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  • 20.10.2009
  • von Von Sabine Schicketanz

Von Sabine Schicketanz: Potsdams alte Tankstelle wird verkauft

von Von Sabine Schicketanz

Biker-Treff mit Werkstatt und Café an der Berliner Straße. Seit zwölf Jahren hat Werner Heuser das denkmalgeschützte Ensemble gemietet. Foto: A. Klaer

Gesa will Denkmal für 280 000 Euro veräußern / Stadt wirbt für Erhalt von Biker-Treff und Café

Berliner Vorstadt - Erst kommt die Villa Schöningen, dann die alte Minol-Tankstelle: Der Biker-Treff von Werner Heuser an der Berliner Straße nahe der Glienicker Brücke gehört schon fast zu den Wahrzeichen der Stadt. Doch seine Tage könnten gezählt sein, denn die in den 1930er Jahren errichtete, denkmalgeschützte Tankstelle soll bald verkauft werden. Derzeit laufen die Verkaufsverhandlungen, teilte der Eigentümer, die bundeseigene Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (Gesa), auf Anfrage mit. Das Mindestgebot für das 824 Quadratmeter große Grundstück lag laut Gesa bei 280 000 Euro.

Mieter Werner Heuser fürchtet, dass er bei einem Verkauf der Tankstelle das Gelände räumen muss. Er habe zwar auch ein Gebot abgegeben, doch viel Hoffnung, zum Zug zu kommen, macht sich der unkonventionelle Unternehmer nicht. Obwohl er prominente Fürsprecher hat, zu denen neben den Kunden aus der gutsituierten Nachbarschaft auch Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gehört. Jakobs hat in einem Schreiben an die Gesa seine Sympathie für Heusers Biker-Treff samt Werkstatt und Café zum Ausdruck gebracht. Die Stadt würde es, so der Brief, „sehr begrüßenswert“ finden, könnte Heuser bleiben, und favorisiere eine „direkte Lösung“. Gemeint damit ist der Verkauf der Tankstelle an Werner Heuser. Doch auch wenn „ein Dritter“ der neue Eigentümer wird, wolle die Stadtverwaltung sich engagieren, sagte Stefan Frerichs, Chef der Wirtschaftsförderung. „Wir würden jederzeit als Vermittler zur Verfügung stehen.“

Dies könnte nötig sein, denn zwischen der Gesa und ihrem Mieter scheint das Tischtuch zerschnitten. Die Gesa will sich mit Verweis auf „datenschutzrechtliche Gründe“ zum Stand des Mietverhältnisses nicht äußern, Heuser allerdings berichtet, er habe kürzlich sogar die fristlose Kündigung erhalten. Als Begründung habe die Gesa angebliche Mietschulden geltend gemacht, so Heuser. Die knapp 3000 Euro, die aufgelaufen seien, hätten aber mit Mietschulden nichts zu tun – er habe aufgrund erheblicher Baumängel, unter anderem sei das Dach undicht, lediglich eine Mietkürzung geltend gemacht.

Die Gesa sieht sich nicht in der Pflicht, das Denkmal zu sanieren. „Aus der Perspektive des Denkmalschutzes gibt es grundsätzlich keine Verpflichtung zur Sanierung, weil sich diese immer von der künftigen Nutzungsvariante ableitet“, so Sprecherin Gudrun Finger. Die Gesa habe sich für einen Verkauf der alten Tankstelle entschieden, weil diese „nicht in unser Grundstücksportfolio“ passe. Der neue Eigentümer solle die Möglichkeit haben, ein Konzept für die künftige Nutzung zu erstellen und dies auch bei der Sanierung zu berücksichtigen. Laut Finger wolle auch die Gesa, dass „das denkmalgeschützte Ensemble für eine adäquate Nutzung erhalten bleibt“ und „zur Belebung der Berliner Vorstadt“ beiträgt. Die Stadt Potsdam könne darauf Einfluss nehmen, da der neue Eigentümer seine Pläne bau- und planungsrechtliche abstimmen und genehmigen lassen müsse.

Wenn im November schon Bagger auf die alte Tankstelle rollen, hat das allerdings noch nichts mit der Sanierung zu tun. Nach Auskunft der Stadtverwaltung plant die Gesa bisher, zwei bereits mit Sand verfüllte alte Tanks aus der Erde zu heben und kontaminiertes Erdreich zu beseitigen. Dies sei zwar wegen der relativ schlechten Bausubstanz „baustatisch schwierig“, aber machbar, heißt es aus der Stadtverwaltung.

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