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  • 18.09.2009
  • von Günter Schenke

Große Skepsis zu „Freiland“

von Günter Schenke

Finanzausschuss fürchtet uferlose Kosten / Harder will kein zweites Waschhaus

Erhebliche Zweifel am alternativen Jugendprojekt „Freiland“ gab es Mittwochabend im Ausschuss für Finanzen. Bekanntlich will eine Initiative einen Teil der Baulichkeiten der Stadtwerke an der Friedrich-Ebert-Straße zu einem Jugendzentrum entwickeln. Ursprünglich war es als Ersatz zum verlorenen Jugendklub „Spartakus“ in der Breiten Straße gedacht. Der Fachausschuss befürchtet jedoch erhebliche Bau- und Nachfolgekosten. „Kann sich das eine Stadt mit 150 000 Einwohnern überhaupt leisten?“, fragte Peter Schultheiß (CDU). Schon jetzt müsse der Haushalt im Jahr vier Millionen Euro für die Jugendklubs hergeben. Außerdem läge der Freiland-Standort eher abseits und nicht zentrumsnah.

Dirk Harder, Geschäftsführer des Stadtjugendringes, versuchte die Ausschussmitglieder für das Projekt, an dem sich die Stadtwerke mit erheblichen Mitteln und durch Einbringen des Grundstücks finanziell beteiligen sollen, zu gewinnen. „Das ist eine preiswerte Variante von Soziokultur“ sagte er. Baukosten in Höhe von 18 Millionen Euro seien aus der Luft gegriffen. Es gebe viele junge Leute, die weg vom Kommerz alternativ leben wollten. Für diese müssten die immer knapper werdenden Räume in Potsdam gesichert werden.

Ausschussvorsitzender Harald Kümmel (SPD) bezweifelte, dass das vorgelegte Konzept, bei dem alles von der Bühnen- bis zur Bürotechnik vorgeplant sei, den Bedürfnissen der Jugendlichen entspreche. „Das ist ein zweites Waschhaus“, sagte er. Kümmel erinnerte an das Wort des Oberbürgermeisters zu „Freiland“ und zum „Archiv“ an der Leipziger Straße: „Beide Projekte können wir nicht finanzieren.“

Laut Stefan Becker (FDP) stehe die Finanzierung auf schwachen Füßen. Verlässliche Kalkulationen lägen nicht vor. Werner Pahnenrich, für die CDU als sachkundiger Einwohner im Ausschuss, kritisierte, dass sich die Stadtwerke finanziell engagieren. „Ich habe niemanden gefunden, der Verständnis dafür hat“, sagte er. Eines Tages könnten die Stadtwerke finanziell ins Schlingern kommen, befürchtet er.

Der Finanzausschuss fasste noch keinen Beschluss zum „Freiland“-Projekt. Laut Kümmel sei das nur eine erste Diskussion. Bürgermeister und Kämmerer Burkhard Exner hüllte sich dabei zunächst in Schweigen. Er hatte bei anderen Punkten bereits sein Pulver verschossen: Haushaltssicherungskonzept, 13 Millionen Euro weniger Ertrag im nächsten Jahr, enormer Anstieg der Sozialausgaben, Finanzkrise.

Auf der nächsten Sitzung will der Ausschuss eine Empfehlung zum Freiland-Projekt für die Stadtverordneten aussprechen. Nach der ersten Diskussion stehen die Zeichen für ein positives Votum eher ungünstig. Günter Schenke

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