18.01.2018, 2°C
  • 04.10.2010
  • von H. Dittfeld

Haste ’nen Betonmischer?

von H. Dittfeld

Schaustelle „Freiland“: Jugendzentrum im Umbau öffnete die Tore und lud zur Dankeschön-Party

Teltower Vorstadt - Als Schaustelle hat sich das künftige Jugendzentrum „Freiland“ in der Friedrich-Engels-Straße am Samstag schon einmal bestens bewährt. Es war die erste Großparty auf dem Gelände und es wird wahrscheinlich bis zur Eröffnung der Jugendclubs „Spartacus“ und „S 13“ im Frühsommer die letzte sein. Denn der Winter naht. Bis dahin soll das neue Domizil des „Spartacus“, bei dem die meisten Wände neu aufgemauert werden mussten, seinen Ringanker, die Dachträger und das Dach bekommen. Ende Januar, so rechnet „Freiland“-Betreiber Dirk Harder, können die Jugendlichen dann mit den Innenarbeiten beginnen.

Die jungen „Freiland“-Fans haben sich als Hilfsbauarbeiter bewiesen, Abrissarbeiten in zweieinhalb statt der vorgegebenen drei Wochen geschafft und eine „autonome Dachdeckerinnung“ hat sogar ein Geschenk von 10 000 Euro hinterlassen. Soviel sollte der Abriss der alten Teerpappe vom Dach des „Spartacus“-Gebäudes durch eine Firma kosten. Die sollte das statt der Jugendlichen aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen erledigen. Eines morgens lag neben der heruntergerissenen Dachpappe ein „Bekennerschreiben“ mit der bemerkenswerten Zeile: „Wir schenken euch die 10 000 Euro, die autonome Dachdeckerinnung.“ „Es weiß natürlich niemand“, sagte Kulturaktivist Achim Trautvetter grinsend, „wer sich hinter der autonomen Innung verbirgt.“

Potsdams Jugendbeigeordnete Elona Müller (parteilos), die sich am Samstag die Baufortschritte ansah, war erfreut über das Engagement. „Was man selbst mit aufgebaut hat“, meinte sie, „wird später mehr in Ehren gehalten.“ Die Eigeninitiative will „Freiland“-Betreiber Dirk Harder auch später fördern. Ein Plenum soll zum Beispiel über die Nutzung und Auslastung der Räume entscheiden und maßgeblich auch die Programmgestaltung bestimmen. „Natürlich wird es einige Grundregeln geben, die eingehalten werden müssen“, sagt er. Ansonsten sieht er viel Freiraum im „Freiland“. „Selbst wenn mir manchmal die Gestaltungsvorschläge weh tun sollten.“ Am Samstag zeigte die Künstlerin Julia Brömsel, wie die Innenraumausstattung in Eigenregie aussehen kann. Großformatige Porträts von ihr hingen in den Räumen, die einmal als Künstlergarderobe dienen sollen. Schon jetzt werden Flyer und Internetauftritte von den Jugendlichen selbst gestaltet. Dazu gehört eine Liste, was an Sachspenden alles gebraucht werden kann – vom Betonmischer bis zur Partybestuhlung. „Wir wollen mit möglichst kleinem Budget auskommen“, so Harder.

Das rege Interesse am neuen Jugendtreff hielt bis zum Abend an, im Garten spielten mehrere Bands, das Wandertheater „Ton und Kirschen“ trat auf „Raki Art“ entfachten Lichteffekte und Feuerzauber. Die Nachbarn nahmen das Treiben hoffentlich gelassen hin: Harder versicherte, dass weder die Bands in den Probenräumen mit ihren Phonstärken später einmal nach außen dringen würden, noch der Sound der Veranstaltungen gehört werden könne. Der „Spartacus“ und der Jugendclub werden besonders isoliert und bekommen Schallschutzfenster. Freilichtveranstaltungen werde es höchstens fünf- bis sechsmal im Jahr geben, so Harder.

Das „Freiland“-Jugendprojekt auf dem ehemaligen Wasserwerkgelände in der Friedrich-Engels-Straße ist eine Reaktion auf Proteste von Potsdamer Jugendlichen nach der Schließung der Jugendclubs „Spartacus“ und „S 13“ in der Schlossstraße vor mehr als zwei Jahren. „Freiland“ wird für eine Probezeit von drei Jahren von der „Cultus UG“ von Harder und Trautvetter betrieben. Danach soll über Erfolg oder Misserfolg des Modellprojekts entschieden werden. Die Stadt zahlt jährlich 125 000 Euro und einmalig 300 000 Euro für die Herrichtung des Geländes. Der benötigte Teil des Grundstück kommt kostenfrei von den Stadtwerken, die einen Zuschuss von 440 000 Euro zahlen. 100 000 Euro müssen die Jugendlichen als Eigenleistung einbringen. H. Dittfeld

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!