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  • 14.01.2011
  • von Matthias Matern

Babelsberger Berlinale-Dienstleister meldet Insolvenz an

von Matthias Matern

Film und Video Untertitelung Gerhard Lehmann AG „unverschuldet“ in Zahlungsschwierigkeiten

Ob „Metropolis“ oder „Brokeback Mountain“ – zahlreiche Klassiker genau so wie jüngste Leinwanderfolge hat die Film und Video Untertitelung Gerhard Lehmann AG in den vergangenen 20 Jahren für das deutsche Kinopublikum übersetzt. Anfang der Woche hat das Unternehmen, das seit zehn Jahren seinen Sitz in Babelsberg hat, beim Potsdamer Amtsgericht Insolvenz beantragt. Vorstand Gerhard Lehmann allerdings gab sich am Donnerstag nach einem ersten Gespräch mit dem eingesetzten Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff von der Potsdamer Kanzlei Bernsau Brockdorff & Partner, zuversichtlich gegenüber den PNN: „Die Aufträge sind da. Wir haben beschlossen, es geht weiter.“

In Schwierigkeiten war die Untertitelung AG wegen des langwierigen Streits um die deutsche Filmförderabgabe vor zwei Jahren geraten, der die Finanzierung zahlreicher Produktionen verhinderte und beim Unternehmen nach eigenen Angaben zu einem Umsatzeinbruch um rund 40 Prozent führte. Mehrere deutsche Kinobetreiber hatten 2009 vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen die Filmförderungsanstalt (FFA) wegen der im deutschen Filmförderungsgesetz verankerte Pflichtabgabe geklagt und gewonnen. Deshalb hält auch Insolvenzverwalter Graf Brockdorff nach bisherigen Erkenntnissen die Krise bei der Film und Video Untertitelung Gerhard Lehmann AG „nicht für selbstverschuldet“. Zuletzt sei das Unternehmen einfach nicht mehr in der Lage gewesen, seine Kredite zu bedienen, so der Insolvenzverwalter.

Derzeit beschäftigt das Unternehmen 18 Mitarbeiter, darunter fünf Auszubildende. Übersetzt wird aus rund 40 Sprachen, darunter neben Japanisch auch Thai, Hindi und Chinesisch. „Das Unternehmen ist in seinem Segment Marktführer und macht einen guten Eindruck“, sagte Graf Brockdorff gestern gegenüber den PNN. Es zeichne sich ab, dass alle Arbeitsplätze erhalten werden könnten. „Jetzt geht es darum, die Kostenstruktur an die möglichen Umsätze anzupassen“, berichtete der Insolvenzanwalt. Dazu stünden nun Gespräche mit den Geschäftspartnern an.

Gegründet wurde die Gesellschaft 1990 in Köln. Zu den wichtigsten Auftraggebern des Unternehmens gehören seitdem die Internationalen Filmfestfestspiele in Berlin. Mehr als 500 Filme hat Lehmanns Team bereits für das Berlinale-Publikum mit zumeist englischen Untertiteln versehen. 2009 etwa liefen „Der Vorleser“ oder „The Messenger“ in den Babelsberger Arbeitsräumen über den Bildschirm, lange bevor sie auf der Berlinale gezeigt wurden. Das wird wohl trotz Insolvenzantrag auch 2011 wieder so sein, machte Insolvenzverwalter Graf von Brockdorff gestern Hoffnung: „Ich gehe davon aus, dass es im Zuge der Berlinale zu erheblichen Auftragseingängen kommt.“ Matthias Matern

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