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  • 31.05.2011
  • von Guido Berg

Bestätigung für Pater Bruns

von Guido Berg

Mächtige Fundamente: In der Dortustraße fanden Archäologen wie Nicola Hensel (l.u.) die Gründungsgemäuer gleich zweier katholischer Kirchen – einer Fachwerkkirche von 1722 und des Nachfolgebaus von 1738. Rechts oben gefundene Weinflaschen. Fotos: Manfred Thomas

Archäologen fanden Fundamente zweier katholischer Kirchen – wie es der Dominikanermönch beschrieb

Innenstadt - Pater Raymundus Bruns (1706-1780) hatte recht. In seinem Tagebuch beschrieb der aus Halberstadt stammende Dominikanermönch, wie die katholische Fachwerkkirche, erst 1722/23 erbaut, schon 15 Jahre später marode war und dass unbedingt eine neue Kirche errichtet werden müsse. Das Dach drohe den Langen Kerls auf den Kopf zu fallen – mit diesem Argument hat er den Soldatenkönig „gekriegt“, erklärte gestern der katholische Probst Klaus-Günter Müller, ihm zu Füßen die Fundamente sowohl der ersten wie der nachfolgenden zweiten katholischen Kirche von 1738 in der heutigen Dortustraße, auf dem Areal des Innenministeriums. Propst Müller gefiel, was er ihm Archäologin Nicola Hensel zeigte: „Die Archäologie hat die historischen Quellen eins zu eins bestätigt.“

In der Tat sind die Fundamente beider Kirchen deutlich voneinander zu unterscheiden. „Sie sind so stark, sie könnten noch heute jede Neubebauung tragen“, vermutete der Potsdamer Stadthistoriker Hartmut Knitter. Mit Wehmut reagiert er auf darauf, dass die Relikte nach der Erforschung durch die Archäologen zugunsten von Nachfolgebauten abgerissen werden: „Die Geschichte verschwindet.“

Dem Probst und weiteren Mitgliedern der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul zeigt Nicola Hensel die Reste einer großen Latrine, die an einen Abwassergang angeschlossen ist. In „torfig-schmierigem Material“ fand sie zwei fast intakte, wenn auch leere Weinflaschen sowie Flaschenscherben. Leider enthielt keine der gefundenen Glasmarken eine Jahreszahl, sondern lediglich die Initialen des Käufers oder das Signet der Glashütte, in der die Flasche produziert worden ist. Ferner fand die Archäologin Reste von Feuersteinen aus den Zündschlössern von Gewehren. Ein komplettes Gewehr wäre ihr lieber gewesen und diese Möglichkeit hätte durchaus bestanden, denn auf dem Gelände existierte eine Gewehrfabrik. Für deren aus Lüttich stammenden Arbeiter katholischen Glaubens ließ Friedrich Wilhelm I. die erste katholische Fachwerkkirche errichten. Vorher, erläuterte Propst Müller, gab es 180 Jahre lang keinen katholischen Gottesdienst in Potsdam. Grund dafür war die Reformation und die damit verbundene Verdrängung des Katholizismus. Die erste katholische Kirche Potsdams stand bis 1551 an der Stelle der heutigen evangelischen Nikolaikirche. Propst Müller: „Das Edikt von Potsdam“ 1686, mit dem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg in Frankreich verfolgte Protestanten nach Brandenburg einlud, „galt nicht für Katholiken“. Erst 1722, als der Soldatenkönig die katholischen Gewehrfabrikanten aus Lüttich brauchte, kehrte der katholische Glauben nach Potsdam zurück.

Eigentlicher Grund für die Grabungen war die Vermutung einer spätsteinzeitlichen Siedlung, die sich bestätigte. Nicola Hensel und ihre Kollegen fanden zahlreiche Vorratsgruben, um etwa Getreide vor Mäusen zu schützen, heute erkennbar als „schwarze Löcher“. Gefunden wurde aber auch ein steinzeitlicher Toter, der in der Hockstellung begraben wurde und dem eine Feuersteinklinge als Grabbeilage beigelegt war.

Es handele sich um ein „männliches Individuum“, wie Archäologin Hensel erklärte. Gefragt, woran sie das erkannt habe, antwortete sie: „An der Form des Hüftknochens.“

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