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  • 11.07.2009
  • von Henri Kramer

DAS HAUS: KIS soll Waschhaus-Krise verantworten

von Henri Kramer

Dunkle Wolken: Das Waschhaus am gestrigen Nachmittag. Fotos: Andreas Klaer

Betriebskosten offenbar zu hoch berechnet / Finanzielle Lage des soziokulturellen Zentrums ungewiss

Mit einer langen Partynacht feierte das Waschhaus gestern seinen 17. Geburtstag – zugleich ist die Lage des soziokulturellen Zentrums in der Schiffbauergasse offenbar prekärer als bisher bekannt. In dieser Woche hat die Stadtverwaltung bereits die Politik alarmiert: Im nicht-öffentlichen Teil des Hauptausschuss sagte Potsdams neue Kulturbeigeordnete Iris Magdowski, das Waschhaus habe finanzielle Probleme. Dies bestätigten den PNN mehrere Teilnehmer der Sitzung. Andere Quellen aus dem engen Umfeld des Waschhauses sprachen gar von einer erneut drohenden Zahlungsunfähigkeit.

Hintergrund der Misere sollen dabei vor allem die Betriebskosten des Hauses sein – aber auch grundsätzliche Probleme mit dem frisch sanierten Gebäude, in dem es beispielsweise noch zu wenige Toiletten gibt. Dazu kommt die im Vergleich zur Zeit vor der Sanierung geringere Zahl von Gästen, die pro Monat für Konzerte und Partys im Waschhaus zahlen wollen. Diese Gründe hatte Waschhaus-Geschäftsführer Wilfried Peinke gestern im PNN-Interview angegeben. Unter anderem hatte er von zu hohen und „nicht nachvollziehbaren“ Posten innerhalb der Betriebskostenabrechnung gesprochen. Diese wird vom Kommunalen Immobilienservice (KIS) erstellt, der städtische Gebäude vermietet. Gerade diese pauschalen Vorauszahlungen an den KIS seien „ein akutes Problem“, so Peinke.

Dies präzisierte gestern Marcel Kankarowitsch, Chef der Potsdamer Diakonie und zugleich einer der Gesellschafter der neu gegründeten Waschhaus gGmbh. „Der KIS hat bei einigen Posten doppelt so hohe Pauschalen angenommen, als tatsächlich verbraucht werden.“ Darüber werde gerade verhandelt. Zugleich räumte Kankarowitsch ein, dass der Start der Waschhaus gGmbh, die das Haus seit dem 1. März führt, „schwieriger als erhofft“ verlaufen sei. Auf die Frage, ob der Träger neue Finanzhilfen von der Stadt oder dem Land Brandenburg benötige, sagte Kankarowitsch: „Wir haben den Ehrgeiz, den vereinbarten Eigenanteil von 66 Prozent der Kosten zu erwirtschaften.“

Die neuen Probleme des soziokulturellen Zentrums sind deswegen brisant, weil es als gerettet galt. Im vergangenen Jahr hatte der frühere Träger, der Waschhaus e.V., nach erheblichen finanziellen Unregelmäßigkeiten die Insolvenz angemeldet. Da zeitgleich weitere Soziokultur-Standorte schlossen oder bedroht waren, begann eine hitzige Diskussion um Soziokultur in Potsdam und deren Zukunft. In einem Wettbewerb hatte schließlich eine Jury mehrere Konzepte gesichtet und die Waschhaus gGmbH zum Sieger gekürt. Deren bisher vier Gesellschafter stammen allesamt aus Potsdam, eine fünfte Stelle ist noch vakant. Zudem hatte die Verwaltung – obwohl dies anfangs ausgeschlossen worden war – die Fördersumme für das Haus um 110 000 auf 340 000 Euro erhöht. Dazu erhält das Kulturzentrum 120 000 Euro vom Land.

Die trotz der Erhöhung dennoch klammen Finanzen scheinen aber nicht das einzige Problem. Waschhaus-Gesellschafter Kankarowitsch kritisierte gestern indirekt auch die „Zuwendungsgeber“ von Stadt und Land, da diese nach der Insolvenz jeden Schritt im Waschhaus besonders sorgfältig prüfen würden: „Die Starrheit einer Verwaltung passt nicht zu Soziokultur, in der schnell und flexibel entschieden werden muss.“

Auch Beigeordnete Magdowski hat sich gestern zu der Krise geäußert. Sie sagte, die Verwaltung stehe zum Standort Waschhaus. Zugleich stellte sie klar, dass jeder Mieter des KIS „faire Preise“ für Betriebskosten erwarten dürfe. Allerdings appellierte sie an die Verantwortlichen im Waschhaus auch, einen neuen inhaltlichen Weg für das nun „blankgeputzte Haus“ zu finden: „Es kann hier nicht alles bleiben, wie es ist.“ Henri Kramer

Gestern feierte das Waschhaus seinen 17. Geburtstag. Zu Beginn waren die Plätze der geladenen Gäste jedoch noch leer. Draußen wurde dafür der Gingko-Baum wieder eingepflanzt, ein Symbol für das soziokulturelle Zentrum. Im Haupthaus konnten Besucher indes sehen, das etwa die Raucherlounge in den vergangenen Tagen ein neues, bunteres Aussehen erhalten hat.

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