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  • 26.09.2009

Scharfenberg bremst Gruschka

Linke-Chef gegen neue Gewichtung in städtischer Kulturförderung

Potsdams Linke-Chef Hans-Jürgen Scharfenberg reagiert distanziert auf Äußerungen seines Fraktionskollegen Jens Gruschka, die Kulturförderung zugunsten von Jugendprojekten neu zu gewichten. „Das kann nicht der Ansatz sein“, so Scharfenberg gestern auf Anfrage.

Neue Denkprozesse in der Kulturförderung hatte der 22-jährige Gruschka im Zusammenhang mit den ungeklärten Finanzierungsfragen für das von Schließung bedrohte „Archiv“- und das geplante „Freiland“-Jugendzentrum mehrmals öffentlich gefordert – zuletzt am Donnerstag im Jugendhilfeausschuss. Gruschka bezieht sich dabei auf eine Statistik der städtischen Kulturförderbeträge pro Besucher, wonach etwa die Kammerakademie mit 76,14 Euro den höchsten Zuschuss pro Gast erhält und das Hans Otto Theater mit 56,94 Euro je Sitzplatz folgt. Im Vergleich dazu erhalte die Jugendkultur kaum finanzielle Mittel, so Gruschka – jedoch würden damit mehr Menschen erreicht, vor allem solche, die in Potsdam bisher „keine ausreichenden Möglichkeiten haben, sich kulturell zu betätigen. Ähnlich hatte zuletzt bereits die alternative Wählergruppe Die Andere argumentiert, ebenso Stadtjugendring-Chef Dirk Harder.

Scharfenberg dagegen sagte, es könne nicht darum gehen, nun bei der Hochkultur Geld wegzunehmen um in junge Kultur zu investieren: „Wir müssen uns beides leisten können.“ Im Jugendhilfeausschuss hatte bereits die Fachbereichsleiterin Kultur und Museum, Birgit-Katharine Seemann vor „Kulturkannibalismus“ gewarnt, sollte eine solche Verteilungsdiskussion nun beginnen. Beispielsweise verwies sie beim Hans Otto Theater auf dessen Kinder- und Jugendsparte, die auch mit dem Fördergeld finanziert würde.

Unterdessen hat sich am Freitag der Spartacus e.V. zu Wort gemeldet, der „Freiland“ einmal nutzen soll und seit anderthalb Jahren kein Haus mehr hat. Der Verein begrüßte die neue Arbeitsgruppe aus Politik, Verwaltung, Kulturträgern und Jugendlichen, die sich bis nächsten Januar um eine Lösung für „Freiland“ und „Archiv“ kümmern soll (PNN berichteten). Dies sei „längst überfällig“. Zugleich kritisierte der Verein eine „Hinhaltetaktik“ der Stadtpolitik von vor allem CDU, FDP und einzelnen SPD-Politikern zu bestehenden Beschlüssen für einen neuen Spartacus-Standort in der Innenstadt: „Wir hoffen, dass Potsdamer Eltern sehen, welche zukünftige Stadt diese Politik für ihre Kinder vorbereitet und hoffen, dass nicht nur Jugendliche dieser Politik die Rechnung dafür ausstellen.“ HK

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