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  • 03.03.2011

Kritik an Abrissen

Initiative fordert Abbruchstopp in Speicherstadt

Innenstadt - Die neue Bürgerinitiative (BI) „Pro Brauhausberg“ kritisiert den Abriss von ihrer Ansicht nach historisch wertvollen Gebäuden in der nördlichen Speicherstadt. Die kommunale Pro Potsdam als Eigentümerin lässt das Areal zwischen dem ehemaligen Schlachthof und der Brücke über die Eisenbahn derzeit für die künftige Bebauung freiräumen.

„Mit Schrecken“ habe man festgestellt, dass die Überreste eines historischen Lokschuppens mit ihren „besonderen Toren“ bereits abgerissen wurden, kritisierte BI-Sprecher Thomas Hintze. Die Tore mit ihren Aufhängungen und ungewöhnlichen Schließmechanismen seien historisch besonders wertvoll, sagte er. Mehrere andere Gebäude stammten vermutlich aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert und seien für Schlachthofverhältnisse sehr aufwendig gebaut und verziert, etwa mit Schnitzereien und „Preußischen Kappen“ (einer besonderen Gewölbebogenform) auf gusseisernen Pfeilern. Dies lege den Schluss nahe, dass sie womöglich auch anderen Zwecken dienten. „Pro Brauhausberg“ fordert, die Gebäude nebst dem roten Ziegelturm schnellstmöglich unter Denkmalschutz zu stellen.

Sowohl die Pro Potsdam als auch die Bauverwaltung im Rathaus wiesen das Ansinnen der BI zurück. Die Abbrucharbeiten seien „selbstverständlich“ bei der Bauaufsicht der Stadt angemeldet, sagte Pro-Potsdam-Sprecherin Kirstin Gebauer den PNN. Auch gebe es von der Bauverwaltung „keine Auflagen zum Erhalt historischer Bauelemente“. Das Unternehmen werde dennoch, soweit technisch möglich, Bauteile, wie gusseiserne Säulen und Geländer, bergen und potenziellen Investoren für Neubauten auf dem Gelände zur Verfügung stellen. Baudezernent Matthias Klipp (Bündnisgrüne) nahm die Pro Potsdam ebenfalls in Schutz. Die betroffenen Gebäude stünden nicht unter Denkmalschutz, ihr Abriss sei seit zwei Jahren in der Diskussion um den Masterplan zur Bebauung von Brauhausberg und nördlicher Speicherstadt öffentlich kommuniziert worden.

Kritik am Prozedere übte indes auch Stadthistoriker Hartmut Knitter. Er sei „schon verwundert“, wie mit der vorhandenen Bebauung umgegangen werde. Knitter verlangte mehr Transparenz. pee

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