• 17.06.2011

Demo gegen Sparpolitik

Eltern und Lehrer protestieren gegen Kürzungen

Potsdams Schüler und ihre Eltern haben zu neuen Protesten aufgerufen. Am morgigen Samstag wollen sie um 11 Uhr auf dem Luisenplatz gegen die Sparpolitik des Staatlichen Schulamtes und der Landesregierung demonstrieren. Sie fürchten, dass Lehrerstunden gekürzt und einigen Klassen der Klassenlehrer gestrichen werden könnte. Nach ersten Protesten am Helmholtz-Gymnasium und an der Hauptmann-Grundschule schließen sich weitere Schulen der Kritik an. Bis zu 500 Demonstranten werden erwartet.

An 15 Potsdamer Schulen hat das „Bildungsbündnis Potsdam“, gegründet von Eltern der Hauptmann-Grundschule, Einladungen zur Demo verschickt. Die Resonanz war positiv, sagt Sprecher Sven Stolpe. „Wir hoffen, dass viele kommen.“ Die Hoffnung scheint nicht unberechtigt: Der Ärger an den Schulen sei groß, sagt Carola Gnadt, Leiterin des Humboldt-Gymnasiums. „Wir merken, dass das Geld hinten und vorne fehlt.“ Am zusätzlichen Angebot werde gekürzt, Kollegen würden versetzt. Von Bildungsoffensive gebe es keine Spur. Zweites Beispiel Hauptmann-Schule: Die Gesamtlehrerzahl soll hier von 16 auf 15 reduziert werden. Damit stünde nicht mehr für alle Klassen ein vollwertiger Klassenlehrer zur Verfügung, fürchtet Stolpe. „Die Schulleitung oder eine Sonderpädagogin müssten zusätzlich die Klassenleiterfunktion mit übernehmen.“ Der Unterricht würde leiden, Lehrer öfter krank. Schon jetzt fehlen von 16 Lehrern vier.

Im Bildungsministerium kann man die Kritik nicht nachvollziehen: „Es gibt keine Kürzungen“, sagt Sprecher Stephan Breiding. Die Stunden, die abgedeckt werden müssen, würden gehalten. Das Stundenkontingent jeder Schule ändere sich, je nach Anzahl der Schüler. Kürzungen im freiwilligen Angebot, wie dem  Förderunterricht, kann Breiding nicht ausschließen. Förderstunden fallen zuerst aus, wenn Lehrer krank werden. Dass sich zum nächsten Jahr die Gesamtlehrerzahl an einigen Schulen reduziere, hänge mit der Änderung von Tarifverträgen zusammen: Einige Teilzeitkräfte arbeiten nun Vollzeit, deshalb werden Lehrer versetzt. „Die Arbeit wird abgedeckt, verteilt sich aber auf weniger Schultern.“ In der Hauptmann-Schule soll eine Sonderpädagogin eine Klasse leiten, sie habe die entsprechende Ausbildung, so Breiding.

Potsdams Eltern beruhigt das nicht: Gestern kündigte der Kreiselternrat seine Unterstützung für die Demo an. „Der Bildungsmissstand wird nicht weiter hingenommen.“ Gekürzt werde sehr wohl: Zu Beginn des Jahres hatte die Landesregierung Einschnitte im Bildungshaushalt von 28 Millionen Euro angekündigt. tor

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