• 23.03.2011
  • von Von Guido Berg

Von Guido Berg: Bürgerinitiative gegen die Garnisonkirche

von Von Guido Berg

Gründung am 12. Mai / Initiatoren: Falsche Symbolik Am Freitag Spatenstich für Andachtsraum

Innenstadt - Wenige Tage vor dem ersten Spatenstich für ein zeitweiliges Andachts- und Ausstellungsgebäude organisieren sich die Garnisonkirchen-Gegner. Mitglieder der Wählergruppe Die Andere um Lutz Boede sowie einzelne Bürger Potsdams riefen gestern am Standort der ehemaligen Militärkirche zur Gründung einer Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ auf. Die Gründungsveranstaltung soll am 12. Mai von 17 bis 19 Uhr im Kabarett „Obelisk“, Charlottenstraße 31, stattfinden.

Der „Tag von Potsdam“, der sich gestern jährte, sei „das wichtigste Datum der Garnisonkirche“, erklärte Sandro Szilleweit (Die Andere). Aufgrund des damit verbundenen Symbolgehaltes der Garnisonkirche sei deren Wiederaufbau abzulehnen. Ein Initiator, der seinen Namen nicht nennen wollte, nannte die Garnisonkirche „den Geburtsort des Dritten Reiches“. Am 21. März 1933 feierten die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler die Machtübernahme mit einem Festakt in der Garnisonkirche. Ein inszenierter Händedruck zwischen Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg sollte die Einheit zwischen den Nationalsozialisten und den deutschen Konservativen besiegeln. Gleichsam wollte sich die NS-Bewegung als Fortsetzung der preußischen Geschichte in Szene setzen.

Die Initiatoren einer Bürgerinitiative gegen die 1945 schwer beschädigte und 1968 abgerissene Barockkirche hissten gestern ein Transparent, auf dem Hitler und Hindenburg beim Händedruck zu sehen waren; darunter das Brecht-Zitat: „Der Schoß ist fruchtbar noch …“ Boede fürchtet, die neue Garnisonkirche könnte „die Postkarten-Kulisse für Rechte“ werden und Ausgangspunkt für Neonazi-Demonstrationen sein. Dem widersprach Aufbau-Befürworter Michael Kreutzer. Die Kirche werde für Bürgerengagement und Wiederaufbau stehen; damit könnten Neonazis nichts anfangen. Schon in der Garnisonkirchen-Ausstellung hätten sich Neonazis nie blicken lassen.

Initiator Markus Große sprach sich gleichwohl gegen „städtebaulichen Revanchismus“ aus. Es sei ihm unverständlich, dass „sich eine bürgerliche Gesellschaft Schlösser baut, die Symbole sind für andere Zeiten“ – ein Seitenhieb auf die Rekonstruktion der Stadtschlossfassade. Große kritisierte ferner den Abriss von DDR-Architektur, „um der Stadt das Gesicht des 18. Jahrhunderts zu geben“.

Lutz Boede nannte eine Bürgerbefragung aller Potsdamer ein mögliches Ziel der Bürgerinitiative. Am Wochenende hatten sich 76 Prozent der Magdeburger, die an der Landtagswahl teilnahmen, gegen den Aufbau der Ulrichskirche ausgesprochen. Die Kirche in Magdeburgs Stadtzentrum war 1956 gesprengt worden. „Soll die Garnisonkirche wieder aufgebaut werden? Ja oder Nein?“ – So könnte sich Boede die Frage an alle Potsdamer hinsichtlich der Garnisonkirche vorstellen.

„Die Entscheidung für den Wiederaufbau ist längst getroffen – mit den Stimmen der Linken“, erinnerte gestern Burkhart Franck von der Fördergesellschaft Garnisonkirche Potsdam. Eine Bürgerbefragung komme daher zu spät und sei „unzweckmäßig“. Der Potsdamer Vorsitzende der Linken, Sascha Krämer, sprach sich gegen die Verwendung von öffentlichen Mitteln für den Wiederaufbau aus. Die Garnisonkirchen-Stiftung hat von der Stadt Potsdam das Grundstück erhalten sowie zwei Millionen Euro aus dem ehemaligen Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR. Mit diesem Geld wird unter anderem ein temporärer Andachtsraum am Standort der Garnisonkirche errichtet, für den am Freitag dieser Woche um 11 Uhr der erste Spatenstich vollzogen werden soll.

Das Video wurde uns freundlicherweise von PotsdamTV zur Verfügung gestellt.

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