20.01.2018, 2°C
  • 01.07.2009
  • von Janine WerginD

Geschäft ohne Kasse und Preisschilder

von Janine WerginD

Umsonstladen: Es gibt so ziemlich alles vom Buch bis zum Haushaltsgerät

Innenstadt - In der Innenstadt gibt es seit kurzem ein Geschäft, das ohne Kasse auskommt. Plüschteddys, Oberhemden und Keramiktassen haben keine Preisschilder, denn sie kosten nichts. Im Umsonstladen in der Charlottenstraße 28 können Gegenstände abgegeben oder mitgenommen werden – gratis. „Es ist der zweite Laden dieser Art in Potsdam, aber der erste größere, mit dem wir eine breite Masse ansprechen wollen“, sagt Hanar Klich, die das Projekt mit initiiert hat. Drei Mal pro Woche öffnet das Geschäft im Keller unter dem Buchladen „Sputnik“. Vom Haushaltsgerät bis zum Spielzeug ist auf 25 Quadratmetern fast alles zu finden.

Die Idee beruht auf gesellschaftskritischem Denken. „Es wird viel weggeworfen, was andere noch gebrauchen können. Wir üben Konsumkritik. Der Laden ist eine Nische, wo das kapitalistische System aus den Angeln gehoben wird“, sagt Hanar Klich. Die Potsdamerin hatte vor ein paar Jahren einen Umsonstladen in Berlin entdeckt und war begeistert. Beim Friedrichshainer „Schenkladen“ holte sie sich Anregungen.

„Abgegeben werden kann alles, was man mit beiden Händen tragen kann – außer völlig nutzloser Ramsch und dreckige Sachen“, erklärt die gelernte Gärtnerin. Die Mitarbeiter nehmen die Dinge persönlich entgegen, kontrollieren sie auf ihre Brauchbarkeit und erklären den Nutzern, wie der Laden funktioniert. Bringen und holen sind nicht miteinander verbunden. Es gibt auch kein Tauschprinzip. „Wichtig ist uns, dass die Gegenstände nicht auf der Straße vor dem Laden abgestellt werden“, betont die Mittzwanzigerin. Derzeit gebe noch keine Regeln darüber, wie viele Teile maximal gebracht oder mitgenommen werden dürfen. „Vieles wird sich mit der Zeit finden“, glaubt Hanar Klick.

Insgesamt engagieren sich zehn bis zwölf Ehrenamtliche für den Laden. Einige davon haben auch den ersten Potsdamer Umsonstladen „Xintsok“, der im Oktober im alternativen Hausprojekt „La datscha“ in Babelsberg öffnete, mitinitiiert. Weil „Xintsok“ nur in einen kleinen Raum umfasst, entstand die Idee zu einem Laden in der Innenstadt. Finanziert wird das Geschäft in der Charlottenstraße über das EU-Programm „Jugend in Aktion“. Die Ehrenamtlichen hoffen, dass sich weitere Mitstreiter finden, damit das Geschäft häufiger öffnen kann. Die Resonanz war schließlich schon in den ersten Öffnungstagen groß: „Die Leute finden die Idee gut“, so Hanar Klich. Janine Wergin

Der Umsonstladen in der Charlottenstraße 28 hat montags von 14 bis 17. 30 Uhr, dienstags von 15. 30 bis 18. 30 Uhr und mittwochs von 14 bis 17. 30 Uhr geöffnet.

Social Media

Karte

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!