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  • 14.09.2011
  • von Peer Straube

Verhöre im Palast-Hotel

von Peer Straube

Weites Herz: Nadja Uhl (l.) als Isa Vermehren mit Filmmutter Iris Berben. Fotos: M. Thomas

Nadja Uhl spielt im ZDF-Fernsehdrama „Ein weites Herz“ Isa Vermehren und wirkt auch in „Der Turm“ mit

Sie sang. Sie spielte Akkordeon. Sie machte Kabarett zu einer Zeit, als dies höchst gefährlich war. Sie trat in Filmen auf. Sie überlebte Ravensbrück, Buchenwald und Dachau. Sie wurde Ordensschwester, Schulleiterin und 91 Jahre alt.

Kein Zweifel, Isa Vermehrens Leben ist praller Filmstoff: dramatisch, menschlich, spannend – und es ist mit Potsdam verknüpft. In der Realität ebenso wie in der ZDF-Verfilmung, die derzeit gedreht wird. Die Besetzung von „Ein weites Herz“, so der Arbeitstitel, ist prominent: Die Potsdamerin Nadja Uhl spielt Isa Vermehren, Iris Berben verkörpert ihre Mutter Petra, Friedrich von Thun den Vater Kurt. Das Drehbuch basiert auf Matthias Wegners gleichnamigem Buch und widmet sich den Jahren 1938 bis 1945. Isa Vermehren provoziert mit einem Spottlied den Zorn der Nazis – und darf daher nicht Lehrerin werden. Stattdessen feiert sie als Sängerin mit Akkordeon im politischen Kabarett Erfolge. Die Protestantin lernt über ihren Bruder Erich (Max von Thun) die Gräfin von Plettenberg (Peri Baumeister) kennen, die einem katholischen Kreis vorstand. Vermehren konvertiert zum Katholizismus. Als Erich – ein deutscher Diplomat – zu den Engländern überläuft, wird die über ganz Europa verstreute Familie von den Nazis in Sippenhaft genommen ...

Am Montag lud das ZDF anlässlich der Drehhalbzeit zum Settermin in eine alte Villa in Berlin-Zehlendorf ein, die im Film das Haus der Vermehrens doubelt. Zuvor hat das Team bereits in Potsdam gedreht. So entstanden etwa Szenen, die in London spielen, im Neuen Garten nahe dem Schloss Cecilienhof. Für einen Spaziergang von Nadja Uhl mit ihren beiden Filmbrüdern gab die Friedenskirche im Park Sanssouci eine pittoreske Kulisse ab. Ein echter Potsdamer Schauplatz allerdings musste in Berlin gefilmt werden: Die Rolle des beim Bombenangriff auf Potsdam zerstörten Palast-Hotels an der Langen Brücke übernimmt im Film die Siemens-Villa in Berlin-Steglitz. In der Potsdamer Nobelherberge wurde Isa Vermehren gemeinsam mit ihrer Familie zu Beginn des Jahres 1944 inhaftiert, verhört und von dort aus ins Konzentrationslager deportiert. „Für mich als Potsdamerin ist es etwas ganz Besonderes, dass es im Leben von Isa Vermehren Berührungspunkte mit meiner Heimatstadt gibt“, sagte Nadja Uhl. Für die Hauptrolle war die Schauspielerin erste Wahl. „Sie stand für mich von Anfang an fest“, sagte Produzentin Jutta Lieck-Klenke. Drei Projekte habe Uhl dafür sausen lassen. Der Charakter Isa Vermehrens hat die Potsdamerin an der Rolle gereizt, ihr „Nachdenken über Moral, über Eigenverantwortlichkeit“. „Ich glaube, sie hat ein sehr sinnvolles Leben geführt.“

Nach dem Krieg trat Isa Vermehren in den Orden der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu ein. Dieser Frauenorden wurde während der Französischen Revolution von Sophie Barat in Frankreich gegründet, um Arbeiterkindern ein Mindestmaß an Bildung zu vermitteln. Von 1969 bis 1983 leitete Vermehren die Sophie-Barat-Schule in Hamburg, in der auch Iris Berben Schülerin war. Von 1983 bis 1995 sprach Isa Vermehren in der ARD „Das Wort zum Sonntag“. Sie starb 2009 in Bonn.

„Ein weites Herz“ soll im März 2012 im ZDF laufen. Nadja Uhl ist derweil schon für ein weiteres renommiertes Projekt gebucht. Sie spielt in der Verfilmung von Uwe Tellkamps Beststeller „Der Turm“ an der Seite von Jan Josef Liefers. Regie bei der Produktion der Potsdamer Firma „teamworx“ führt Christian Schwochow („Novemberkind“). Die Dreharbeiten beginnen am morgigen Donnerstag und finden unter anderem in Dresden, Görlitz, Berlin und Tschechien statt.

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