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  • 22.07.2011
  • von Tobias Reichelt und Marco Zschieck

Coli-Bakterien im Wasser: Keime auf dem Rückzug

von Tobias Reichelt und Marco Zschieck

Belastet und belastend: Die Balebsberger müssen ihr Trinkwasser weiterhin abkochen - noch sind die Rohre offenbar nicht sauber. Foto: dapd

Update. Trotzdem keine Entwarnung: In Potsdam-Babelsberg ist das Leitungswasser noch immer nicht sauber genug, um unabgekocht getrunken zu werden - noch immer sind Keime von Mäuse- und Maulwurfkadavern im Wasser.

Babelsberg - Bei der Verschmutzung des Babelsberger Trinkwassers mit schädlichen Keimen zeichnet sich eine Trendwende ab. Nach Angaben der Potsdamer Amtsärztin Karola Linke sind von den 36 Babelsberger Probestellen bereits mehr als die Hälfte wieder sauber. Hier wurden keine Coli-Bakterien mehr im Trinkwasser gefunden, auch eine Belastung durch langlebige Enterokokken sei hier nicht mehr feststellbar. „Das reicht aber noch nicht für eine Entwarnung“, sagte Linke. Das Abkochgebot gelte weiter. Bewohner müssen voraussichtlich noch bis Dienstag ihr Trinkwasser abkochen. Erst 48 Stunden nach einer Probe gibt es Laborergebnisse. Bei drei Proben bestehe der Verdacht auf sogenannte coliforme Keime, sagte Linke. 20 weitere Wasserproben wurden in ganz Potsdam entnommen. Bislang wurden dort keine Bakterien festgestellt.

Die Verunreinigung des Wassers mit Escherichia-coli-Bakterien in Babelsberg ist seit anderthalb Wochen bekannt. Die Bakterien können zu schweren Magen-Darm-Erkrankungen führen. Betroffen ist das Gebiet zwischen Rudolf-Breitscheid-, Plantagen- und Behringstraße und dem Griebnitzsee. Seit vergangenem Mittwoch muss außerdem das Wasser im Studentendorf am Griebnitzsee und nördlich der Stahnsdorfer Straße bis zur August-Bebel-Straße abgekocht werden.

Weiterhin werde das Trinkwassernetz mit Hochdruck gespült – ein möglicher Grund, warum nun auch im Studentendorf Keime im Wasser gefunden wurden, so Linke. „Das Studentendorf ist eine Art Enklave, es liegt am Ende des Leitungsnetzes, da kann mal was hängen bleiben.“ Die Stadtwerke pumpen das Spülwasser vom Brauhausberg in die Babelsberger Leitungen, sagte Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz. Am anderen Ende werde es durch Hydranten abgelassen. Dann verschwindet es in der Kanalisation.

Als wahrscheinliche Ursache der Verunreinigung gelten drei tote Mäuse und ein toter Maulwurf, die in einem von zwei Wasserbehältern auf dem Brauhausberg gefunden wurden. Die Behälter seien mit Wassertürmen vergleichbar und sollen für Druck im Leitungsnetz sorgen, erklärte Klotz. Dank der Urlaubszeit und des Regenwetters könne auf die Behälter verzichtet werden. In einer Hitzeperiode dienen sie als Reserve. Von dort wird das Wasser in die Babelsberger Trinkwasser-Leitungen gespeist. Ein Gutachter überprüft seit Mittwoch den Behälter. Das Ergebnis werde Anfang der kommenden Woche erwartet, sagte Linke.

Wie lange sich eine Kommune mit coliformen Keimen herumschlagen kann, zeigt das Beispiel aus Neuzelle (Oder-Spree). Schon seit Dezember kämpft der Trinkwasser- und Abwasserzweckverband Oderaue gegen die Keime, sagte Verbandschefin Heike Herrmann den PNN. „Wir gingen dazu über, das Wasser mit Chlor zu desinfizieren, dann waren wir die Keime los.“ Allerdings: Als die Kommune das Chlor absetzte, fanden sich die Keime zwei Wochen später wieder im Wasser. Bis heute muss gechlort werden. Als Ursache für die Verunreinigung kämen auch fehlerhafte Leitungsanschlüsse infrage, beispielsweise wenn Grundstücksinhaber ihre Regensammelbecken oder Wasserbrunnen mit dem Trinkwassernetz verbinden. Auch im Landkreis Barnim ist das Leitungswasser seit zwei Wochen mit Keimen belastet, die mit Spülungen bekämpft werden. „Das kann dauern. Auf dem Land sind die Leitungen sehr lang“, erklärte Marianne Suntrop, Sprecherin des Landkreises.

Größere Städte haben dieses Problem nicht. In Frankfurt/Oder habe es noch nie coliforme Keime im Leitungswasser gegeben, teilte der Wasserversorger mit. In Cottbus erinnert sich Lothar Bohm von der Lausitzer Wasser GmbH daran, dass im Oktober vergangenen Jahres Regenwasser in einen Trinkwasserbehälter gelaufen sei. In das Leitungsnetz sei das allerdings nicht gelangt. Wie in Potsdam Kleintiere in einen Wasserbehälter gelangen konnten, ist ihm ein Rätsel. „Eigentlich sind die dicht.“ Er vermutet als Ursache einen Fremdeingriff. Dass die Potsdamer Behälter nicht richtig gewartet sein könnten, kann er sich nicht vorstellen.

 

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