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  • 08.05.2018
  • von Henri Kramer

5,5 Millionen Euro für die Wissenschaft in Potsdam: Golm: Millionenschub für den globalen Wettbewerb

von Henri Kramer

Standort mit Potenzial. In Golm lernen und arbeiten bereits jetzt 9000 Studenten und mehr als 3000 Wissenschaftler. Erklärtes Ziel der Stadt ist, dort einen international wettbewerbsfähigen Innovationsstandort zu entwickeln. Foto: Karla Fritze/Uni Potsdam

Mit 5,5 Millionen Euro werden unter dem Label Go:Up innovative Projekte am Unistandort Golm gefördert.

Golm - Den Umgang mit renitenten Unterrichtsstörern sollen märkische Lehramtsanwärter künftig auch in virtuellen Klassenräumen üben können. Das ist eines der Projekte, die mit dem am gestrigen Montag von der Universität Potsdam gestarteten Go:Up-Innovationscampus in Golm vorangetrieben werden sollen. Dafür stellen der Bund rund fünf Millionen Euro und das Land zusätzlich 500 000 Euro zur Verfügung, verteilt über eine Laufzeit von fünf Jahren. Das gesamte Vorhaben der Universität, das den boomenden Wissenschaftsstandort Golm zusätzlich beleben soll, wurde gestern erstmals öffentlich präsentiert. Es ist eines von 29 eigens geförderten Projekten in Deutschland im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“.

In den kommenden fünf Jahren sollen dabei auf dem Unigelände in Golm drei Pilotprojekte umgesetzt werden, die als Campus bezeichnet werden. Dabei handelt es sich aber nicht um Investitionen in Bauten, sondern in Köpfe. So ist unter dem Begriff „Bildungscampus“ ein Zentrum für digitales Lernen geplant – in dem auch das besagte Projekt zur virtuellen Lehrerausbildung seinen Platz findet, wie Projektkoordinatorin Uta Herbst gegenüber den PNN erklärte.

Wasserfester Holzleim für die Möbelindustrie

Die Übungen zum Umgang mit computergenerierten Störern hätten den Vorteil, dass sie organisatorisch einfach umgesetzt werden könnten. Ein solches Vorgehen sei auch ethisch unbedenklicher als ein Störer-Training mit echten Schülern, hieß es. Derartige digitalen Lehrformate zu entwickeln und zu erproben sei ihres Wissens nach bisher einmalig in Deutschland, sagte Herbst. Zur weiteren Ausbildung soll auch eine digitale Labor-Grundschule konzipiert werden, hieß es weiter.

Das zweite Projekt ist der sogenannte „Technologiecampus Golm“ – ein gemeinsames Vorhaben der Universität und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung (IAP). Dabei sollen gemeinsam mit Unternehmen sogenannte Joint-Labs-Firmen aufgebaut werden, „die über Organisations- und Fächergrenzen hinweg Räume für Innovationen schaffen“, wie es in der offiziellen Erklärung zum Go:Up-Start hieß. Beispielsweise soll eine der neuen Firmen optische Prozessanalysetechnologien entwickeln, aus der etwa ein wasserfester Holzleim für die Möbelindustrie hervorgehen könne.

Kommunikation zwischen Wissenschaft und Bevölkerung

Ein dritter „Gesellschaftscampus“ soll die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Bevölkerung zu wichtigen Themen wie der Energiewende, grünen Technologien oder aktuellen Gesundheitsfragen befördern, hieß es weiter. Geplant seien unter anderem kreative Wettbewerbe und interaktive Veranstaltungen. „Wir wollen in die Gesellschaft hineinwirken“, sagte Koordinatorin Herbst.

Der Go:Up-Start wurde bei der Präsentation im Fraunhofer-Konferenzzentrum von mehreren Bundes- und Landesvertretern als große Chance für den Standort Golm gewürdigt. Schon jetzt lernen und arbeiten dort 9000 Studenten und mehr als 3000 Wissenschaftler. Nur mit solchen innovativen Orten könne Deutschland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten, sagte etwa Michael Meister (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Gerade der Prozess, aus Forschungsergebnissen konkrete Technologien zu entwickeln, müsse in Deutschland schneller werden. Die Universität Potsdam mit derzeit schon rund 50 Start-up-Unternehmen pro Jahr liege dabei im deutschlandweiten Vergleich auf den vorderen Plätzen, sagte Universitätspräsident Oliver Günther. Oder in Kurzform: „Golm rocks“, wie Günther freudig verkündete.

Brandenburgs wichtigster Technologiestandort 

Gesteuert wird das Go:Up-Programm vom Transfer- und Gründungszentrum der Uni. Dafür werde eigens eine Software entwickelt, damit die Ergebnisse des Prozesses möglichst für alle Akteure zugänglich sind und man sich darüber austauschen kann, wie es hieß.

Das Go:Up-Programm passt zur Entwicklung von Golm, was mittlerweile zu Brandenburgs wichtigstem Technologiestandort herangewachsen ist. Wie berichtet sind in den kommenden Jahren weitere Millioneninvestitionen geplant – unter anderem von Investoren, die ab diesem Jahr rund 30 000 Quadratmeter mit Büros und Laboren bebauen wollen. Auch die kommunale Bauholding Pro Potsdam hatte zehn Hektar Land gekauft, worauf ein „prosperierendes Gewerbegebiet“ entstehen soll. Der brandenburgische Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer sagte, seit 1990 seien an dem Standort allein rund 400 Millionen Euro für die Universität Potsdam geflossen, vor allem aus Mitteln der EU und des Landes. Zugleich lobte er den von der Stadt Potsdam ins Visier genommenen Bau eines neuen Gründerzentrums „Go:In 2“: Die Ausgründungen der Uni sollten möglichst lange am Standort gehalten werden, um die regionale Wirtschaft zu stärken, wie es hieß. Das eröffne gerade auch jungen Menschen sehr gute berufliche Perspektiven in Potsdam.

Im Einklang mit dem Naturschutz

So entfalte der Wissenschaftspark auch zunehmend „Sogwirkung“, stellte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) fest. Ziel sei es, den Standort in den kommenden zehn Jahren zu einem international wettbewerbsfähigen Innovationsstandort zu entwickeln. Hierfür benötige man regelmäßig neue Impulse – wie eben das neue Go:Up. Der weitere Ausbau Golms werde selbstverständlich im Einklang mit dem Naturschutz stattfinden, erklärte der Rathauschef. Hintergrund ist die anhaltende Debatte über schwindende Grünflächen in der rasant wachsenden Stadt.

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