Bad bauen kann. Um den Neubau zu rechtfertigen wird dann an alter Stelle alles verwüstet udn verfallen gelassen -> so haben es die Kommunisten auch gemacht, Glückwunsch das sich da nichts geändert hat.
    Als nächstes wird dann für 10 Mio. das Mercure gekauft und abgerissen, Hauptsache es bleibt nichts übrig an zentraler Stelle.
    Ich bin kein Ostalgiker aber finde Verschwendung unsinnig.
  • von Herbert Weiß16.09.2011 07:17
    @ verstäändnis: Schlimm sieht es erst jetzt aus. Man hatte den Brauhausberg zur DDR-Zeit ganz ordentlich gestaltet. Das Einzige, was zu Recht verschwand, weil es nicht mehr in die Zeit passte, war das SED-Emblem am Turm der einstigen Reichskriegsschule. Die Potsdam bisher regierenden Dilettanten hatten das Ensemble jedoch kaputt gemacht oder vergammeln lassen. Was soll hier weitere Wohnbebauung? Noch nicht gerafft, dass Potsdam bereits jetzt im Verkehrschaos erstickt?
  • von Klaus W.16.09.2011 06:49
    Komisch, die anderen ehemaligen DDR-Bezirkshauptstädte machen es vor und Potsdam? Vielleicht hätte sich die Stadt einen Oberbürgermeister-kandidaten aus Sachsen oder Thüringen holen und keinen Ostfriesen.
  • von verstaändnis16.09.2011 06:01
    Die einzigen, die in dieser Frage klare Linie halten, ist die Linke. Klar, sie bedienen ihr Klientel im Süden. Die Halle soll so nah wie möglich bei denen liegen. Und dann ist es ein Stück weit Erhalt DDR. Egal wie schlimm das aussieht und ist. Hier sind auch Kosten wichtig. Wenn es darum geht gegen Privateigentum vorzugehen (Uferwege) kann auch ein Vorratsbeschluss über irrsinnige Millionenbeträge gefasst werden- Weiß eigentlich irgend jemand wie viele Menschen den Uferweg am Griebnitzse vor der Sperrung genutzt haben? Waren das mehr als 500?
  • von klagenfurt16.09.2011 05:55
    Mein Vorschlag: der gutachter Horn übernimmt die Sanierung der Halle für 5 Mio. Wenn es teurer wird geht das auf seine Kosten.
  • von oi250316.09.2011 05:53
    Die Diskussion um die Brauhausberghalle ist eine typische Potsdamer. Und eine Piefke-Diskussion. Das Bad an der Biosphäre ist nicht zentral genug? Lächerlich. Wie "weit" ist denn das und wie lange braucht man dorthin ab HBF? / Minuten? Natur erhalten am Bad? Welche denn? Da sieht es nur gräuslich aus. Und wüst und leer. Einer Stadt als Eingangsportal unangemessen. Mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung? Die vorliegenden Pläne für die Bebauung wurden von dem zuständigen Gremien ausgewählt und waren lange Jahre bekannt. Was ist, wenn jetzt alles geändert wird und in zwei Jahren eine neue BI für den Abriss der Halle und des Minsk sich stark macht, Medienöffentlichkeit und Unterstützer gewinnt und populistische Stadtpolitiker auf diesen Kurs einschwenken. Diskutieren wir dann - typisch Potsdam - wieder von vorn?

    Motto der Diskussion: Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass. Typisch Potsdam.

Aktuellste Kommentare

  • von D. Hasselhoff17.09.2011 10:04
    Cui bono? (Wem zum Vorteil?) Hier sollte zuerst Einigkeit bestehen, worüber man redet. Über eine Schwimmhalle oder über ein Spaßbad. Dann wird...
  • von Paul16.09.2011 22:11
    Mit Ostalgie hat das nichts zu tun. Eine Schwimmhalle an dieser Stelle ist toll und ich möchte sie nicht missen! Sanieren! Aber durch Fachleute. Am...
  • von * * *16.09.2011 19:40
    Brrrrr, diese doofe Ostalgie!

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!