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  • 11.07.2018
  • von Marco Zschieck

13 200 Euro pro Quadratmeter in der Villa Tummeley: Potsdams teuerste Wohnung

von Marco Zschieck

Foto: A. Klaer

Nach Jahren des Leerstands entstehen in der Villa Tummeley bis 2020 Potsdams teuerste Wohnungen.

Potsdam - Im Sonnenlicht glitzern die Wellen auf der Oberfläche des Tiefen Sees, die Blätter der Bäume am Ufer rascheln im Wind und gegenüber entfaltet sich das Panorama des Parks Babelsberg: Über den Baumwipfeln erhebt sich dort der Flatowturm. Wer einen derart idyllischen Ausblick von seiner Wohnung aus haben will, muss tief in die Tasche greifen. Denn wie es in der Immobilienbranche heißt: Entscheidend ist die Lage.

So ist es auch bei der Villa Tummeley. Sie liegt am Nordufer des Tiefen Sees in der noblen Berliner Vorstadt mit einem unverbaubaren Seeblick gen Süden und Südosten. Eine 1a-Lage. Schon jetzt ist klar, dass dort Potsdams teuerste Quadratmeter entstehen: Fast 13 200 Euro pro Quadratmeter werden beispielsweise für eine Dreizimmerwohnung im Ober- und Dachgeschoss der Villa aufgerufen. Wird sie verkauft, dürfte sie im nächsten Grundstücksmarktbericht der Stadt wohl als neuer Rekord verzeichnet werden. Die Höchstmarke aus dem vergangenen Jahr lag wie berichtet bei 9750 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung in der Jägervorstadt.

Jahrelang lag das Areal um die denkmalgeschützte Villa Tummeley allerdings brach. Doch nun tut sich etwas. Bauschilder wurden aufgestellt. Lkw laden Baumaterial ab. Auf dem Grundstück haben bereits die Bauarbeiten für einen ergänzenden Neubau begonnen. Auch die Sanierung der Villa selbst soll noch im Sommer starten, wie Björn Grund vom Vermarkter Welthaus Living den PNN sagte. Die Firma soll die hochwertigen Eigentumswohnungen für den Investor – die auf Denkmalimmobilien spezialisierte Berliner Sanus AG – verkaufen. In Potsdam war Sanus durch seine Beteiligung am Kauf des früheren Landtags auf dem Brauhausberg bekannt geworden.

Gebaut wurde die Villa zwischen 1847 und 1848

Die Geschichte der Villa Tummeley reicht noch etwas weiter zurück, als die der früheren Reichskriegsschule. Gebaut wurde die Villa zwischen 1847 und 1848 vom Architekten Moritz Gottgetreu, der an der Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel in Berlin studierte und in Babelsberg Bauleiter war, im sogenannten Tudorstil. Bauherr war der Kaufmann und Zuckersiedereibesitzer Eduard Tummeley.

Zu DDR-Zeiten war die Villa Tummeley Sitz der Energieversorgung, nach der Wende gehörte sie dann dem Energiekonzern Eon.Edis, der das Grundstück wiederum im Jahr 2006 an VW verkaufte. Doch die Pläne des Automobilkonzerns für eine Tagungsstätte in unmittelbarer Nähe zum VW-Designcenter wurden nicht umgesetzt. Schließlich verkaufte der Konzern Grundstück und Villa an einen privaten Investor, der Eigentumswohnungen errichten wollte. 2014 sollte alles fertig sein, hieß es damals. Doch auch daraus wurde nichts.

Nun gibt es den neuen Anlauf. Die Wohnungen im Neubau – von der Berliner Straße aus gesehen links neben der Villa – sollen Anfang oder Mitte 2020 bezugsfertig sein, so Makler Grund. Bei den Plänen für das dreigeschossige Gebäude mit einem Staffelgeschoss habe man sich eng mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt. Aufwendig sei auch der Bau der Tiefgarage unter dem Neubau – wegen des nahen Seeufers.

3,3 Millionen Euro für das "phänomenale Penthouse"

Noch komplizierter ist Grund zufolge die Sanierung der betagten Villa selbst. Das Gebäude habe unter dem langen Leerstand gelitten. Soweit wie möglich wolle man bei der Sanierung Originalsubstanz erhalten. Deshalb arbeite man eng mit dem Denkmalschutz zusammen. Auch die ebenfalls denkmalgeschützte Parkanlage soll wiederhergestellt werden, sobald die Arbeiten an den Gebäuden beendet sind. Einen öffentlichen Uferweg wird es bis auf Weiteres nicht geben. Der sei zwar im städtebaulichen Vertrag für das Grundstück gesichert, so ein Stadtsprecher. Umgesetzt werde er aber erst, wenn auch auf den angrenzenden Grundstücken ein Uferweg möglich sei.

Die ersten Wohnungen sind bereits verkauft, wie auf den Webseiten des Projekts nachzulesen ist. Andere sind den Angaben zufolge reserviert. Noch zu haben ist beispielsweise das „phänomenale Penthouse“ des Neubaus: eine 256 Quadratmeter große Vierzimmerwohnung im Staffelgeschoss. Allein das Wohnzimmer misst gut 60 Quadratmeter. Wer etwas mehr Bewegungsfreiheit braucht, kann sich auf der 132 Quadratmeter großen Terrasse mit Blick auf den Tiefen See die Beine vertreten. Mehr als 3,3 Millionen Euro werden dafür gefordert, knapp 13 000 Euro je Quadratmeter. „Lebensgefühl auf höchstem Niveau“, heißt es.

Verglichen damit geradezu ein Schnäppchen ist eine Zweizimmerwohnung im ersten Obergeschoss mit 46 Quadratmetern Fläche. 342 700 Euro soll sie kosten. Das sind 7450 Euro pro Quadratmeter. Dafür gibt es eine Wohnküche und ein Schlafzimmer mit einem knapp fünf Quadratmeter großen Balkon zur Nordseite des Gebäudes.

Wer sich für den Kauf einer der Wohnungen entscheidet, muss allerdings noch ein paar zusätzliche Kosten einplanen. „Alle Kaufpreise verstehen sich zuzüglich einer Maklercourtage in Höhe von 5 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer“, heißt es auf der Webseite. Möchte man einen der 39 Stellplätze in der Tiefgarage nutzen, werden dafür noch mal 49 000 Euro verlangt.

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