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  • 09.09.2009
  • von Von Henri Kramer

Von Henri Kramer: Rettungschance für das „Archiv“

von Von Henri Kramer

Erstmaliger Besuch: Etwa 15 Stadtverordnete verschiedener Fraktionen haben sich gestern im alternativen „Archiv“-Kulturzentrum in der Leipziger Straße über die Probleme des von Schließung bedrohten Hauses informiert. Foto: Manfred Thomas

Stadtverordnete verschiedener Fraktionen besuchen von Schließung bedrohtes Jugendzentrum

Templiner Vorstadt - Für das von Schließung bedrohte „Archiv“-Jugendzentrum deutet sich eine Chance auf Rettung an – falls die Stadtpolitik bereit ist, das alternative Kulturhaus langfristig finanziell zu fördern. Dies wurde gestern bei einem Rundgang deutlich, zu dem der Trägerverein Archiv e.V. Abgeordnete aller Fraktionen im Stadtparlament eingeladen hatte.

Dem Verein liegt demnach ein Angebot des Kommunalen Immobilienservice (KIS) vor, der das denkmalgeschützte Haus in der Leipziger Straße sanieren würde – und dafür laut Vorstandsmitglied Raico Rummel 181 000 Euro jährlich verlangt: „Dieses Geld können wir aber nicht allein erwirtschaften.“ Bislang muss der gemeinnützige Verein Betriebskosten von rund 30 000 Euro im Jahr aufbringen. Würde der Verein aber nun die höhere Summe schultern, so Rummel, müsste das „Archiv“ sein Konzept aufgeben, Jugend- und Soziokultur „für einen schmalen Taler“ anzubieten, basisdemokratisch und ehrenamtlich organisiert sowie ohne kommerzielle Interessen. Gleichzeitig sagte Rummel, der Verein habe einen von der Verwaltung vorgelegten Vorschlag für einen langfristigen Erbbaupachtvertrag abgelehnt: „Diese Variante würde noch wesentlich teurer.“ Er gehe dabei von mehr als 25 000 Euro im Jahr aus.

Wie berichtet, befindet sich das „Archiv“ in einer existenziellen Krise. So darf das Haus für öffentliche Veranstaltungen nur noch bis zum 31. Dezember genutzt werden, danach läuft eine letzte Übergangsfrist der Potsdamer Bauaufsicht ab. Im vergangenen Herbst waren erhebliche Brandschutzmängel im gesamten Gebäude öffentlich geworden, Teile des Hauses wie mehrere Bandproberäume sind seit damals bereits gesperrt. Gestern zeigte der Archiv-Verein, welche Angebote noch bedroht sind: Etwa ein Raum für Partys und Konzerte, ein Café, ein Atelier mit verschiedenen Kunstwerkstätten sowie eine kleinere Sporthalle. Nach Vereinsangaben hat das „Archiv“ damit pro Jahr 60 000 „Besucherkontakte“, im Schnitt mehr als 1000 pro Woche.

Die Stadtverordneten reagierten auf diese Zahlen positiv. „Schließt das Archiv, wäre dies ein gravierender Verlust, der nicht zu rechtfertigen ist“, sagte Stadtpräsident Peter Schüler von den Grünen. Es leuchte ihm ferner nicht ein, warum das Haus und dessen Angebote nicht förerfähig sein sollten.

Dies allerdings geht aus dem umstrittenen Rahmenkonzept „Jugendkultur“ hervor, das die Verwaltung jüngst vorgelegt hat. Darin wird der Archiv e.V. einer Kategorie „Subkultur“ zugeschlagen – einem Bereich, der, so wörtlich, „unabhängig von öffentlicher Einflussnahme existieren will“ – und deswegen nicht förderfähig sei. Auch mehrere Stadtverordnete der Linke kritisierten angesichts der Archiv-Angebote gestern diese Einordnung.

Gleichzeitig zeigte sich beim gestrigen Termin, dass es kaum andere Wege gibt, als das Archiv über langfristige Kredite zu sanieren. Bisher war von sofort nötigen Kosten von 375 000 Euro für die wichtigsten Bauauflagen die Rede. Doch machte Raico Rummel deutlich, dass dann sofort weiter für insgesamt bis zu 2,5 Millionen Euro saniert werden müsste, das Haus beispielsweise dann eine Heizung benötigt: „Sonst schimmelt hier alles weg.“

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