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  • 13.06.2018
  • von Henri Kramer

Unterricht und Lehrermangel: Hohe Ausfallquoten an drei Potsdamer Schulen

von Henri Kramer

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Das Bildungsministerium legt neue Zahlen zum Unterrichtsausfall in Brandenburg vor – in Potsdam gibt es Probleme. Doch die Landeshauptstadt steht besser da als andere Kommunen.

Potsdam - Drei Potsdamer Schulen haben im vergangenen Jahr zu den Lehreinrichtungen mit dem meisten Stundenausfall im Land Brandenburg gehört. Es handelt sich um die Förderschule am Nuthetal, die Lenné-Gesamtschule und um die Grundschule am Priesterweg. Das geht aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Gordon Hoffmann hervor, die jetzt veröffentlicht worden ist – und einen Blick auf besondere Problemschwerpunkte im Land Brandenburg ermöglicht. 

Die Daten wurden im zweiten Schulhalbjahr 2016/2017 erhoben – also in der Zeit von Februar 2017 bis zu den Sommerferien. Demnach fielen in diesem Zeitraum in der Sekundarstufe der Nuthetal-Schule rund 7,5 Prozent der Unterrichtsstunden ersatzlos aus; an der Lennéschule waren es 4,5 Prozent. Der Landesschnitt in der Sekundarstufe liegt bei rund 3,5 Prozent. In der Drewitzer Priesterweg-Schule registrierte man 4,2 Prozent Ausfall – bei Grundschulen liegt der Landesschnitt bei 1,5 Prozent Ausfallstunden. Schon im Vorjahr hatte der Ausfall bei der Priesterweg-Schule mit 5,5 Prozent über dem Landesschnitt gelegen (PNN berichteten). 

Im Potsdamer Umland erreichte die Werderaner Förderschule am Plessower See mit 10,6 Prozent Ausfall im Primarbereich einen besonders negativen Wert. Die Grund- und Gesamtschule „Heinrich Julius Bruhns“ in Kloster Lehnin kam in der Sekundarstufe auf 4,9 Prozent Ausfall. Die landesweit höchste Ausfallquote verzeichnete eine Oberschule in Frankfurt (Oder) mit 14,2 Prozent. 

Zu den Gründen für den Unterrichtsausfall an den einzelnen Schulen teilte das Ministerium keine Einzelheiten mit. Allgemein hieß es, neben Erkrankungen, Mutterschutz und Elternzeit müssten Lehrer auch an Klassenreisen teilnehmen oder Fortbildungen besuchen. Gerade durch viele Neueinstellungen und Pensionierungen sowie den steigenden Krankenstand angesichts des Altersdurchschnitts der Lehrkräfte sei der Vertretungsbedarf in den vergangenen Jahren gestiegen. Generell müssten Schulen, wenn der Ausfall des kompletten Unterrichts einer Klasse oder in einem Fach über vier Wochen absehbar sei, sofort die Schulämter informieren. Für Extremsituationen könnten die Schulen laut dem Ministerium über die sogenannte Vertretungsreserve des Landes kurzfristig Lehrkräfte einstellen. 

Doch das reicht nicht immer. Beispiel ist erneut die Priesterweg-Schule mit mehr als 350 Schülern und 29 Lehrern: Dort mussten laut den Schulstatistiken des Bildungsservers Brandenburg insgesamt im Winter und Frühjahr 2017 rund 22 Prozent aller Unterrichtsstunden – hauptsächlich wegen Krankheit – vertreten werden. Übrig blieben die besagten 4,2 Prozent Ausfall. Andere Potsdamer Schulen haben es da offenbar leichter, mögliche Ausfallstunden zu kompensieren. So hatte auch die Grundschule Bornim mit 110 Schülern und sechs Lehrern im Winter und Frühjahr 2017 wegen Krankheit rund 22 Prozent potenzielle Ausfallstunden. Allerdings konnte man dort den tatsächlichen Ausfall vor allem mit Hilfe der Vertretungsreserve und mit Referendaren auf 0,8 Prozent beschränken, wie die Statistik zeigt. 

Insgesamt seien in den Potsdamer Schulen im ersten Halbjahr 2017 rund 9300 Stunden ersatzlos ausgefallen, was einer Quote von 1,8 Prozent entspreche, teilte das Bildungsministerium auf PNN-Anfrage mit. Im gesamten Land Brandenburg liege die Ausfallquote mit 2,1 Prozent etwas höher. 

Auch zur Quote der Seiteneinsteiger in den Schulen machte das Ministerium Angaben. Demnach werden in der Potsdamer Region mit der Grundschule am Röthepfuhl in Teltow und der Potsdamer Comenius-Förderschule zwei Einrichtungen aufgelistet, in denen mehr als 25 Prozent der Lehrkräfte ohne amtlichen Abschluss unterrichten. Bei den Förderschulen seien diese Quoten allgemein höher, weil dort viele Sonderpädagogen zum Einsatz kämen, so das Ministerium. Die höchste Seiteneinsteiger-Quote hat eine Grundschule in Berge (Prignitz) mit 50 Prozent. 

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