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Themenschwerpunkt:

Stadtentwicklung

  • 15.03.2018
  • von Marco Zschieck

Diskussion um altes Plattenwerk in Potsdam: Arbeitsplätze wichtiger als Wohnheimplätze?

von Marco Zschieck

Investorenpläne. Die Wohnhäuser (oben) stehen schon. Der Riegel in der Mitte soll eine Seniorenresidenz werden, unten ein Gewerbehof unterkommen. Visualisierung: KW Development

Die Gewerbeansiedlung auf dem alten Plattenwerk kam nicht voran. Nun gibt es eine andere Idee. Und die Frage, was wichtiger ist: Arbeitsplätze oder Wohnheimplätze?

Potsdam/Waldstadt - Die Entwicklung des Areals des alten Plattenwerks in der Heinrich- Mann-Allee wird zur Hängepartie. Am Dienstagabend beschloss der Bauausschuss, eine Änderung des geltenden Bebauungsplans prüfen zu lassen. Hintergrund ist ein Disput zwischen dem Entwickler, der Berliner KW Development, und der Potsdamer Wirtschaftsförderung. Dabei geht es darum, ob die bisher unbebauten Flächen als Gewerbegebiet entwickelt werden sollen oder ob dort stattdessen soziale Einrichtungen entstehen sollen.

Seit 2014 gilt der Bebauungsplan für das Areal an der Heinrich-Mann-Allee, der im Norden Wohnungen, im Süden Sportanlagen und dazwischen Gewerbeflächen vorsieht. Doch auf letzteren geht seit geraumer Zeit nichts voran. Mit Verweis darauf hatten die Fraktionen von CDU/ANW und Grünen den Antrag eingebracht. Demnach soll geprüft werden, ob auf der 2,1 Hektar großen Gewerbefläche eine Seniorenpflegeeinrichtung mit Wohnheim und medizinischer Tagespflege sowie betreute, barrierefreie Seniorenwohnungen mit Pflege und Notfallassistenz errichtet werden können. Außerdem soll überprüft werden, ob im hinteren Teil des Gebiets eine Kita mit 130 Plätzen unterkommen kann.

Mangel an Interessenten: Warum es nicht gelang, das Gelände zu vermarkten

Zuvor hatte im Ausschuss der Geschäftsführer der KW Development, Jan Kretschmar, sein Anliegen erläutert. Es sei bisher nicht gelungen, die Brachfläche zu vermarkten. Mangels Interessenten habe ein beauftragter Makler den Auftrag zurückgegeben. Man hoffe nun auf eine andere Lösung, damit das Projekt abgeschlossen werden kann. Den rund 1000 künftigen Anwohnern wolle man kein dauerhaftes Provisorium zumuten. Zwischen Tennisplätzen und Bahnlinie bliebe noch eine Fläche für einen Gewerbehof übrig. Für die Seniorenresidenz gebe es bereits einen potenziellen Betreiber.

Potsdams Wirtschaftsförderer Stefan Frerichs warb im Ausschuss noch einmal eindringlich dafür, das Gewerbegebiet nicht aufzugeben. Die Nachfrage übersteige in Potsdam deutlich das Angebot. Wie berichtet kann nur jedem zehnten Interessenten eine Fläche vermittelt werden. Eine Änderung des geltenden Bebauungsplans wäre kein gutes Marketing für den Gewerbestandort Potsdam, so Frerichs. Die Fläche sei gut erschlossen, autobahnnah, direkt an einem Bahnhof. Frerichs räumte ein, dass es keine Interessenten gebe, die die Fläche als Ganzes nutzen wollten. „Typisch ist eine kleinteilige Nachfrage“, so Frerichs. Man müsse auch Gewerbeimmobilien spekulativ bauen. Nutzer würden sich dann schon finden.

Bau einer Kita auf dem Areal würde wohl eine Entlastung an anderer Stelle mit sich bringen

Ausschussmitglieder regten an, dass Entwickler und Wirtschaftsförderung miteinander das Gespräch suchen. „Reden Sie miteinander“, sagte Saskia Hüneke (Grüne). Auch Ralf Jäkel von der Linken sah noch Abstimmungsbedarf zwischen Entwickler und Wirtschaftsförderung. Deshalb schloss sich die Linke dem Prüfauftrag an – und zog ihren eigenen Antrag zurück, der die umgehende Änderung des Bebauungsplans vorsah. Wie es weitergeht, soll sich Ende September zeigen. So lange läuft die Frist für die Prüfung.

Auf dem Gelände des früheren Plattenwerks hat sich bereits einiges getan: Seit April 2016 werden insgesamt 369 Wohnungen gebaut. Die neun Stadtvillen und zwei Riegelbauten verfügen über fünf Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss. Insgesamt 100 Millionen Euro investiert die KW-Development GmbH in das Bauvorhaben auf dem gut sieben Hektar großen Gelände. Ende 2018 soll das Projekt abgeschlossen sein. Die Bauträgergesellschaft hat in Potsdam schon die Villen am Filmpark errichtet und will in den Beelitzer Heilstätten ein neues Quartier für 4500 Menschen bauen.

Jäkel wies in der Debatte darauf hin, dass der Bau einer Kita auf dem Areal wohl eine Entlastung an anderer Stelle mit sich bringen würde: Dann nämlich könnte auf den Bau einer Kita auf der anderen Seite der Heinrich-Mann-Allee verzichtet werden. Dort, an der Straßenbahnwendeschleife, plant die Stadtverwaltung derzeit den Bau eines Campus für eine Gesamtschule, eine Förderschule, einen Hort, eine Kita sowie zwei Sportplätze für bis zu 1400 Schüler in einem Waldgebiet. Dagegen protestiert wie berichtet eine Bürgerinitiative. Ohne Kita müssten dort etwas weniger Bäume gefällt werden.

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