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  • 06.12.2005

85 Häuser am Weltkulturerbe

Bauausschuss für Bornstedt-Pläne / Parkplatz verlegt / Semmelhaack will 30 Millionen Euro investieren

Bornstedt - Der Weg für eine Bebauung an der Bornstedter Ribbeckstraße mit Einfamilienhäusern und für die Errichtung eines Parkplatzes für das Krongut ist frei. Der Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung votierte gestern für die öffentliche Auslegung des Bebauungsplan-Entwurfs. Endgültig entscheiden morgen die Stadtverordneten. Der Bebauungsplan-Entwurf war Ende der vergangenen Woche nach Einsprüchen der Stiftung Schlösser und Gärten und des Landesamtes für Denkmalpflege noch einmal überarbeitet worden. In schriftlichen Stellungnahmen signalisierten Stiftung und Landesamt nun weitgehendes Einverständnis.

Streitpunkt war die Bebauung am und teilweise auf dem Areal des Weltkulturerbes. Nunmehr befinden sich die Baugrundstücke für die Einfamilienhäuser, die das Unternehmen Semmelhaack errichten will, nicht mehr auf geschützten Flächen. Der Parkplatz für 300 Autos und zehn Busse ist in Richtung des neuen Wohngebiets verlagert worden, so dass der Grünstreifen bis zur historischen Bebauung an Ribbeckstraße größer geworden ist. Nördlich sei der Parkplatz nun 30 Meter entfernt, westlich sogar 50 Meter, erklärte Stadtplanungschef Andreas Goetzmann. Zwischen der neuen Bebauung und den Grundstücksgrenzen an der Ribbeckstraße lägen zudem mehr als die von Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt geforderten 70 Meter.

Die Bürgerinitiative „Italienisches Dorf Bornstedt“ signalisierte Einverständnis mit der nun gefundenen Lage des Parkplatzes. „Das ist Konsens“, sagte Erhard-Günter Metz von der Bürgerinitiative. „Wir fragen uns nur, warum es so spät kommt.“ Die Bürgerinitiative habe sich immer für eine solche Verschiebung des Parkplatzes eingesetzt. Nicht einverstanden sei man nach wie vor mit der „Massenbebauung“ durch Semmelhaack. „Das lehnen wir strikt ab. Es gibt genügend andere Einfamilienhausbrachen“, so Metz. Es müsse in einem „aufgelockerten Stil“ gebaut werden, der dem italienischen Dorf Bornstedt gerecht werde.

Semmelhaack werde auf den verbleibenden 65 000 Quadratmetern Baufläche rund 85 Einfamilienhäuser errichten, sagte Projektleiter Helmut Weigelt im Anschluss an die Ausschusssitzung. Dies sei eine Investition von rund 30 Millionen Euro, so Projektentwickler Alexander Wiedemann. Die Grundstücke würden zwischen 600 und 700 Quadratmeter groß sein, erklärte Weigelt. Semmelhaack sei mit der Maßgabe, dass ein städtebaulicher Vertrag die Gestaltung der Häuser regeln soll, einverstanden. „Wir haben uns bereits auf Merkmale geeinigt.“ So solle ein „italienischer Einfluss“ sichtbar sein, es werde keine Spitzdächer und keine glänzenden Dachziegel geben, so Weigelt. Die Häuser sollten „gruppenweise“ anders aussehen und auch verschieden groß sein. Die Vorwürfe von Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt, die Baudichte werde mit dem neuen Entwurf größer, wiesen sowohl der Semmelhaack-Projektentwickler als auch Stadtplaner Goetzmann zurück. Projektleiter Weigelt betonte, Semmelhaack trage alle Kosten für die Erschließung des Bauareals – inklusive Abbiegespuren zum Parkplatz auf der Potsdamer Straße. Dies entspreche Kosten von zehn Millionen Euro.

Die Stadt hat zudem die Errichtung des Krongut-Parkplatzes und die Sanierung der drei so genannten Kossetenhäuser an der Potsdamer Straße zur Bedingung einer Bebauung gemacht. Maßgabe sei gewesen, dass für den Parkplatz keine städtischen Mittel fließen. Eine Ablöse wegen fehlenden Parkraums habe das Krongut nicht zahlen müssen, betonte Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz. „Dies war nicht erforderlich, weil das Krongut mit 75 Stellplätzen nach der Bauordnung genug Parkplätze hat.“ Zwei der Kossetenhäuser seien städtisches Eigentum gewesen, „und wir veräußern keine Denkmale ohne Sanierungspflicht“, so Goetzmann.

Gegen den Bebauungsplan-Entwurf stimmten die Stadtverordneten Saskia Hüneke (Bündnis 90/Grüne) und Ute Bankwitz (BürgerBündnis). „Das ist ein sehr weitreichender Kompromiss“, sagte Hüneke. Erst müsse die Stadt sagen, was sie im Umgang mit der Kulturlandschaft wolle, dann müsse der Investor sagen, ob er dies verwirklichen könne, so Hüneke. In diesem Falle scheine es umgekehrt. Hüneke scheiterte mit einem Änderungsantrag, nach dem östlich der Blumenstraße nahe und auf Weltkulturerbe-Gebiet nicht gebaut werden solle. Bankwitz mahnte, das Wohngebiet an der Ribbeckstraße schaffe dem städtischen Entwicklungsträger Bornstedter Feld unnötige Konkurrenz. Gegen die Bebauung sprach sich auch Eiches Ortsbürgermeister Andreas Klemund aus. Das von Bankwitz beantragte Rederecht für Investor Edwin Vedder, der angekündigt hatte, auf dem Gelände 20 Stadtvillen und den Parkplatz zu bauen, wurde nicht gewährt. Vedder habe keinen Kontakt zur Bauverwaltung aufgenommen, sagte Beigeordnete von Kuick-Frenz.

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