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  • 11.07.2009
  • von Henri Kramer

Links und rechts der Langen Brücke: Erneute Baustellen

von Henri Kramer

Henri Kramer sieht eine neue Soziokultur-Debatte in Potsdam

Wer die aktuellen Geschehnisse um Potsdams soziokulturelle Angebote verfolgt, fühlt sich in den vergangenen Sommer und Herbst zurückversetzt. Damals hatte die Verwaltung mit den Baustellen Waschhaus, Lindenpark, „Spartacus“-Ersatz und Archiv zu tun. An dieser Situation hat sich nicht viel verändert. Immerhin: Der Lindenpark in Babelsberg kann sich in der Tat über 600 000 Euro freuen, die das Konjunkturprogramm dem Haus beschert hat. Und die Verwantwortlichen sprechen viel von ihrem Optimismus, es schaffen zu können – den Beweis werden sie zu führen haben. Im Waschhaus dagegen, mitten im zentrierten Kulturstandort Schiffbauergasse, ist nicht einmal Anfangseuphorie zu spüren. Die Verantwortlichen scheinen geschockt, dass ihr Laden nicht mehr der „coole Schuppen“ von früher sein soll und Stammgäste wegbleiben. Zugleich ringen sie mit den Mängeln, die trotz der millionenteuren Sanierung noch bestehen.

Die restlichen Baustellen sind bekannt: Für das Archiv in der Leipziger Straße und seinen Trägerverein läuft bis Jahresende die wohl letzte Frist, mit der Stadt zu einem Ergebnis darüber zu kommen, wie die 400 000 Euro teure Brandschutz-Sanierung für das alternative Jugendzentrum finanziert werden soll. Gelingt das nicht, wird ein gut besuchtes und weithin etabliertes Kulturhaus schließen müssen.

Und dann gibt es da noch ein Vorhaben namens „Freiland“ als Ersatz für das „Spartacus“-Jugendhaus in der Innenstadt: Das dafür anvisierte Gelände in der Friedrich-Engels-Straße scheint den Charme zu besitzen, den Soziokultur benötigt. Doch wer garantiert, dass es wirklich so ist? Wer garantiert, dass Jugendliche dorthin gehen, wenn die jetzt so lässig wirkenden Flachbauten dort für rund eine halbe Million Euro von Handwerkern bearbeitet sind? Vor dem Hintergrund der vielen noch offenen Soziokultur-Baustellen und der voraussichtlich sinkenden Steuereinnahmen wird diese Frage gestellt werden, unweigerlich.

Dies muss nicht zu einer Abkehr von dem Projekt „Freiland“ an sich führen. Doch müssen sich Verwaltung und Stadtpolitik nach der Sommerpause noch einmal gemeinsam mit den Trägern an die soziokulturelle Landkarte der Stadt setzen – und klar definieren, wo genau die Aufgaben von jedem einzelnen Haus sein sollen. Es muss eine klare Trennung geben: Das Waschhaus wird sich wohl mehr auf ein erwachsenes Publikum konzentrieren müssen – für Jugendkultur scheint der Standort Schiffbauergasse nicht mehr geeignet, die Aversionen gegen die glatt sanierten Flächen dort sind täglich in Gesprächen mit der Zielgruppe zu hören. In so einer Rechnung müssten „Freiland“ und „Archiv“ dann das in den kommenden Jahren wachsende junge Publikum abdecken. Denn der Bedarf für Jugendkultur ist in Potsdam da, das haben verschiedene Großdemonstrationen gezeigt. Es wird sich zeigen, ob die neue Kulturbeigeordnete Iris Magdowski und die politischen Mehrheiten in der Stadt dies auch so sehen.

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