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  • 28.08.2009
  • von Von Henri Kramer

Von Henri Kramer: Kein Geld für Archiv

von Von Henri Kramer

Auf der Kippe: Das „Archiv“-Jugendzentrum in der Leipziger Straße. Foto: A. Klaer

Das neue Rahmenkonzept „Jugendkultur“ stößt auf Ablehnung / Harder: „Viel Schönfärberei“

Die Potsdamer Verwaltung sieht sich nicht in der Lage, die Sanierung des maroden „Archiv“-Jugendzentrums finanziell zu unterstützen. „Angesichts der angespannten finanziellen Lage der Landeshauptstadt ist eine städtische Finanzierung derzeit nicht darstellbar“, heißt es im Rahmenkonzept „Jugendkultur“, das der Fachbereich Kultur im Auftrag des Stadtparlaments jetzt fertig erstellt hat. Allerdings biete die Verwaltung dem Archiv e.V.-Trägerverein einen Erbbaupachtvertrag für den Hauskomplex an, damit das Gebäude saniert werden kann. „Die entsprechende Finanzierung muss der Verein in Absprache mit der Landeshauptstadt erarbeiten“, heißt es.

Für das Archiv bedeutet die klare Position einen Rückschlag: Wie berichtet darf das Haus nur noch bis zum 31. Dezember betrieben werden, danach muss es wegen Brandschutzmängeln entweder saniert werden oder kann nicht mehr als Veranstaltungsort genutzt werden. „Wir benötigen dringend 375 000 Euro“, so gestern Raico Rummel vom Archiv-Verein. Er kündigte an, die Abgeordneten im Stadtparlament zu einem Rundgang einzuladen, um so die Lage zu verdeutlichen.

Das Angebot der Stadt an das Archiv und die Feststellung des Geldmangels ist in dem Rahmenkonzept einer von zwölf Punkten, in denen es um die Forderungen aus dem „10plus-Punkte-Plan“ geht, den der Arbeitskreis Alternative Jugendkultur Potsdam (AJKP) im Winter für die Stadtverwaltung erstellt hat. Wie mit den restlichen Hauptforderungen des AJKP- Katalogs umgegangen werden soll, dazu gibt das Papier allerdings nur wenig konkrete Lösungsvorschläge. So könne der Bau einer Innen-Variante für Skate-Boarder und andere „Fun-Sportarten“ derzeit nicht geleistet werden, heißt es – solch ein Domizil hatte der AJKP als Ersatz für die inzwischen abgerissene Skaterhalle an der Kurfürstenstraße gefordert. Für das geplante „Freiland“-Jugendzentrum verweist das Konzept auf eine Mitteilung an die Stadtverordneten, die die Verwaltung erst kommende Woche veröffentlichen will. Die einzigen AJKP-Forderungen, die die Verwaltung als umgesetzt melden kann, sind die Bereitstellung von legalen Graffiti-Flächen als Ersatz für die Beseitigung von bunten Wänden in der Schiffbauergasse und die Einrichtung eines Jugendkulturfonds für kleinere Projekte in Höhe von 10 000 Euro.

Mit harscher Kritik reagierte gestern Stadtjugendring-Chef Dirk Harder auf das 18-seitige Konzept: „Es enthält viele Absichtserklärungen, aber nichts Neues.“ Zugleich warf er der Verwaltung vor, „Schönfärberei“ zu betreiben – beispielsweise bei der aus seiner Sicht zu positiven Bewertung, was die Potsdamer Jugendklubs beim Thema Jugendkultur leisten könnten. „Ich habe das Gefühl, dass sich das Kulturdezernat aus der Verantwortung zieht und das Thema Jugendkultur dem Jugendamt überlassen will“, sagte Harder. Gleichzeitig kritisierte er das „intransparente Verfahren“, das die Verwaltung beim Konzept zur Zukunft von Freiland gewählt habe: „Wenn das Papier dazu längst existiert, warum wird es erst kurz vor der Stadtverordnetenversammlung veröffentlicht?“ Auch Hans-Jürgen Scharfenberg von der Linke kritisierte das neue Rahmenkonzept gestern als reine „Bestandsaufnahme“. Zum Thema Archiv sagte er, er erwarte, dass die Verwaltung mit dem Verein gemeinsam ein Finanzierungsmodell erarbeite – das auch städtische Zuschüsse vorsehen müsse.

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