22.05.2018, 22°C
Themenschwerpunkt:

Garnisonkirche

  • 01.02.2018
  • von Peer Straube

Garnisonkirche in Potsdam: „Nicht verurteilen, sondern Schlüsse ziehen“

von Peer Straube

Foto: Ingo Wagner/dpa

Katarina Witt ergänzt die Promi-Liste der Garnisonkirchen-Förderer. Prominente Gegner gibt es auch.

Potsdam - Queen Elizabeth II. Angela Merkel. Sigmar Gabriel. Günther Jauch. Wolfgang Joop. Die Liste der prominenten Fürsprecher der Garnisonkirche ist lang. Nun ist sie wie berichtet um einen weiteren schillernden Namen reicher. Ex-Eiskunstlaufstar und Olympiasiegerin Katarina Witt hat wie berichtet der „Potsdamer Spitze“, der Zeitschrift der Garnisonkirchen- Fördergesellschaft, ein Interview gegeben, in dem sie ihre Unterstützung für den Wiederaufbau des einstigen Potsdamer Wahrzeichens begründet.

Die Aufarbeitung der Geschichte sei ihr wichtig, erklärt die Neu-Potsdamerin und zieht in der Folge auch Parallelen zu ihrer eigenen Vita. „Als Eiskunstläuferin war ich Repräsentantin eines Landes, von dem ich damals überzeugt war.“ Je mehr man über die eigene Geschichte wisse, „auch um die Fehler, die im eigenen Land passierten, desto besser kann man in die Zukunft gehen.“ Witt hatte bei den Olympischen Winterspielen in Sarajevo 1984 und Calgary 1988 jeweils die Goldmedaille gewonnen. Die DDR- Staats- und Parteiführung nutzte Witts Erfolge als Aushängeschild. Von der Stasi wurde sie jahrzehntelang bespitzelt, unter anderem von ihrem Kollegen Ingo Steuer, der heute als Trainer arbeitet.

„Von diesem einmaligen Turm aus hoch oben auf die schöne Stadt Potsdam zu schauen, wird wunderbar sein“

„In meiner eigenen Biografie habe ich gelernt, Geschichte jeweils auch aus der Situation heraus zu reflektieren, in der sie geschieht“, sagt Witt. Dabei gehe es „nicht darum zu verurteilen, sondern die notwendigen Schlüsse zu ziehen, um für die Zukunft Verantwortung zu übernehmen“. Sie würdigt in dem Interview auch die Rolle der christlichen Gemeinden in der DDR, ohne deren Engagement die Wende nicht möglich gewesen wäre.

Am meisten freue sie sich auf die in 57 Metern Höhe geplante Aussichtsplattform, sagt Witt: „Von diesem einmaligen Turm aus hoch oben auf die schöne Stadt Potsdam zu schauen, wird wunderbar sein.“ Ein solcher Blickwinkel helfe zudem, „sich bewusst zu machen, wie klein wir Menschen sind und wie kurz unsere Lebensspanne ist im Vergleich zur Weltgeschichte – egal, wie erfolgreich sind oder welche Fehler wir machen.“

Ob und wie viel Geld der Sportstar für das Projekt gespendet hat, ist unklar. Summen würden nur mit Zustimmung des Sponsors veröffentlicht, hatte Stiftungsvorstand Wieland Eschenburg bereits auf dem Neujahrsempfang der Garnisonkirchen-Fördergesellschaft erklärt. Doch schon die öffentliche Unterstützung des Projekts sei „Gold wert“, so Eschenburg.

Kritiker des Wiederaufbaus argumentieren hauptsächlich mit dem „Tag von Potsdam“

Witt befindet sich mit ihrer Fürsprache für den Wiederaufbau des Kirchturms in illustrer Gesellschaft. Neben den eingangs erwähnten Namen zählen unter anderem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der in Potsdam lebende Dirigent Christian Thielemann zu den Unterstützern. Selbst das Kuratorium der Garnisonkirchen-Stiftung ist prominent besetzt, etwa mit den früheren Ministerpräsidenten Brandenburgs, Manfred Stolpe und Matthias Platzeck, die frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer sowie Altbischof Wolfgang Huber, der auch Vorsitzender des Kuratoriums ist.

Freilich haben auch die Reihen der Gegner zahlreiche Prominente in ihren Reihen. Zu jenen, die mit dem Projekt vor allem die Geschichte des Bauwerks in der Nazizeit verbinden, zählen unter anderem der evangelische Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer, Ex-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) und die frühere brandenburgische Ausländerbeauftragte Almuth Berger. Die Kritiker des Wiederaufbaus argumentieren hauptsächlich mit dem „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933, als sich Hitler und Hindenburg vor der Kirche die Hand reichten.

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!